Kirchheim

Corona schafft Barrieren

Randnotiz von Thomas Zapp über die Probleme mit Online-Tickets

Symbolbild
Symbolbild

In einem Land vor unserer Zeit, als man das Wort Corona vor allem mit einem ziemlich wässrigen Bier assoziierte, galt Barrierefreiheit als eins der größten Ziele unserer Zivilisation. Soll sie doch dafür sorgen, dass ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Behinderungen möglichst freien Zugang zu allen Lebensbereichen haben. Dann erschien das Namensvetter-Virus des Bieres auf der Bildfläche und plötzlich gab es Beschränkungen beim Zugang zu den gewohnten Lebensbereichen für alle Bevölkerungsgruppen.

In dem verständlichen Bestreben, möglichst schnell wieder Normalität herzustellen, sind die früher berücksichtigten Gruppen der Benachteiligten scheinbar in Vergessenheit geraten. Wie sonst ist es zu erklären, dass manche Freibäder ihre durch Corona limitierten Eintrittskarten ausschließlich online verkaufen? Es sollte doch eigentlich bekannt sein, dass Senioren oder Menschen mit Behinderungen oft keinen Zugang zum Internet haben oder zumindest keine ausreichenden Kenntnisse, um online Zahlungen abzuwickeln und sich anschließend eine Eintrittskarte auszudrucken.

In der Redaktion haben sich ältere Menschen gemeldet, deren liebste Freizeitbeschäftigung es ist, vormittags in den Freibädern ihre Runden zu drehen. Jetzt wären sie wieder offen, das Wetter passt, aber: Sie haben weder Smartphone noch Computer, geschweige denn einen Drucker zu Hause, um sich eine Eintrittskarte zu kaufen und auszudrucken oder auf dem Handy-Bildschirm mitzunehmen. Kinder und Enkel wohnen zu weit weg, um eben mal vorbeizukommen, der Kontakt zum Nachbarn ist nicht so vertraut, den Freunden und Bekannten im selben Alter ergeht es genauso.

Natürlich kostet es Zeit und Personal, Reservierungen für den Freibadbesuch am Schalter oder per Telefon anzunehmen und die persönlichen Daten einzutragen. Bei aller Begeisterung über die forcierte Digitalisierung durch Corona sollte man das soziale Miteinander aber nicht vernachlässigen: Es gibt immer noch viele Menschen ohne Zugang zum Internet, aus welchen Gründen auch immer. Sie dürfen vor allem in Corona-Zeiten nicht vergessen werden.

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