Kirchheim

Das Geld fehlt, nicht der Wille

Schulpolitik Gemeinderatskandidaten aller sieben Kirchheimer Parteien und Gruppierungen stellen sich einer Podiumsdiskussion am Ludwig-Uhland-Gymnasium. Von Andreas Volz

Die Gemeinderatskandidaten Heinrich Brinker, Nicole Falkenstein, Gerd Mogler, Tonja Brinks, Klaus Buck, Manfred Machoczek und Ra
Die Gemeinderatskandidaten Heinrich Brinker, Nicole Falkenstein, Gerd Mogler, Tonja Brinks, Klaus Buck, Manfred Machoczek und Ralf Gerber (von links) diskutieren am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium über Schulpolitik. Foto: Jean-Luc Jacques

Wie viel Geld kann und will die Stadt Kirchheim in ihre Schulen stecken? Das war das Grundthema einer dreistündigen Podiumsdiskussion am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG). Dazu eingeladen hatte der Elternbeirat des LUG, und zwar je einen Vertreter der sieben Parteien und Gruppierungen, die mit einer Liste für die Gemeinderatswahl am 26. Mai antreten. Schulsozialarbeit, Digitalisierung und Gebäudetechnik waren die Themen. Generell herrschte auf dem Podium Einigkeit darüber, dass in allen Bereichen noch vieles zu verbessern ist. Aber in der Realität scheitert das regelmäßig: an bürokratischen und technischen Hürden wie auch an der Frage der Finanzierung.

Halbe Stelle für 1 100 Schüler

Beispiel Schulsozialarbeit: Alle Gemeinderatskandidaten betonten, wie wichtig es sei, die Stellen dafür aufzustocken. Das wäre ganz im Sinn der Elternbeiratsvorsitzenden des LUG, Jana Mayer: „Wir haben leider nur eine halbe Stelle, für über 1 100 Schüler. Wir würden uns deswegen eine weitere halbe Stelle wünschen, die möglichst von einer Frau besetzt wird, damit auch die Schülerinnen eine Ansprechpartnerin haben.“

Klaus Buck (CDU) wollte nicht in Frage stellen, dass zusätzliche Stellen an allen Schulen dringend nötig wären: „Aber es geht hier um klare Zuständigkeiten. Schulsozialarbeit ist eine Sache des pädagogischen Personals, und das hat das Land zu stellen.“ Ralf Gerber (Freie Wähler) nannte konkrete Zahlen: „Die Stadt gibt jedes Jahr 680 000 Euro für die Schulsozialarbeit an Kirchheimer Schulen aus. Dafür bekommt sie Zuschüsse von insgesamt 250 000 Euro.“ Das sei also weit davon entfernt, dass Stadt, Land und Landkreis sich die Kosten mit je einem Drittel teilen.

Das fehlende Geld zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Bei der Digitalisierung liegt es aber nicht am Geld allein. Fast unisono stellten die Podiumsteilnehmer fest, dass ganz Deutschland die Digitalisierung verschlafen habe. Manfred Machoczek (Grüne) wartet - wie alle anderen auch - auf die Gelder vom Bund: „Die Gießkanne aus Berlin gießt leider nicht so schnell, wie es versprochen worden war.“ Er sähe es sehr gerne, wenn in Kirchheim nicht immer nur leere Rohre für den Breitbandausbau verlegt werden würden, sondern wenn es endlich „volles Rohr“ losgehen könnte.

Die eigentliche Diskussion zur Digitalisierung brachte aber ein Schüler auf, der das Handyverbot an seiner Schule kritisierte. Auch hier waren sich die Kandidaten überraschend einig. Zwar hielten einige ein generelles Verbot nicht mehr für zeitgemäß. Aber grundsätzlich warnten fast alle davor, dass jeder Schüler jederzeit und überall in der Schule sein Handy benutzen darf - denn nur selten werde es tatsächlich zur Wissenserweiterung genutzt.

Striktes Handyverbot?

Tonja Brinks (SPD) ist sogar für ein striktes Handyverbot an Schulen, außer wenn es im Unterricht zur Recherche verwendet wird: „Die ständige Reizüberflutung macht krank. Man muss nicht ständig auf allen Social-Media-Kanälen erreichbar sein.“ Sie war allerdings nicht die einzige Kandidatin, die erwähnte, dass es dazu auch ganz andere Sichtweisen gibt, und zwar in der eigenen Familie.

Von der Digitalisierung ist es ein fließender Übergang zur sonstigen Ausstattung der Kirchheimer Schulen: So war aus dem Publikum zu erfahren - von Lehrern wie auch von Schülern -, dass digitale Inhalte oft deswegen nicht im Unterricht eingesetzt werden, weil schon zu oft das Netzwerk zusammengebrochen ist und weil man es deswegen schon gar nicht mehr versucht, das Internet „live“ in den Unterricht einzubeziehen. Die Ausrüstung mit Beamern scheint in Kirchheim unterschiedlich gut umgesetzt zu sein - wobei sich an Schulen, wo es daran noch mangelt, Schulleitungen und Stadtverwaltung gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben.

So geht es aber gerade weiter, und der Gemeinderat sitzt immer mitten drin - zwischen den Stühlen. Ob es unzeitgemäße NWT-Räume sind oder mangelnde Beschattungsmöglichkeiten für Räume, in denen Prüfungen geschrieben werden müssen, immer geht es um die Frage, wer diese Zustände zu verantworten oder - noch besser - zu beheben hat.

Gerd Mogler (CIK) sagt dazu: „Wir haben einen immensen Investitionsstau und müssten eigentlich alles auf einmal machen. Wir würden also auch gerne alle Straßen sofort sanieren.“ Ein weiteres Problem sei allerdings der Brandschutz an Schulen - eine Pflichtaufgabe, die viel Geld für andere Investitionen verpulvert.

Nachdem auch FDP/KiBü-Kandidatin Nicole Falkenstein an den Rahmen der finanziellen Möglichkeiten erinnert, ist es immer wieder Linken-Kandidat Heinrich Brinker, der fordert, weniger Schulden abzubauen und alle notwendigen Arbeiten sofort anzugehen. Außerdem müsse man immer wieder „Druck aufbauen“ und „Kampagnen starten“, um auch vom Bund die notwendigen Gelder erhalten zu können.

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