Infoartikel

Das Mess-Fahrrad

Strampeln für die Wissenschaft: Wie das geht, machte gestern in Kirchheim Martin Temmen vor. Er ist Akademischer Mitarbeiter der Stiftungsprofessur Radverkehr an der Hochschule Karlsruhe. Auch wenn die Professorenstelle noch nicht besetzt ist, der dazugehörige Stab ist bereits vorhanden - und das technische Equipment. Das Sensor-Bike, mit dem Martin Temmen in Kirchheim an den Start ging, erfasst zunächst „handelsübliche Dinge“ wie Strecke, Steigung, Distanz, Herzfrequenz oder Leistung. Außerdem misst es aber auch den Abstand zu vorbeifahrenden Autos. Ein Bremssensor registriert das Anfassen der Bremshebel - als Anzeichen der Bremsbereitschaft - sowie die Bremsstärke. Kameras zeichnen beständig das Verkehrsgeschehen auf, nach vorn, nach hinten, zur Seite.

Alle Daten zusammengefügt, lässt sich nicht nur ablesen, in welche Gefahrensituationen der Radfahrer grundsätzlich kommt. Vielmehr geht es auch darum, zu erfahren, wann er wie und warum reagiert. In welchen Verkehrssituationen neigt er zum Bremsen? Wann bremst er tatsächlich, und wie stark? Aber außer der fahrzeug- und verkehrstechnischen Seite interessiert auch das „Innere“ des Radfahrers: Weiter Messungen sollen Aufschluss darüber geben, welchem Stress der Radfahrer gerade ausgesetzt ist. Auch das lässt sich auswerten und mit sämtlichen anderen Daten in Beziehung setzen.

Der Stress des Radfahrers kann ganz unterschiedliche Gründe haben und ganz unterschiedliche Ausmaße annehmen. Durch das Sensor-Bike lässt sich zumindest im individuellen Fall nachweisen, welcher Abstand eines vorbeifahrenden Autos zu welcher Stressintensität beim Radfahrer führt. Bestenfalls lässt sich so eben auch der Mindestabstand herausfinden, der bei möglichst allen Radfahrern keinen Stress mehr auslösen sollte. Anhand der Daten lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie Radwege so zu gestalten sind, dass Stress als zusätzlicher Gefährdungsfaktor möglichst gar nicht mehr entsteht. vol

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