Coronavirus

Corona-Pandemie: Gefangen im Paradies

Reisen Die Kirchheimer Weltenbummler Max Knöfel und Clara Herrmann hängen wegen Corona auf den Philippinen fest. Flüge sind nicht zu bekommen und das dortige Gesundheitssystem bereitet ihnen Sorge. Von Thomas Zapp

Die beiden aus der Luft in El Nido: Sie leben einen Traum, nur weg kommen sie nicht. Fotos: pr
Die beiden aus der Luft in El Nido: Sie leben einen Traum, nur weg kommen sie nicht. Fotos: pr

Wie „El Nido“ müsste etwa das Paradies aussehen: Der traumhafte Strand auf der philippinischen Insel Palawan bietet alles, was das Globetrotter-Herz begehrt: Lagunen wie aus dem Bilderbuch, unendliche Palmenwälder und schwarze Kalkfelsen in türkisfarbenem Wasser. Für das Kirchheimer Globetrotter-Pärchen Max Knöfel und Clara Cosima Herrmann war „El Nido“ - spanisch für „das Nest“ - seit dem 8. März ein traumhafter Zufluchtsort. Doch seit dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie ist ihr Paradies zum Gefängnis geworden und könnte zur Endstation ihrer bisher achtmonatigen Weltreise werden.

Seit Donnerstag patrouillieren Militärs am Strand und schicken Touristen ins Hotel. „Fast alle Läden sind geschlossen, und es gilt eine Ausgangssperre von acht Uhr abends bis fünf Uhr morgens“, berichtet Max Knöfel. Wie es jetzt weitergeht, steht komplett in den Sternen. Letzter Stand am gestrigen Freitag: „Neu ist, dass wir nun strikt unter Heimquarantäne stehen und nur noch einer von uns mit Mundschutz zum Einkaufen auf die Straße darf. Dafür benötigen wir seit heute einen Passierschein. Die Straßen sind ziemlich leer, und es patrouilliert immer mehr Militär und Polizei. Jeden Morgen um zehn müssen wir nun zum Appell und Fiebermessen“, schreibt der Kirchheimer.

Von der Coronakrise haben die beiden auf ihrer Weltreise erstmalig am 21. Januar erfahren - durch Freunde aus Deutschland. Sie hielten sich zu dem Zeitpunkt ausgerechnet in Chinas Hauptstadt Peking auf, bei Verwandten von Clara. „Einen Tag vorher hatten wir noch mit fast 80 000 anderen Touristen die Verbotene Stadt besucht“, erinnert sich Max. Die beiden Kirchheimer wunderten sich, warum trotz guter Luft so viele Menschen mit Masken unterwegs waren. „Wir waren noch gemütlich shoppen und haben uns aus Jux und gegen die Kälte für einen Euro Masken mit Heizkissen gekauft.“ Einen Tag später gab es weder Masken noch Desinfektionsmittel zu kaufen. „Wenn kleine Mengen Masken verfügbar waren, wurden diese für umgerechnet 50 Euro gehandelt, und das in offiziellen Läden.“ Am 24. Januar waren alle Sehenswürdigkeiten geschlossen, die Straßen menschenleer und in die U-Bahnen verirrten sich nur noch einzelne Passagiere, die von Personal in Seuchenschutzanzügen auf Fieber kontrolliert wurden.

Den beiden wurde klar, dass sie China verlassen mussten: Statt wie geplant nach Shanghai ging es direkt nach Bangkok. „Der Flughafen glich einem Krankenhaus mit bewaffneten Wachmännern. Alle trugen Masken und teilweise auch Handschuhe, mehrfach wurde die Temperatur gemessen.“ An Bord war die Stimmung gespenstisch: Die Flugbegleiterinnen servierten das Essen mit Mundschutz und Handschuhen.“

Nach einem Monat in Thailand flog das Kirchheimer Pärchen von Bangkok in die philippinische Hauptstadt Manila. An den Flughäfen wurde wieder Fieber gemessen und in Manila wurden alle chinesisch aussehenden Passagiere am Zoll aussortiert und befragt. Die beiden sahen schon Probleme auf sich zukommen. „Unser China-Visum und -Aufenthalt schien sie aber nicht zu interessieren“, erzählt Max. Anfang März ging es von Manila auf die Insel Palawan und weiter nach El Nido. Dort hängen sie seitdem fest.

Es hatte zwischendurch die Chance gegeben, mit sogenannten „Merci-Flights“ zum internationalen Flughafen Clark zu kommen. „Von dort wären wir, falls wir gültige internationale Tickets ab Manila für die nächsten 24 Stunden vorweisen könnten, vom Militär in speziellen Bussen zum internationalen Terminal des Flughafen Manila gebracht worden.“ Die internationalen Flüge hatten sie aber nicht. Also blieben sie. Jetzt gehen die beiden davon aus, dass sie bis mindestens Mitte April in ihrem „Nest“ festsitzen. Das klingt erst mal nicht so schlimm, allerdings dürfen sie sich nicht auf der Insel bewegen. „Und was passiert, wenn Nahrung oder Wasser knapp werden sollten? Ganz zu schweigen davon, wenn Corona hier ausbricht wie in Italien oder Spanien. Das Gesundheitssystem wird komplett überfordert sein und die Klinik vor Ort gleicht eher eine sowjetischen Landarztpraxis als einem Krankenhaus“, sorgt sich Max. „Oder was ist, wenn zu Hause etwas passiert? Ist es dann nicht besser, bei der Familie zu sein? Wir denken: Ja! Daher haben wir uns in die Krisenvorsorgeliste eingetragen und auch bei Condor FlyHome angemeldet. Die Server sind den Massenzugriffen leider nicht gewachsen, und so kommen wir hier nicht an sinnvolle Informationen.“

Es bleibt spannend, wie es die nächsten Tage weitergeht. Die Kirchheimer haben sich mit sechs anderen Deutschen zusammengetan und gemeinsam ein Haus mit Küche und Pool am Strand gemietet: „Immerhin sehen wir das Meer, können uns im Pool abkühlen und haben einen Garten. So können wir wenigstens nach draußen. Viele andere Touristen können das nicht, weil sie im Zimmer bleiben müssen.“

Clara Herrmann und Max Knöfel: Foto: pr
Clara Herrmann und Max Knöfel: Foto: pr
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