Kirchheim

Das Lachen muss einem passieren

Kindertheater Raus aus der Schule, rein in die Stadtbücherei in Kirchheim. Dort begeisterte die Württembergische Landesbühne Esslingen mit Mörikes Werk: „Das Lachen der schönen Lau“. Von Sabine Ackermann

Die Schauspielerin Marion Jeiter stellt die schöne Lau mit einfachen Requisiten dar.Foto: Sabine Ackermann
Die Schauspielerin Marion Jeiter stellt die schöne Lau mit einfachen Requisiten dar.Foto: Sabine Ackermann

Ganz vorne auf den Kissen, da sieht man alles“, klärt der blonde Junge beim Hereinstürmen seinen Kumpel auf. Scheint Profi zu sein, was die besten Plätze und damit freie Sicht auf die imaginäre Theaterbühne betrifft. Denn eine Erhöhung gibt es im Vortragssaal der Stadtbibliothek Kirchheim nicht. Dafür aber jede Menge bunter Kissen, auf denen das junge Publikum noch vor den Stuhlreihen bequem sitzen und zuschauen kann.

Was für eine tolle Abwechslung vom Schulalltag, lustig und lehrreich zugleich. Im Rahmen der Kinder- und Jugendtheaterwochen „Kirchheimer Szenenwechsel“ erfahren insgesamt über hundert Grundschüler, wie wichtig und gleichwohl berührend im Leben das Lachen ist. Aus Eduard Mörikes Märchen „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ stammt die Geschichte „Das Lachen der schönen Lau“, aufgeführt von der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB).

„Wer kennt die Wassernixe aus dem Blautopf in Blaubeuren?“, stellt Christiane Eisebraun von der Stadtbücherei vorab die Frage, und nicht wenige Finger, die wie auf Kommando nach oben schnellen. „Einmal Spätzle mit Soß, einmal Soß ohne Spätzle und einmal Forelle blau mit Salzkartoffeln“, nimmt Bertha die Bestellung entgegen.

Bertha ist Köchin und Hauptdarstellerin, genaugenommen ist Marion Jeiter die Einzige, die in alle Rollen schlüpft. Ein kleiner Tisch mit verschiedenen Küchenutensilien darauf, daneben ein großer, silbrig glänzender „Blautopf“ mit Sichtfenster, das einen Blick auf die Unterwasserwelt der schönen Lau freigibt. Und diese zeigt sich genauso reduziert wie Kulisse und Requisiten. Eine Schöpfkelle mit Spaghetti-Haaren, fertig ist die traurige Wasserfrau, die aufgrund eines Fluches nicht mehr lachen kann. Zum Glück trifft sie auf Bertha und „König Heinrich den Achten“, eine knallrote, sprechende Forelle. Zusammen wollen sie der schönen Lau helfen. Wenn­gleich jemand zum Lachen zu bringen gar nicht so leicht ist. Ganz natürlich sowie mit offensichtlichem Spaß am Spiel entführt die sympathische Mimin die durchweg still lauschenden Kinder in die Unterwasserwelt. Kurze Spielszenen, knappe Dialoge - die WLB hat mit Schauspielerin Marion Jeiter die Geschichte altersentsprechend ohne großen Schnickschnack aufbereitet. „Das Lachen kann man nicht lernen, das muss einem passieren“, bringt es die 31-Jährige auf den Punkt. Eingespielte Lacher aus dem Off, Figuren wie der pupsende Toni, der singende Pfarrer aus dem Kloster oder der Zungenbrecher „S‘leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei“ verleihen dem Stück eine ganz besondere Note.

„Sehr gut und lustig“, loben Julian und sein Kumpel Tino, dagegen „ganz anders vorgestellt“ haben es sich Karina und Sophie. „Wir dachten, da spielen mehr Personen mit, wie zum Beispiel die schöne Lau“, erzählen die Freundinnen, denen es aber trotzdem gefallen hat. Ganz begeistert von der Aufführung zeigte sich Stefanie Gehring. „Ich habe meinen Schülern bewusst nichts vom Inhalt erzählt, den Stoff nehmen wir morgen im Unterricht durch“, kündigt die Grundschullehrerin an.

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