Kirchheim

„Das ist die sicherste Art zu starten“

Unglück Nach dem Absturz eines Segelflugzeugs in Kirchheim sprach der Teckbote mit einem Piloten, der am Unglückstag auf der Anlage war. Von Thomas Zapp

Die zeitaufwendigen Ermittlungen der Unfallursache haben begonnen.Foto: Christian Schlienz
Die zeitaufwendigen Ermittlungen der Unfallursache haben begonnen.Foto: Christian Schlienz

Am Montagmittag sind keine Spuren des Unglücks mehr zu sehen, das sich knapp 24 Stunden zuvor auf dem Kirchheimer Flugplatz Hahnweide zugetragen hatte. Die Überreste des Minilak-Segelflugzeugs sind vom Startfeld entfernt worden. Auch die Spezialisten der Bundesstelle für Fluguntersuchungen aus Braunschweig haben ihre Arbeit beendet. Ein Mann verlässt mit seinem Auto den Segelflughangar. „Das ist natürlich ein Schock“, sagt er. Das Opfer war kein Unbekannter auf der Anlage. Er komme aus dem Raum Nürtingen, sagt der Mann.

Ein erfahrener Segelflieger, der an dem Unglückstag auf der Anlage war, kannte den 66-Jährigen ebenfalls. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen - die Segelflieger sind zurückhaltend, was ihren Sport betrifft, der immer in die Schlagzeilen kommt, wenn Unfälle passieren.

Im Gespräch mit dem Teckboten erzählt der Pilot, dass er ein dumpfes Geräusch gehört habe. „Als wäre ein Baum umgefallen.“ Dann sei aber eine Durchsage gekommen, dass der Flugverkehr auf der Anlage gestoppt worden sei.

Das Unglück ist nach Angaben der Polizei nach einem sogenannten Windenstart geschehen, bei dem das Flugzeug mit einem an einer Winde befestigten Seil auf ausreichende Geschwindigkeit und Höhe für den Flug gebracht wird. Am höchsten Punkt der Bahn wird die Verbindung zwischen Seil und Flugzeug getrennt, indem das Seil aus der Verankerung springt. Der Pilot kann die Kupplung auch jederzeit manuell auslösen. Das Kupplungsstück am Seilende fällt dann an einem kleinen Seilfallschirm herunter, während das Seil von der Winde komplett eingezogen wird.

Im Umfeld der Hahnweide habe es geheißen, dass das Seil kurz vor dem Unfall gerissen sei, berichtet der Pilot. „Das ist aber kein Problem, wenn der Pilot richtig darauf reagiert. Generell ist der Windenstart die sicherste Art und Weise, ein Flugzeug in die Luft zu bringen“, fügt er hinzu. Auch der umgekehrte Fall, dass sich das Seil nicht rechtzeitig löst, stelle kein größeres Problem dar, selbst wenn auch die manuelle Kupplungslösung durch den Piloten nicht funktioniert. Dann nämlich kann immer noch die Person am Boden, welche die Winde bedient, aktiv werden. „An der Winde gibt es eine Vorrichtung, bei der ein Messer das Seil durchtrennt. Dann hängt zwar noch ein Seilrest am Flugzeug, aber das ist kein Problem“, sagt er. Wie erfahren der verunglückte Pilot war, vermag der Gesprächspartner des Teckboten nicht zu sagen. „Ich habe ihn häufig auf der Anlage gesehen, aber wie erfahren er ist, weiß ich nicht“, sagt er. So bleiben viele Fragezeichen bestehen an diesem trüben und windigen Tag nach dem Unglück.

Die Luftfahrtexperten haben die Unfallstelle bereits am gestrigen Montag eingehend untersucht. Fraglich ist jedoch, ob die genaue Unfallursache jemals zweifelsfrei zu ermitteln sein wird. „Die Untersuchungen der Bundesstelle für Fluguntersuchungen können bis zu einem Jahr dauern“, bestätigt ein Polizeisprecher. Dass unter Umständen dabei überhaupt kein Ergebnis herauskommt, zeigt auch ein anderes Beispiel: Der Absturz eines Ultraleichtflugzeugs im Talwald vor fast einem Jahr ist immer noch nicht abschließend geklärt. Damals war ein 60-jähriger Pilot aus Tübingen ebenfalls ums Leben gekommen. Seinen Flug hatte er bei optimalen Wetterbedingungen ebenfalls auf der Hahnweide begonnen.

Flugplatz hahnweide
Symbolbild
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