Kirchheim

Die Stadtwerke dehnen sich aus

Anbau Technischer und kaufmännischer Betrieb sollen am Standort in der Bohnau zusammengeführt werden. Der Neubau kostet rund 2,8 Millionen Euro. Außerdem sind neue Geschäftsfelder zu erschließen. Von Andreas Volz

In der Hans-Böckler-Straße ist der technische Betrieb der Kirchheimer Stadtwerke untergebracht. Die Wasserversorgung ist ein wic
In der Hans-Böckler-Straße ist der technische Betrieb der Kirchheimer Stadtwerke untergebracht. Die Wasserversorgung ist ein wichtiger Betriebszweig. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim will die Stadtwerke ausbauen - in jeder Hinsicht. Zum einen geht es darum, die Geschäftsfelder zu erweitern. Zum anderen aber brauchen die Stadtwerke am Sitz ihres technischen Betriebs in der Hans-Böckler-Straße mehr Platz. Wenn dort in der Bohnau ohnehin gebaut werden muss, soll auch gleich die technische und kaufmännische Verwaltung der Stadtwerke mit einziehen. Bisher ist dieser Betriebsteil noch in der Alleenstraße untergebracht - im Technischen Rathaus.

Vom Um- und Neubau in der Bohnau und von der Zusammenführung der Stadtwerke an einem einzigen Standort würde auch die Stadt Kirchheim in mehrfacher Hinsicht profitieren, wie Martin Zimmert, der Geschäftsführer der Stadtwerke, erläutert: „Die räumliche Nähe würde die Abläufe innerhalb unseres Betriebs verbessern, was auch für die Stadt selbst einen Mehrwert darstellt.“ Der andere Mehrwert bestehe darin, dass die Räumlichkeiten der Stadtwerke an der Alleenstraße frei würden, sodass dort andere städtische Mitarbeiter mit ihren Büros unterkommen könnten.

Letzteres wird in den nächsten Jahren ohnehin ein großes Problem: Die gesamte Stadtverwaltung benötigt mehr Platz. Selbst das Trauzimmer im Kirchheimer Rathaus - der kleine Sitzungssaal - wird auf absehbare Zeit zum Büroraum umfunktioniert. Die Raumnot dürfte die Stadt noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Im Rathausanbau am Widerholtplatz fallen schließlich nach dem geplanten Abriss auch Arbeitsräume weg, die bis zur Einweihung des Neubaus an gleicher Stelle ersetzt werden müssen.

Dieser „Raum-Ersatz“ spielte bei der Diskussion um die Stadtwerke im Gemeinderat eine große Rolle. Der Anbau in der Hans-Böckler-Straße ist nämlich zunächst nur eingeschossig geplant. Trotzdem soll die Statik so ausgelegt sein, dass bei mehr Raumbedarf - nach der möglichen großen Ausweitung der Geschäftsfelder - auch problemlos ein Obergeschoss aufgesetzt werden könnte.

Reinhold Ambacher (Freie Wähler) wollte überprüfen lassen, ob es sich nicht lohnen könnte, gleich ein Stockwerk mehr zu bauen. Schließlich spiele es keine große Rolle, „ob dann die Stadtwerke die Räume nutzen oder ob es eine Übergangslösung für die Stadtverwaltung ist“.

Auch die Kosten für den An- und Neubau in der Bohnau standen zur Diskussion. Immerhin sind dafür 2,8 Millionen Euro veranschlagt. SPD-Stadtrat Walter Aeug­le warnte angesichts dieser Kosten davor, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen: „Zunächst sollten die künftigen Geschäftsfelder der Stadtwerke bekannt sein, die uns den notwendigen Bedarf an Flächen aufzeigen. Und dann erst kann man bauen.“

Dr. Thilo Rose, der Fraktionsvorsitzende der CDU, sah es zwar als sinnvoll an, die Stadtwerke an einem Standort zusammenzuführen. Ansonsten aber gab er Walter Aeugle Recht: „Die Größe des Gebäudes richtet sich nach den künftigen Aufgaben.“ Auch zu diesen Aufgaben hat er eine eigene Meinung. Stromerzeugung beispielsweise sieht er nicht als öffentliche Daseinsfürsorge an. „Da gibt es Anbieter mehr als genug.“

Martin Zimmert stellte indessen klar, dass der Raumbedarf für das Erdgeschoss, um das es zunächst geht, auf das vorhandene Personal ausgelegt ist. Folglich fange die Planung auch nicht mit dem zweiten Schritt an.

Außerdem ging es ja noch längst nicht um einen Baubeschluss, sondern lediglich um die Grundzüge der Planung. Und an diesem Punkt herrschte große Einigkeit: Holzbauweise, Photovoltaik-Anlage, Heizung und Kühlung durch regenerative Energien sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Vor weiteren Entscheidungen sollen die künftigen Aufgaben samt Raumbedarf der Stadtwerke geklärt sein. Nur eins steht jetzt schon fest: Auf eine Zertifizierung für nachhaltiges Bauen will der Gemeinderat verzichten - aus Kostengründen. Für die 40 000 Euro, die das Zertifikat kostet, fehlt der richtige Gegenwert.

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