Kirchheim

Die Autos neben der B 297 sollen Wohnhäusern weichen

Bebauungspläne Entlang der Kirchheimer Umgehungsstraße will ein privater Investor neue Wohnungen erstellen. Der Gemeinderat bringt das Baurecht auf den Weg. Von Andreas Volz

Die Abstellflächen für Autos links und rechts der Bundesstraße sollen zu neuen Wohngebieten werden. Foto: Carsten Riedl
Die Abstellflächen für Autos links und rechts der Bundesstraße sollen zu neuen Wohngebieten werden. Foto: Carsten Riedl

Zwei benachbarte Brachflächen in Kirchheim stehen vor einer enormen Aufwertung: Wo bisher vor allem Autos stehen, sollen in absehbarer Zeit Menschen wohnen. Für beide Teilgebiete, „Südlich der Zementstraße“ sowie „Östlich der B 297“, hat der Gemeinderat jetzt den Aufstellungsbeschluss gefasst. Der Investor, der beide Flächen bebauen möchte, ist bereits Eigentümer des gesamten Areals.

Die weitaus größere Fläche im Westen soll außer fürs Wohnen auch für gewerbliche Nutzungen zur Verfügung stehen. Erschlossen wird sie über die Zementstraße und über die Obere Steinstraße. Der Lärm der Umgehungsstraße soll über eine Lärmschutzbebauung abgefangen werden. Konkret heißt das, dass die dreieinhalbstöckigen Gebäude entlang der Straße so konzipiert sein sollen, dass die Wohnbereiche in Richtung Ziegelwasen liegen. Zur Bundesstraße hin sind demnach Treppenhäuser geplant sowie Räume, die weniger dem eigentlichen Wohnen dienen. Ganz am südöstlichen Eck ist sogar ein fünfgeschossiger Wohnturm vorgesehen.

Auch an die vorhandene Reithalle schließt sich nördlich ein Geschosswohnungsbau an, dessen Stockwerkzahlen vom Wohnturm an in Richtung Westen stufenweise abnehmen. In der Mitte des Areals schreibt der Bebauungsplan Reihenhäuser vor - auch wenn das nicht dem Wunsch des Bauträgers entspricht. Kirchheims oberster Stadtplaner Gernot Pohl hält aber an diesen Reihenhäusern fest, „weil das für eine bessere Durchmischung sorgt“.

Mitsamt den Reihenhäusern hat der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Südlich der Zementstraße“ einstimmig gefasst - und das auch noch ohne große Diskussionen. Allenthalben begrüßten die Redner, dass sich an dieser Stelle „endlich etwas tut“. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß freute sich besonders über die günstige Lage des neuen Wohngebiets: „Von dort aus kann man nicht nur die Stadt, sondern auch Schulen und Kindergärten gut zu Fuß erreichen.“

Was auf der einen Seite höchstes Lob fand, war auf der anderen Seite - „Östlich der B 297“ - das größte Problem. Noch einmal die Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Dieses Wohngebiet ist schlecht angebunden. Die Bundesstraße ist eine unüberwindbare Hürde.“ Dieter Hoff (CDU) forderte, dass die Querung der B 297 geklärt sein muss, bevor tatsächlich gebaut wird. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Marc Eisenmann wollte die Fußwege „zwingend mitbedenken“. Wer von dort aus zu Fuß oder per Fahrrad in die Stadt gelangen möchte, wird die vielbefahrene Straße wohl nicht erst beim Kreisverkehr überqueren wollen. Nachzudenken wäre also über eine Fußgängerampel oder wenigstens einen Zebrastreifen auf Höhe der Zementstraße.

Nicht gerade angetan waren Teile des Gemeinderats auch vom Lärmschutz an dieser Stelle: Statt einer hoch aufragenden Bebauung soll eine Wand den Verkehrslärm abhalten - ähnlich wie schräg gegenüber. Das sei weder für die Autofahrer am Ortseingang attraktiv noch für die künftigen Bewohner, die im Erdgeschoss eine hohe Mauer vor sich haben.

Geplant waren auf diesem Areal eigentlich fünf Reihenhäuser im Norden, vier Mehrfamilienhäuser im Süden und vier Doppelhaushälften im Südosten, also in bislang unbebauter Hanglage. Letzteres war im Gemeinderat besonders umstritten. Es gab Forderungen, die beiden Doppelhäuser zu streichen, aber auch die Mehrfamilienhäuser - wenigstens ganz im Süden zwei davon.

Streuobsthang bleibt unberührt

Der Antrag, auf diese zwei Mehrfamilienhäuser zu verzichten, verfehlte nur knapp eine Mehrheit. Somit haben also beide Bebauungspläne - „Südlich der Zement­sraße“ und „Östlich der B 297“ - ihren südlichen Abschluss auf gleicher Höhe, nämlich auf Höhe der Reithalle. Was dagegen „Östlich der B 297“ eine große Mehrheit fand, war der Antrag, die Hangbebauung in der Streuobstwiesenlandschaft aus dem Bebauungsplan herauszunehmen. Mit den beiden Doppelhäusern in Halbhöhenlage wird es also nichts.

Das Fazit von Dieter Hoff dürften aber wohl alle Stadträte unterschreiben: „Es ist gut, wenn auch private Investoren ihre Brachen der Wohnbebauung zuführen.“

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