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Das Cafe Hope fehlt den Menschen

Martina Rieker in ihrem trostlos leeren Cafe Hope.
Martina Rieker in ihrem trostlos leeren Cafe Hope.

Alles andere als glücklich ist Martina Rieker, seit drei Jahren Teamleiterin Ehrenamt und für das Cafe Hope zuständig, das unter dem Dach der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde in Kirchheim im Steingau-Zentrum stattfindet. „Aus hundert Sozialkontakten an einem Tag ist auf einen Schlag einer geworden: mein Mann. Das ist für mich richtig hart und immer noch schwierig“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Welt steht still - und ich bin mittendrin.“

Es ist ihr anzumerken, wie ihr die Menschen fehlen. „Das Cafe Hope ist ein Ort, wo leckeres Essen auch glücklich macht“, sagt Martina Rieker. Gäste und Mitarbeiter seien dankbar für ein gutes Wort und die Mahlzeit. „Das ist ein Gesamtpaket, das mir richtig Freude macht.“ Damit ist jetzt aber erstmal für ungewisse Zeit Schluss.

Von Dienstag bis Donnerstag jeweils von 11.45 bis 13.15 Uhr hat das Cafe in der Steingaustraße 28 mit seinen rund 70 Plätzen geöffnet. 16 bis 18 ehrenamtliche Mitarbeiter pro Tag sorgen neben Martina Rieker und einer Köchin jeden Tag für den reibungslosen Ablauf. Insgesamt sind es rund 40 Mitstreiter. Kommen kann jeder, mithelfen ebenfalls. Es sind Alleinstehende, Migranten, Senioren. „Unsere Mitarbeiter wollen was Sinnvolles tun. Sie werden wie die Gäste wahrgenommen und wertgeschätzt. Wir sind die Cafe-Hope-Familie, das ist ein Gemeinschaftsgefühl“, beschreibt Martina Rieker. Doch das ist im Zuge der Coronakrise komplett weggebrochen. Über Whats-App und Telefon hält sie Kontakt, ab und zu gibt es eine Video-Botschaft. „Da ist auch mal was Lustiges dabei, damit die Leute was zu lachen haben“, sagt sie.

Zu Beginn der Krise war es für zahlreiche Menschen ein regelrechter Einbruch. „Sie haben kein Gegenüber mehr. Manche waren komplett auf dem Rückzug, haben überreagiert und sind 14 Tage lang gar nicht mehr aus ihrem Zimmer raus“, erzählt Martina Rieker. Ihr guter Zuspruch hat schließlich gewirkt. „Man muss jeden mitnehmen, wo er gerade steckt, Jeder braucht etwas anderes“, erzählt sie. Eine häkelt jetzt Topflappen, andere schicken Videos von sich beim Sport zuhause - mit Wasserflaschen als Hanteln. „Wegrennen und wegkämpfen geht bei Corona nicht. Deshalb muss ich das jetzt aushalten“, zitiert Martina Rieker einen ihrer Schützlinge.

Auch einige Migranten sind darunter und die Teamleiterin hat ungeahnte Fähigkeiten bei sich entdeckt. „Ich habe mich wieder mit Mathe auseinandergesetzt und weiß wieder, wie man Zylinder berechnet oder eine Inhaltsangabe schreibt“, erzählt sie lachend. Dann berichtet sie von einem weiteren Telefonat: „Mir fehlen einfach deine Umarmungen, bekam ich zu hören - viele haben niemanden.“ ih

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