Kirchheim

Die Corona-Pandemie bringt Schwachstellen ans Licht

Sommergespräch Die FDP-Bundestagsabgeordnete Renata Alt will bessere Bedingungen für Wissenschaftler.

Renata Alt, FDP, kirchheimerin, kandidiert erneut für den Bundestag für den Wahlkreis Nürtingen
Renata Alt, FDP, kirchheimerin, kandidiert erneut für den Bundestag für den Wahlkreis Nürtingen

Kirchheim. Die außergewöhnlichen Zeiten lassen Renata Alt, Bundestagsabgeordnete der FDP, kaum Luft holen. Ein Thema jagt das andere beim Sommergespräch mit der engagierten Politikerin und Diplomatin mit Schwerpunkt für osteuropäische Länder.

Wo die Menschen in Corona-Zeiten der Schuh drückt, bekommt sie nicht zuletzt als Kirchheimer Stadträtin mit, vor allem aber direkt von den Bürgern und ihren Mitarbeiterinnen. Renata Alt engagiert sich, junge Mütter zurück in den Arbeitsmarkt zu bringen, und geht mit gutem Beispiel voran. „Homeoffice, Kinder unterrichten und das Familienleben samt Haushalt unter einen Hut zu bringen, bedeutet: total unter Druck stehen. Die Konzentrationsfähigkeit ist dadurch unweigerlich beeinträchtigt“, ist ihr bewusst.

Jetzt verstehe endlich jeder, warum die FDP seit Jahren vehement fordert, die Digitalisierung voranzutreiben. „Wenn es in Kirchheim Lehrer gibt, die keinen Mail-Anschluss haben, sind das Umstände wie im Mittelalter. Hier muss das Land wachgerüttelt werden“, erklärt sie. Doch dieser Digitalisierungs-Zug ist aus ihrer Sicht im Land bereits lange abgefahren. „Andere Staaten haben uns längst überholt“, bedauert Renata Alt.

Schon ist sie in der Außenpolitik angelangt. Auch hier vermisst sie Führungsstärke, erst recht in Pandemie-Zeiten. „Die EU unter der Ratspräsidentschaft von Deutschland und damit Kanzlerin Merkel hat sich beim Gipfel in Brüssel von Ungarns Premierminister Viktor Orbán vorführen lassen. Er feiert sich und seinen Erfolg in der Heimat, dass er die EU über den Tisch gezogen hat“, kritisiert die FDP-Politikerin die Zugeständnisse. An den Werten der Europäischen Union - Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit - dürfe nicht gerüttelt werden, sie müssten eingehalten werden. „Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können die Gelder fließen“, steht für sie außer Frage.

Die Pandemie zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. „Von der Corona-Krise am meisten betroffen sind Baden-Württemberg und Niedersachsen. Die Industrie befindet sich im freien Fall. Alle Zahlen gehen nach unten, einzig die Arbeitslosenzahlen nach oben“, sagt Renata Alt. Bundesweit befinden sich rund sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit. „Das sind dramatische Zahlen, es ist ein Alarmzeichen“, redet sie nicht lange um den heißen Brei herum und fragt sich, woher die Gelder für all die Rettungsschirme kommen sollen. „Die Lufthansa ist noch nicht gerettet und mit der Deutschen Bahn steht der nächste Kandidat schon vor der Tür“, so die Politikerin.

Den Verbrennungsmotor zu verteufeln ist aus Sicht von Renata Alt ein Riesenfehler. Zu viele Arbeitsplätze hängen im Ländle daran. Sie sagt aber auch: „Baden-Württemberg ist ein Land der Forscher. Es ist nahezu alles möglich, wenn man es politisch will und die Wissenschaftler ihre Arbeit machen lässt. Sie brauchen kluge und vernünftige Rahmenbedingungen“, sagt sie im Hinblick auf neue Technologien wie den Wasserstoff. Sich hier die Spitzenposition in der Forschung nehmen zu lassen, hält sie für einen großen Fehler, zumal sich China sämtliche Rohstoffquellen in Afrika gesichert hat, die für Batterien benötigt werden. „Jetzt sind wir von China abhängig und es sind schwierige diplomatische Verhandlungen nötig, damit auch in Deutschland günstige Fahrzeuge produziert werden können“, ist sie überzeugt. Iris Häfner

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