Kirchheim

Das Sitzfleisch wird auf die Probe gestellt

Premiere Vor dem ersten Film eröffnen Kinobetreiber Reimund Fischer und Oberbürgermeister Pascal Bader gemeinsam das Kirchheimer Autokino. Von Andreas Volz

Im Autokino geht‘s rund: Die Fahrzeuge stellen sich im Halbkreis auf - bevor zum Auftakt „Nightlife“ über die Leinwand flimmert.
Im Autokino geht‘s rund: Die Fahrzeuge stellen sich im Halbkreis auf - bevor zum Auftakt „Nightlife“ über die Leinwand flimmert. Fotos: Carsten Riedl

Alarm im Autokino: Kaum hatten Kinobetreiber Reimund Fischer und Oberbürgermeister Pascal Bader den Pick-up erklommen, der als Rednerbühne vor der Leinwand gedacht ist, ging dessen Alarmanlage los - als wolle das Auto zeigen, dass das Autokino nach ihm benannt ist.

Lichtzeichen sind im Autokino übrigens durchaus erwünscht: „Sie dürfen jetzt gerne klatschen“, sagte Reimund Fischer nach seiner kurzen Begrüßung auf dem Autokino-Radiokanal 93,3 und gab dazu die Regieanweisung: „Bitte nicht hupen, betätigen Sie einfach ihre Lichthupe.“ Das klappte auf Anhieb, wie auch sonst beim Premierenabend auf dem Güterbahnhofs­areal fast alles reibungslos lief.

Für alles, was noch verbesserungswürdig ist, entschuldigte sich Reimund Fischer zunächst, bevor er versprach, mögliche Kinderkrankheiten zu untersuchen und sie während der Testphase der ersten Woche gemeinsam mit seinem Team in den Griff zu kriegen.

Oberbürgermeister Bader, dem die Corona-Krise seinen Start im neuen Amt gründlich durcheinandergebracht hatte, freute sich nun über eine Aufgabe, die ohne das Virus sicher nicht auf ihn zugekommen wäre: „Ich hätte nie gedacht, einmal in Kirchheim ein Autokino eröffnen zu dürfen. Das ist vielleicht das Positive an diesem ganzen Mist mit Corona.“

Aufs Thema „Autokino“ hatte er sich gründlich vorbereitet: „1933 wurde das erste Autokino in New Jersey eröffnet.“ In der Hochphase gab es in den USA über 5 000 solcher Drive-in-Cinemas. Ohne auf die näheren Gründe einzugehen, nannte Pascal Bader auch noch ein wichtiges Detail: „Besonders beliebt waren die Plätze in der letzten Reihe. Dafür musste man immer einen Aufpreis zahlen.“ Autokino war einstmals eben doch mehr als nur ganz großes Kino.

Autoindustrie sorgte für das Aus

Für den Niedergang des Autokinos habe dann ausgerechnet die Autoindustrie gesorgt, führte Pascal Bader weiter aus: „Die Autohersteller haben umgestellt - von der Lenkrad- auf die Knüppelschaltung. Fortan gab es vorne keine durchgehende Sitzbank mehr.“ Letzteres ist - unabhängig von irgendwelchen Hintergedanken - auch heute ein großes Problem im Autokino: Moderne Autositze mögen noch so bequem sein, aber als Kinosessel sind sie nur bedingt geeignet. Das liegt vor allem am „Zweck des Möbels“: Bei jedem Wechsel der Sitzposition stößt man an die Grenzen des Autos. Da hilft nur eins: Im Sinne Christian Morgensterns sollte man einfach den „Sitz-Geist“ über das „Sitz-Fleisch“ erheben.

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