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Corona Jessica Villamar Ruiz lebt mit ihrer Familie seit Silvester auf Teneriffa. Die einstige Geschäftsführerin des Brückenhauses darf nur noch zum Einkaufen und Gassigehen mit dem Hund das Haus verlassen. Von Iris Häfner

Auf Teneriffa gilt wie in ganz Spanien der nationale Notstand. Das bedeutet für Jessica Villamar Ruiz, dass sie und ihre Familie ihr Haus nur verlassen dürfen, wenn es nötig ist. Bis Ende vergangenen Jahres war Jessica Villamar Ruiz die Geschäftsführerin des Brückenhauses. Seit Silvester lebt sie mit ihrem Mann, den beiden Kindern und dem Hund auf der Ferieninsel. Mit Sack und Pack sind sie ausgewandert, weil Jessica Villamar Ruiz die Leitung des Kindergartens an der deutschen Schule übernommen hat.

Ausnahmen, um das Haus verlassen zu dürfen, gibt es: zum Beispiel Lebensmittel einkaufen - alle anderen Läden haben zu -, zur Apotheke gehen, Tanken, Arztbesuch oder Arbeit. „Zum Arzt darf man aber eigentlich auch nur in absoluten Notfällen, ansonsten ruft man an und bekommt eine Telefondiagnose oder schickt ein Mail mit Bildern“, erzählt Jessica Villamar Ruiz.

Zur Arbeit kann sie selbst nicht gehen, weil der Kindergarten und die Schule zu sind. „Auch wir Mitarbeiterinnen dürfen nicht rein. Deshalb habe ich jetzt einen Online-Kindergarten eingerichtet. Da eine wichtige Aufgabe in unserem Kindergarten das Deutschlernen ist, nehmen nun meine Kolleginnen Lieder und Geschichten auf Deutsch auf und stellen sie online“, beschreibt die Pädagogin ihren Alltag.

Des Weiteren gibt es verschiedene Malblätter zum Ausdrucken, Malen nach Zahlen, Bastelideen und anderes mehr. „Am meisten freuen sich die Kinder aber darüber, die Stimmen von ihren Erzieherinnen zu hören“, erzählt Jessica Villamar Ruiz. Ansonsten nutzen sie und ihre Mitarbeiterinnen die Zeit, um ihre Konzeption zu überarbeiten und pädagogische Fachliteratur zu lesen. „Alles, was sonst im Kita-Alltag zu kurz kommt“, kann sie der Situation auch etwas Positives abgewinnen. Eine Notbetreuung wie in Deutschland gibt es auf Teneriffa ihres Wissens nicht.

So weit sie die Situation überblicken kann, halten sich die Menschen an die Anweisung, nicht aus dem Haus zu gehen. „Da wir uns selbst auch daran halten, kann ich aber nur über meinen Block sprechen“, sagt Jessica Villamar Ruiz. Die Polizei fährt durch die Straßen und sagt durch, dass man zu Hause bleiben soll, und es gibt auch Kontrollen. Jeden Abend um 20 Uhr - auf Teneriffa um 19 Uhr wegen der Zeitverschiebung - gehen alle in ganz Spanien auf den Balkon und klatschen für die Krankenschwestern und -pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte. „Das fühlt sich gut an, weil man etwas Gemeinsames macht“, berichtet die Pädagogin.

Ihr und ihrer Familie geht es so weit gut. „Wir sind kurz vor dem Notstand erst umgezogen und deshalb noch mit Einräumen und Einrichten beschäftigt“, erzählt sie. Die Kinder haben Hausaufgaben online geschickt bekommen. Noch fällt der Familie die Decke nicht auf den Kopf. „Tatsächlich ist das Gassigehen mit dem Hund eine der wenigen Ausnahmen, warum man raus darf. Deshalb gibt es im Internet viele Witze über Leute, die mit Plüschhunden rausgehen. Wir gehen immer abwechselnd, damit jeder kurz raus kann“, sagt Jessica Villamar Ruiz.

Hamsterkäufe gab es auf Teneriffa auch - aber nicht beim Klopapier. „Pasta, Toast und Gemüse war leer. Aber es wird immer wieder aufgefüllt. Ich glaube, die erste Panik ist erst mal rum“, sagt sie und macht so Hoffnung, dass auch in Deutschland Entspannung eintritt. Jessica Villamar Ruiz geht nur in den kleinen Supermarkt nebenan, dort muss man Handschuhe tragen und Desinfektionsmittel nehmen. „Wenn schon viele Leute drin sind, muss man draußen mit eineinhalb Meter Abstand voneinander warten, und man darf nur von allem eine Sache kaufen“, erzählt sie und sagt weiter: „Es fühlt sich schon komisch an, in einem solchen Ausnahmezustand weit weg vom eigentlichen Zuhause zu sein. Aber wir hoffen, dass bald alles überstanden ist. So lange sitzen wir auf dem Balkon, schauen aufs Meer und hoffen darauf, Delfine zu sehen.“