Kirchheim

Bruckmühle bleibt vorerst ausgebeint

Sanierung Das historische Gebäude an der Lauter wartet weiter auf seine Erweckung: Trotz vieler Gespräche haben Investor Helmut Ruf und der Kirchheimer Gestaltungsbeirat ganz unterschiedliche Vorstellungen. Von Andreas Volz

Helmut Ruf, flankiert von Eberhard Sieber (links) und Günther Erb, stellt sein Modell der „verlängerten“ Bruckmühle vor.Foto: Ma
Helmut Ruf, flankiert von Eberhard Sieber (links) und Günther Erb, stellt sein Modell der „verlängerten“ Bruckmühle vor.Foto: Markus Brändli

Die Kirchheimer Bruckmühle präsentiert sich schon lange genug in einem beklagenswerten Zustand: Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zeigt zwar sein Fachwerk - aber ganz anders, als man es sich in einer Fachwerkstadt wie Kirchheim vorstellt.

Seit zwei Jahren ist Helmut Ruf aus Esslingen Eigentümer des Gebäudeteils am Kirchheimer Postplatz. Als Geschäftsführer der VIW GmbH sorgt er schon seit drei Jahrzehnten dafür, dass alte, häufig auch denkmalgeschützte Immobilien saniert werden und zu neuem Leben erwachen. Verbunden ist das meistens mit einem Gastronomiekonzept. Mit interessierten Pächtern ist er ständig im Gespräch - auch im Fall der Kirchheimer Bruckmühle.

Ob schwäbische oder mediterrane Küche, das muss sich noch zeigen. Aber es geht um gehobene Gastronomie, nicht um eine Imbissbude. Und das wäre wohl die perfekte Lösung. Man dürfte also täglich damit rechnen, dass die Handwerker anrücken, um aus der Bruckmühle ein neues Schmuckstück zu machen.

Aber: Von Sitzungsrunde zu Sitzungsrunde im Kirchheimer Gestaltungsbeirat wurde über die unterschiedlichsten Konzepte diskutiert, ohne dass am Ende eine Einigung stand. Schließlich kam es zu einem „Werkstattgespräch“, an dem nach Aussage von Helmut Ruf drei Personen beteiligt waren: sein Architekt Stephan Bletzinger aus Filderstadt, Kirchheims oberster Stadtplaner Gernot Pohl sowie Professor Hans Klumpp als Fach-Mitglied des Gestaltungsbeirats.

Auch Gernot Pohl berichtete nun im Gemeinderat von einem solchen Werkstattgespräch. Herausgekommen seien zwei Varianten: Die eine sieht eine Verlängerung der Brückmühle in Richtung Max-Eyth-Straße vor. Der jetzige Kiosk wird abgebrochen und durch eine Terrasse für die Außenbewirtung ersetzt. Variante zwei ist die „Patio“-Lösung: Hier wird der Kiosk ebenfalls abgebrochen, aber durch eine Art „Außenanbau“ ersetzt. Die bisherige Freifläche bliebe erhalten und bekäme lediglich einen überdachten Gang, um die Speisen hin- und hertragen zu können. Von dieser innen liegenden Freifläche hat die Lösung auch ihren Namen erhalten: „Patio“ ist ein anderes Wort für „Atrium“, also für Innenhof.

Zwei Varianten, auf die man sich also geeinigt hat: Was will man mehr? - Stadtverwaltung und Gestaltungsbeirat sagten später, die Verlängerung der Bruckmühle komme unter gar keinen Umständen in Frage - zumal es auch schon vorher Kaufinteressenten gegeben habe, die bei einer solchen Lösung vielleicht gerne zugegriffen hätten. Die könne man jetzt nicht nachträglich vor den Kopf stoßen, meinte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Hei­decker nun im Gemeinderat.

Macht ja nichts, angesichts der Patio-Lösung in der Hinterhand. Das Dumme ist nur: Helmut Ruf hat seinem potenziellen Pächter davon berichtet - und der lehnt es rundweg ab. Das sei für ihn wirtschaftlich völlig uninteressant, weil es für den Gastronomiealltag gänzlich unpraktikabel sei.

Insofern bleibt für Helmut Ruf nur die „Verlängerung“, bei der er den vorhandenen Fachwerkgiebel abtragen und versetzen würde. Die entstehende Lücke würde er mit denselben Materialien füllen, die das übrige Gebäude aufweist: Steinsockel fürs Erdgeschoss, Fach- und Mauerwerk für den Rest. Die „Initiative historisches Kirchheim“, die sich von Anfang an für die Rettung der Bruckmühle stark gemacht hat, ist von dieser Lösung zwar nicht restlos begeistert, hat aber letztlich nichts dagegen einzuwenden: „Wichtig ist, dass dort endlich was passiert“, sagen Günther Erb und Dr. Eberhard Sieber unisono.

Wie es weitergeht, ist völlig unklar: Derzeit blockieren sich Investor und Gestaltungsbeirat gegenseitig, weil ihre Vorstellungen über Kreuz zueinander stehen. Wenn sich daran nichts ändert, bleibt nur eine völlig andere Lösung, die Helmut Ruf bislang aber noch nicht favorisiert: „Ich könnte es mir auch ganz einfach machen und sagen, da kommen Wohnungen rein.“

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