Junge Zeitung

Die Piratenflagge ist gehisst

Im Ferienwaldheim der evangelischen Kirchengemeinde ging es abenteuerlich zu

160 kleine Piraten präsentierten am Donnerstag ihren Freunden und Familien beim Abschlussfest des Ferienwaldheims beim Ludwig-Uhland-Gymnasium spannende Geschichten und lustige Aufführungen.

Kirchheim. Nur die Mutigsten wagen sich an diesem Nachmittag zum Ludwig-Uhland-Gymnasium. Dort tummeln sich listige Seeräuber, die sich unerbittliche Säbelkämpfe lieferten. Unter dem Thema „Piraten“ gestaltet das Ferienwaldheim der evangelischen Kirche sein Programm für Kinder.

Das Motto für das Ferienwaldheim entstand laut Jugendleiter Jochen Leitner eher spontan. Auch heute noch faszinieren die Seeräuber Jung und Alt. Denn obwohl sie eigentlich Verbrecher sind, so stehen die Abenteurer doch für die Sehnsucht nach Freiheit und Sorglosigkeit. Themengetreu werden im Waldheim Flaggen gefärbt, Kostüme genäht und Schwerter gebastelt.

Bei den 160 Kindern zwischen sieben und elf Jahren kommt das Ferienwaldheim überaus gut an. Voller Freude präsentieren sie all die Sachen, die sie zusammen mit ihren Gruppenleitern einstudiert haben. Auch Jochen Leitner ist zufrieden mit dem Ablauf des Ferienprogramms. Seit acht Jahren ist er der Leiter des Ferienwaldheims und hat jedes Jahr aufs Neue Spaß daran, mit den Kindern zusammenzuarbeiten.

Das Ferienwaldheim der evangelischen Kirche gibt es schon seit 61 Jahren. Gleichzeitig bietet die evangelische Kirchengemeinde ein Programm für 50 Zwölf- bis 14-Jährige auf dem CVJM-Gelände an. Dieses steht heuer unter dem Motto „live dabei“.

Jochen Leitner, Jugendreferent der Gesamtkirchengemeinde, war früher selbst Helfer im Waldheim und weiß, was er seinen Mitarbeitern abverlangt. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man zwei Wochen seiner wohlverdienten Sommerferien opfert oder sich extra Urlaub nimmt“, erklärt er seine Dankbarkeit gegenüber den vielen Helfern. 273 Leute zählt das Team von Jochen Leitner insgesamt, teils engagierte Mitarbeiter der Kirche und teils auch Quereinsteiger.

„Es ist nicht so wichtig, dass sie gläubig sind“, sagt Jochen Leitner. Offenheit und Ehrlichkeit seien viel wichtigere Voraussetzungen, um beim Ferienwaldheim mitwirken zu können. Und den Mitarbeitern bringe die Arbeit im Waldheim viel: Da keine Prüfungssituation herrsche und Fehler gemacht werden dürfen, lernen die jungen Leute mit Fehlern umzugehen. Sie werden selbstbewusster und gelassener.

Aber auch die Kinder lernen hier viel Neues. Beispielsweise zeigt ihnen das DRK an einem Tag, wie es in einem Rettungswagen aussieht und wie man als Kind Erste Hilfe leisten kann. Da im Ferienwaldheim auch Kinder mit Handicap zugelassen sind, lernen die Kinder, unbefangen mit dem Thema umzugehen. „Wir haben doch alle bestimmte Handicaps“, meint Jochen Leitner. „Der eine braucht vielleicht mehr Hilfe als der andere. Aber wir sollten Menschen nicht danach beurteilen, was sie können oder nicht können, sondern nach dem, wer sie sind.“

Gerade für berufstätige Eltern ist das Ferienwaldheim eine Möglichkeit, ihre Kinder zwei Wochen lang gut unterzubringen. „Die Eltern sind dankbar, und das zeigt, wie sehr die Waldheime gebraucht werden.“ Auch aus diesem Grund sind so viele Eltern am Donnerstag trotz Regens erschienen. Sie hatten Kuchen und Snacks für alle im Gepäck und lauschten begeistert der fesselnden Geschichte über Anna Säbelblitz oder dem Alltag einer Piratencrew.

Außerdem zeigten die Kinder in kleinen einstudierten Szenen, was sie sonst noch im Waldheim erlebt haben. Beispielsweise gab es lustige Grillabende und Wanderungen. An einem Abend durften die Kinder in der Schule übernachten und an einem anderen sommerlichen Tag, kam die Feuerwehr mit ihren Schläuchen und Sprinkleranlagen gerade richtig.

Eingeteilt in Gruppen konnten die Kinder zusammen mit ihren Gruppenleitern unterschiedliche Projekte bearbeiten. Aber wenn man sie fragt, was ihnen letztendlich am besten gefallen hat, so antworten sie doch einstimmig: „Alles!“

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