Infoartikel

„Der Abschied“ Gustav Mahlers in der Original-Fassung Hans Bethges

Zum 75. Todestag Hans Bethges seien hier zwei Gedichte aus der „chinesischen Flöte“ aufgeführt, die Gustav Mahler unter dem passenden Titel „Der Abschied“ in seinem „Lied von der Erde“ zusammengefasst hat:

In Erwartung des Freundes Die Sonne scheidet hinter dem Gebirge, / In alle Täler steigt der Abend nieder / Mit seinen Schatten, die voll Kühlung sind. O sieh, wie eine Silberbarke schwebt / Der Mond herauf hinter den dunkeln Fichten, / Ich spüre eines feinen Windes Wehn. Der Bach singt voller Wohllaut durch das Dunkel / Von Ruh und Schlaf… Die arbeitsamen Menschen / Gehn heimwärts, voller Sehnsucht nach dem Schlaf. Die Vögel hocken müde in den Zweigen, / Die Welt schläft ein… Ich stehe hier und harre / Des Freundes, der zu kommen mir versprach. Ich sehne mich, o Freund, an deiner Seite / Die Schönheit dieses Abends zu genießen, - / Wo bleibst du nur? Du läßt mich lang allein! Ich wandle auf und nieder mit der Laute / Auf Wegen, die von weichem Grase schwellen, - / O kämst du, kämst du, ungetreuer Freund!

Der Abschied des Freundes Ich stieg vom Pferd und reichte ihm den Trunk / Des Abschieds dar. Ich fragte ihn, wohin / Und auch warum er reisen wolle. Er / Sprach mit umflorter Stimme: Du mein Freund, / Mir war das Glück in dieser Welt nicht hold. Wohin ich geh? Ich wandre in die Berge, / Ich suche Ruhe für mein einsam Herz. / Ich werde nie mehr in die Ferne schweifen, - / Müd ist mein Fuß, und müd ist meine Seele, / Die Erde ist die gleiche überall, / Und ewig, ewig sind die weißen Wolken…

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