Kirchheim

Die Skiliftvermietung auf der Alb boomt

Wintersport Nahezu alle Liftbetreiber auf der Alb vermieten ihre Anlagen mittlerweile stundenweise. Davon profitieren sie ebenso wie Skifahrer, die sich in Corona-Zeiten nach Pistenspaß sehnen. Von Bianca Lütz-Holoch

Wie hier in Donnstetten nehmen Familien vielerorts die Gelegenheit wahr, sich für eine Stunde einen „eigenen“ Lift zu reserviere
Wie hier in Donnstetten nehmen Familien vielerorts die Gelegenheit wahr, sich für eine Stunde einen „eigenen“ Lift zu reservieren.Fotos: Jean-Luc Jacques

So einen Winter hat es auf der Alb seit Jahren nicht gegeben. „Noch länger Schnee am Stück hatten wir zuletzt 1973“, hat Margret Bek, die gemeinsam mit ihrem Mann Franz den Skilift Halde in Westerheim betreibt, in ihren Aufzeichnungen nachgeschlagen. Dass aufgrund der Corona-Pandemie gerade in einem solchen Ausnahmewinter ein regulärer Skibetrieb nicht möglich sein sollte, schien da schon ein schlechter Scherz des Schicksals zu sein. Mittlerweile haben sich Margret Bek und auch die meisten der anderen Liftbetreiber auf der Alb mit den Gegebenheiten arrangiert. Maßgeblich dazu beigetragen hat die pfiffige Idee, die Lifte stundenweise an Familien - oder genauer gesagt Mitglieder eines Hausstands plus eine Person - zu vermieten. Das ist corona-konform, sorgt bei Wintersportlern für Pistenspaß und füllt die Kassen der Liftbetrieber zumindest ein wenig.

„Wir sind einfach nur glücklich, das der Skilift öffnen darf“, sagt Angela Gödrich vom Skilift in Donnstetten. „Seit wir die Bobbahn schließen mussten, sind unsere Mitarbeiter zuhause - jetzt können sie wieder arbeiten.“ Am 5. Januar hat sie begonnen, die vier Lifte samt dazugehörigen Pisten stundenweise zu vermieten - abgetrennt durch Flatterbänder und Schneezäune. „Alle sind begeistert“, schwärmt sie von der großen Resonanz bei den Wintersportlern. Bei Margret Bek in Westerheim drehen sich die Bügel seit 6.  Januar. „Das Angebot wird sehr gut angenommen - vor allem in den Ferien und an den Wochenenden“, berichtet sie.

Lifte müssen ums Überkeben kämpfen

Michael Hoffmann vom Skilift Salzwinkel in Römerstein hat bei seinen Kunden große Dankbarkeit festgestellt. „Das habe ich im normalen Liftbetrieb so noch nie erlebt“, sagt er. Seit 5. Januar laufen seine Lifte für stundenweise Vermietungen. „Das Publikum ist bunt gemischt“, erzählt er. Von jungen Pärchen über Familien mit Kindern bis zum Großvater sind alle Altersgruppen vertreten. Und auch wenn der Aufwand für Buchungen und Schriftverkehr immens ist - „es lohnt sich“, sagt Hoffmann. Ohnehin sei es fast Pflicht, nach dem vergangenen Winter, in dem es kaum Schnee gegeben hat, aktiv zu werden: „Die Lifte müssen ums Überleben kämpfen.“

Ganz billig ist das exklusive Pistenvergnügen für die Wintersportler nicht. 150 Euro kostet ein Lift pro Stunde, Parkplatz vor der Tür inklusive. Den Luxus leistet sich so mancher jedoch gerne - vor allem, wenn ursprünglich einen Skiurlaub geplant war und wegen Corona gestrichen wurde. Das Geld fließt nun stattdessen in ein wenig Abwechslung auf der Alb - eine Win-Win-Situation. Für die Liftbetreiber bedeutet die Privat-Lift-Regelung, dass sie mit ihren Anlagen in diesem Winter überhaupt etwas einnehmen. „Das deckt nicht nur die laufenden Kosten, die wir jedes Jahr haben, es bleibt sogar etwas übrig“, so Margret Bek.

Neu eingestiegen in die stundenweise Vermietung ist Thomas Geiger: Er betreut den Bläsiberg-Skilift in Wiesensteig und hat ihn vergangenen Sonntag erstmals wieder geöffnet. „Da hat war Schneelage auch bei uns gut genug “, sagt er. Die Premiere war ein voller Erfolg. „Ich hätte nicht gedacht, dass alles so reibungslos läuft“, gibt er zu. In den vergangenen Wochen hatte sich der Hang zu einem Rodel-Mekka entwickelt. „Wir haben uns schon den Kopf zerbrochen, ob das alles klappt mit den Absperrungen“, so Geiger. „Es hat aber nicht ein einziges Mal Ärger gegeben, alle waren wirklich vernünftig.“ Schon jetzt gehen jede Menge Buchungen für die nächste Öffnungsphase am Wochenende ein. „Es ist schön, dass man doch noch ein faires Schlupfloch gefunden hat“, freut er sich.

Auch die Vermietung des Skilifts Pfulb ist gerade erst angelaufen. „Wir starten mit einem Lift, um zu sehen, wie die Resonanz ist“, sagt Swen Güntzel, Bereichsleiter der ARBEG Inklusion, die den Lift seit Anfang vergangenen Jahres betreibt. Ist das Interesse da, stehen zwei weitere Lifte parat.

Michael Mall vom Skilift in Ochsenwang hat lange überlegt, ob er in die Vermietung einsteigen soll. Nun sind die Würfel gefallen: „Wir wagen es“, teilt er mit. Voraussichtlich am Wochenende können Wintersportfans zum ersten Mal die Piste heruntersausen. Alles Weitere erfahren Interessierte auf der Lift-Homepage. Sie wird noch rechtzeitig aktualisiert.

Skibetrieb in Donnstetten  Foto: Jean-Luc Jacques
Skibetrieb in Donnstetten  Foto: Jean-Luc Jacques

Loipen sorgen für Lenkung

Langläufer kommen auf der Schwäbischen Alb ebenfalls auf ihre Kosten. So haben die Liftbetreiber und der Naherholungsverein im Landkreis Esslingen die Loipen gespurt. Das ist auch im Lockdown kein Problem. „Das Spuren der Loipen ist durch die Corona-Verordnung gedeckt“, versichert Andrea Wangner, Pressesprecherin des Landratsamts in Esslingen. „Dadurch findet eine gewisse Lenkung statt. Das ist gerade auch unter ökologischen Gesichtspunkten wichtig“, sagt sie. Einen Ansturm speziell auf die Loipen habe das Landratsamt bisher nicht feststellen können. „Insofern sehen wir derzeit keinen Anlass, die Nutzung zu beschränken.“bil

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