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Chance nicht entgehen lassen

Kommentar von Peter Eidemüller

Der finanziell bedingte Rückzug der Landesliga- kicker von Nafi Stuttgart ist in seiner Dimension beispiellos. Zwar muss man den Verantwortlichen aus dem Norden Stuttgarts zugute halten, dass sie bis zuletzt alles versucht hatten, um kommende Saison doch in der siebten Liga antreten zu können. Und auch, dass sie sich vor Ende der Deadline abgemeldet und so als erster Absteiger die sportliche Verantwortung für das Chaos in der Rückrunde übernommen haben, kann man den Nafi-Machern hoch anrechnen.

Ob man es muss, ist eine ganz andere Frage. Dafür hatte sich der Niedergang seit der Winterpause zu deutlich und öffentlichkeitswirksam angekündigt. Nach der Hinrunde als Tabellenzweiter noch heißer Titelanwärter, verloren die Nafi-Kicker 13 der 15 Rückrundenspiele, nachdem den Spielern keine Gehälter mehr gezahlt worden waren und die Platzmiete in Zuffenhausen nicht mehr beglichen werden konnte. Dass eine verlässliche Planung für die Zukunft vor diesem Hintergrund nicht möglich war, hätten die Stuttgarter früher erkennen und entsprechend handeln müssen.

Leidtragende sind die, die sich eigentlich wie die Schneekönige freuen sollten: Der TSV Weilheim hätte bei einem frühzeitigeren Nafi-Rückzug ein deutlich entspannteres Saisonfinale gehabt. Von einer besseren Position in Personalgesprächen für die kommende Saison mal ganz abgesehen - wechselwilligen Spielern die Landesliga als Perspektive bieten zu können, wäre für Benjamin Geiger ein As im Ärmel gewesen, das nun bei einem möglichen Relegationserfolg nicht mehr stechen wird, weil der Spielermarkt bereits weitestgehend leer ist.

Trotzdem: Über Umwege doch noch die Klasse halten und kommende Saison wieder gegen lokale Topteams wie Bad Boll, Ebersbach und Geislingen antreten zu können, ist eine Chance, die sich die Weilheimer nicht entgehen lassen dürfen. Egal, wer der Gegner im Entscheidungsspiel sein wird.

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