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Die Krisenmanager aus der Krebenstraße

Flugzeugbauer Die Coronapandemie stellt Schempp-Hirth vor große Herausforderungen.

Kirchheim. „Ein Flugzeug kann man nicht im Homeoffice bauen“ - die arbeitstechnischen Maßnahmen, die im Zuge der Coronakrise allerorten ergriffen werden, sorgen bei Tilo Holighaus nur für Schulterzucken. Zwar hat der Chef der Kirchheimer Segelflugfirma Schempp-Hirth die meisten Büroangestellten seiner knapp 100-köpfigen Belegschaft in Heimarbeit geschickt. „Der Großteil arbeitet bei uns aber in der Fertigung, und da geht das eben nicht.“

Trotzdem sieht Holighaus das Risiko für seine Mitarbeiter gering. „Hygiene wird bei uns schon immer groß geschrieben. Die einzelnen Abteilungen sind ohnehin voneinander getrennt, die Gefahr der Infizierung ist relativ klein.“

Weitaus größer sind die logistischen Herausforderungen, vor die der Flugzeugbauer von der Coronakrise gestellt wird. „Wir haben aktuell viele Maschinen bei uns zur Wartung, die zuletzt auf der Südhalbkugel im Einsatz waren, aber deren Piloten nicht aus ihren Heimatländern ausreisen dürfen, um sie abzuholen“, berichtet Holighaus. Beispiel Wolfgang Janowitsch: Der amtierende Weltmeister aus Österreich darf die Alpenrepublik nicht verlassen, sein „Arcus“ steht nun unbestimmte Zeit in der Kirchheimer Krebenstraße.

Ein weiteres Problem: Lieferketten: Schempp-Hirth bezieht unter anderem Teile aus Tschechien. Da LKW-Fahrer im schlimmsten Fall nach Überqueren der deutschen Grenze nicht wieder in ihre Heimat zurückkommen könnten, spielt Tilo Holighaus Alternativen durch: „Denkbar wäre, die Teile an der Grenze auf die Schiene umzuladen, um sie per Bahn zu uns zu bringen.“ Peter Eidemüller

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