Kirchheim

Die Laster lassen sich nicht vermeiden

Bürgerinfo Die Deutsche Bahn informierte in Owen über den Bau des Albvorlandtunnels und die unweigerlich damit verbundenen Verkehrsbelastungen. Von Iris Häfner

Jens Hallfeldt, zuständiger Abschnittsleiter bei der Bahn für den Albvorlandtunnel, informierte in der Owener Teckhalle die Bürg
Jens Hallfeldt, zuständiger Abschnittsleiter bei der Bahn für den Albvorlandtunnel, informierte in der Owener Teckhalle die Bürger über das ICE-Projekt. Foto: Jean-Luc Jacques

Ein heißer Tag und aus Sicht der leidgeplagten Anwohner der B 465 auch ein heißes Thema: der Abtransport des Aushubmaterials für den Albvorlandtunnel. In die Owener Teckhalle waren deshalb nicht nur die Bürger der Stadt eingeladen, sondern auch die aus den umliegenden Gemeinden Dettingen, Lenningen, Beuren, Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Römerstein. Sie alle eint die Verkehrsbelastung - und dazu kommt in naher Zukunft noch der Schwerlastverkehr, den die ICE-Baustelle verursacht.

„Der Abtransport ist ein Thema, doch die Maßnahme ist beschlossen“, sagte Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger pragmatisch, nachdem Jens Hallfeldt, zuständiger Abschnittsleiter bei der Deutschen Bahn, über das Projekt informiert hat. Vom Schlimmsten ausgehend - 500 volle Lkw, die ihre Fracht in den Steinbrüchen loswerden und dann leer wieder zurückfahren -, ist sie ein bisschen besänftigt. Nach dem Stand der jetzigen Planung sind es weniger, die die B 465 belasten. 30 bis 40 Kipper bringen täglich vom Steinbruch Material in das Betonwerk nach Kirchheim, das für die Tübbinge benötigt wird. Die bilden den Tunnelring für die zwei Schienenröhren. Dazu kommen etwa 180 Schwerlaster, die den Aushub in Richtung der Verwertungsstellen transportieren. Inwiefern Synergien genutzt werden können - die 30 bis 40 mit Steinbruch-Material befüllten Kipper nach der Anlieferung wieder mit Tunnelerde Erde Richtung Steinbruch zurückfahren zu lassen - ist dem Bahn-Projektleiter nicht bekannt. Das ist Sache der damit beauftragten Firma. „Das ist eine positive Nachricht, wohl wissend, dass jeder einzelne Lkw eine weitere Belastung ist“, sagte Verena Grötzinger.

Die Belastung durch den zusätzlichen Schwertransport war dann auch das beherrschende Thema in der Diskussionsrunde. Schon jetzt sind die Anwohner durch den üblichen Verkehr und das S 21-Projekt belastet. Ein Unterlenninger Bürger sprach davon, dass täglich zwischen 40 und 50 Lkw vom Filderaufstiegstunnel Richtung Alb fahren. In die gleiche Kerbe schlug auch Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann. Aus berufenem Munde hat er erfahren, dass es Mautflüchtlinge vonseiten des Bosslertunnels gibt, die - statt die Autobahn zu nutzen - auf die Bundesstraßen ausweichen, um den Aushub an seinen Bestimmungsort zu bringen. „Wie können wir das lösen, denn das muss wirklich nicht sein?“, fragte er. Eine befriedigende Antwort konnte Jens Hallfeldt nicht geben. Er kann den beauftragten Firmen nicht vorschreiben, welche Straßen sie benutzen, zumal, wenn es sich um eine Bundesstraße handelt. Angefahren werden die Schotterwerke in Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Zainingen. Immer wieder verwies Hallfeldt auf die „Attraktivität“ einer Strecke. Ist die überlastet und kostet Zeit, werde nach einer anderen Lösung gesucht. Aus diesem Grund kann er auch nicht ausschließen, dass die Ochsenwanger Steige genutzt wird. Die engen Ortsdurchfahrten interessieren nicht, auch wenn es jetzt schon regelmäßig zu kritischen Situationen kommt, etwa, wenn ein Schwerlaster dem anderen ausweicht und auf dem Fußgängerweg fährt. Dazu kommt der schlechte Zustand der Straßen und Steigen, der dadurch noch schlechter wird, wie ein Bürger aus Erkenbrechtsweiler moniert. „Die Zeche zahlt dann wieder die Allgemeinheit“, so sein Fazit.

Auch die Frage nach dem Zeitmanagement kam seitens der Zuhörer zur Sprache. „Die Steinbrüche haben Verlängerung beantragt“, erklärte Jens Hallfeldt. Das bedeutet: Von Montag bis Freitag haben sie von 6 bis 22 Uhr geöffnet, samstags von 6 bis 18 Uhr. „Ich bin illusionsfrei, wir werden das nicht ändern. Aber ich schrecke auf wegen der Uhrzeiten“, hat Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht Sorgen um die (Nacht-)Ruhe seiner Bürger. Dieses große Zeitfenster muss seiner Ansicht nach zwingend die Ausnahme sein und nicht die Regel werden. „Das wäre sonst noch mal eine Schippe drauf“, sagte er im Hinblick auf den starken Verkehr und erntete Applaus.

Nicht jede Verwertungsstelle darf alles annehmen

Zeitersparnis soll sie bringen, die West-Ost-Magistrale zwischen Paris und Budapest beziehungsweise Bratislava. Die Fahrzeit von jetzt 54 Minuten wird laut Planung zwischen Stuttgart und Ulm demnach auf 28 Minuten verkürzt.

Gesetze und ­Vorschriften bestimmen den Abtransport des Aushubmaterials. Eine lautet: Verwaltungsvorschrift des Umweltministerium für die Verwertung von als Abfall eingestuftem Bodenmaterial (VwV). Sobald Erde ausgebuddelt wird, gilt sie rechtlich als Abfall und muss als solcher behandelt werden. Der Aushub kommt deshalb zunächst auf die Halde. Regelmäßig werden Proben genommen und im Labor auf „kritische“ Inhaltsstoffe untersucht. Dazu zählen beispielsweise Sulfat, Blei oder Cadmium. Für jeden einzelnen Stoff gibt es Grenzwerte. Der jeweils Höchste bestimmt den infrage kommenden Standort, denn jeder Steinbruch hat seine genau festgelegten Grenzwerte.

Die Liste der Verwertungsstellen umfasst eine ganze Reihe Standorten - von Bruchsal bis ins westliche Bayern. Die Bahn geht davon aus, dass täglich etwa 70 Schwerlaster die Baustelle in Richtung Westen verlassen und etwa 170 in den Osten. Über die B 465 und damit auf die Alb fahren rund 180 Lkw.

Bei konkreten Problemen - verschmutzte Straße, versperrte Zufahrt zum Acker oder Lärm zu ungewohnter Zeit - können sich die Bürger bei der Bauüberwachung unter der Telefonnummer 01 63/8 50 85 44 melden. ih

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