Kirchheim

Das kleine Schloss steckt voller Träume

Führung Finanzministerin Edith Sitzmann hat sich im Kirchheimer Schloss umgeschaut und dabei festgestellt, dass das Land Baden-Württemberg sein Geld in den Sanierungen gut angelegt hat. Von Andreas Volz

Im Innenhof des Kirchheimer Schlosses zeigte sich „Hausherrin“ Edith Sitzmann (links) bestens informiert über die Geschichte der
Im Innenhof des Kirchheimer Schlosses zeigte sich „Hausherrin“ Edith Sitzmann (links) bestens informiert über die Geschichte der einstigen Festungsanlage. Fotos: Carsten Riedl

Wozu braucht Kirchheim ein Schloss? Diese Frage wurde im Lauf der Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich beantwortet: Erbaut worden war das Schloss zwischen 1538 und 1556 als Teil der Landesfestung Kirchheim. 1594 dienten das Schloss und somit auch die Stadt Kirchheim vorübergehend als herzogliche Residenz: Kirchheim war für die Herzogsfamilie aber nur das „Quarantänequartier“, weil in Stuttgart gerade die Pest wütete.

Von 1628 bis 1857 folgte dann eine ganz andere Nutzung: Nicht durchgehend, aber dennoch in schöner Regelmäßigkeit war das Kirchheimer Schloss der Sitz für insgesamt sechs herzogliche Witwen. Anschließend war es Lazarett und Stadtmuseum, und inzwischen ist es seit Jahrzehnten der Sitz des Pädagogischen Fachseminars. Letzteres sieht Baden-Württembergs Finanzministerin Edith Sitzmann als großes Plus. „Wir sind immer froh, wenn wir für unsere staatlichen Monumente eine gute, dauerhafte Nutzung haben“, sagte sie bei einem Rundgang durchs Schloss.

Als Finanzministerin ist die Grünen-Politikerin kraft ihres Amtes nicht nur Kirchheims oberste Schlossherrin. Dennoch konnte sie bei ihrem Besuch in Kirchheim feststellen: „Seit 2012 haben wir 1,12 Millionen Euro in den Erhalt dieses Schlosses investiert, und ich kann guten Gewissens und ohne rot zu werden vor die Steuerzahler treten und sagen, dass das eine gute Investition war.“

Ihre „Schlossverwalter“ von den „Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg“ taten beim Rundgang denn auch alles, um das Kirchheimer Schloss ins rechte Licht zu rücken. Geschäftsführer Michael Hörrmann meinte zwar augenzwinkernd: „Mein Herz schlägt immer auch für den Ort, an dem ich gerade bin.“ Dann aber erwähnte er, dass ihn mit Kirchheim mehr verbindet als der Beruf: Kirchheim ist seine Geburtsstadt. „Masse allein macht es nicht“, sagte er zur Verteidigung des „eher kleineren Monuments“ in Kirchheim: „Im Gegensatz zu den Schlössern in Heidelberg oder Schwetzingen kommen wir in Kirchheim nur auf knapp 10 000 Besucher im Jahr. Aber gegenüber früheren Zeiten ist das eine Steigerung um 40 Prozent.“

Mit dazu beigetragen hat die Arbeit von Janna Almeida, der Leiterin der Schlossverwaltung Bebenhausen, in deren Bereich auch das Kirchheimer Schloss fällt: „Sie hat da offensichtlich eine regionale Marktlücke besetzt und bietet seit einigen Jahren auch an, dass man hier heiraten kann.“

„Heiraten“ ist ein gutes Stichwort: Schließlich kann das Kirchheimer Schloss mit zahlreichen Liebesgeschichten aufwarten: So hat Herzogin Henriettes Sohn Alexander von Württemberg einst auf Titel und Apanagen verzichtet, weil er Claudine Gräfin Rhédey von Kis-Rhéde heiraten wollte. Seine große Liebe galt dem Haus Württemberg aber nicht als ebenbürtig. Claudines Porträt ist seit zwei Jahren eines der Prunkstücke im Kirchheimer Schloss, dessen Schauräume im Stil Franziskas von Hohenheim und Herzogin Henriettes eingerichtet sind.

Von Kirchheim zu den Windsors

Was bei keiner Schlossführung fehlen darf, ist der Hinweis darauf, dass die Nachkommen der unstandesgemäßen „schönen Ungarin“ sogar ins englische Königshaus aufsteigen konnten. Die Enkelin von Alexander und Claudine - Maria von Teck - heiratete 1893 den Enkel von Königin Victoria. Als verwitwete Queen Mary erlebte sie kurz vor ihrem Tod 1953 noch die Vorbereitungen zur Krönung ihrer eigenen Enkelin, der heutigen Königin Elisabeth II.

Es gibt also durchaus royalen Glanz im Schloss. Michael Hörrmann träumt aber auch von der Wiederherstellung einstiger Herzoginnen-Pracht: „Es wäre schön, wenn wir den früheren Garten auf dem Wall ansatzweise wieder erlebbar machen könnten.“ Ein Problem dabei sind die niedrigen Mauern, die eine Gefahr für Besucher darstellen könnten. Ein anderes Problem ist das fehlende Geld. Aber Michael Hörrmann hat seinen „Traum“ ja bewusst der Finanzministerin erzählt.

Michael Hörrmann, Bürgermeister Günter Riemer und Finanzministerin Edith Sitzmann (von links) am Tisch Herzogin Henriettes.
Michael Hörrmann, Bürgermeister Günter Riemer und Finanzministerin Edith Sitzmann (von links) am Tisch Herzogin Henriettes.
Anzeige