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Das Gebäude muss dem Nutzer dienen

Architektur kommt in Deutschland viel zu kurz. Dieser Ansicht ist Juan Pablo Escalona Rivera, Architekt in Kirchheim. Das ehemalige „Lindekind“ war deshalb „total begeistert“, als ihn Jutta Ziller bat, bei dem Workshop mit den Kindern mitzuwirken. Im Vordergrund stand für ihn, Kinder für Architektur zu begeistern. „Wir haben eine große Verantwortung, was Gescheites hinzustellen“, sagt er im Blick auf seine Arbeit.

Die drei Grundregeln Tragfähigkeit, Nutzen und Schönheit haben die Kinder schnell begriffen, auch, weshalb in schneereichen Gegenden Häuser ein Satteldach samt Dachvorsprung haben - und in der Toskana oder in Griechenland ganz andere Häuser gebaut werden.

Oberste Priorität hat für Juan Pablo Escalona Rivera der Nutzer des Gebäudes. „Alles andere ist falsch. Wenn es dann auch noch gut aussieht, hat der Architekt alles richtig gemacht“, sagt er. Als Negativ-Beispiel nennt er eine Gemeindehalle im Großraum Stuttgart, die von der Verwaltung an den Nutzern vorbeigeplant wurde. „Das war schließlich ein regelrechter Machtkampf. Wir haben den Entwurf dann komplett überarbeitet“, so der Architekt. Der ursprüngliche Plan landete daraufhin in der Tonne. „Das Wichtigste ist, zu hinterfragen. Es gibt kein Richtig und Falsch. Als Planer darf man sich nicht drüberstellen. Das Gebäude soll den Nutzern dienen, sie sollen sich darin wohl fühlen“, sagt er.

Gute Architektur ist zeitlos, egal welche (Dach-)Form ein Haus hat. „Das Gespür dafür muss geschult werden. In der Schweiz wird Architektur in der Schule gelehrt“, schaut er neidvoll auf die Nachbarn. Die meisten Menschen würden sich beim Autokauf viel mehr Gedanken machen als bei einem Hauskauf, wundert er sich.

Die Workshop-Kinder haben sich durch die Bank für ein Flachdach entschieden. „Das sind alles ganz tolle Arbeiten. Außen herrscht Strenge, innen das Chaos - und die Rutschbahn sprengt wiederum die Strenge“, ist Juan Pablo Escalona Rivera begeistert von den Ideen des Nachwuchses. ih

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