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Die Zahl der Tätlichkeiten geht zurück, die Dunkelziffer bleibt hoch

Das Gewaltaufkommen auf den württembergischen Fußballplätzen hat laut der Studien von Thaya Vester in den vergangenen fünf Jahren leicht abgenommen. „Die Zahl der Tätlichkeiten, die den größten Teil von gewalttätigem Handeln darstellen, sind rückläufig“, sagt die Wissenschaftlerin, die jedoch betont, dass sie für ihre Arbeit die Zahl der Sportgerichtsurteile unabhängig vom jeweiligen Verfahrensausgang gezählt hat – die Schwere der einzelnen Vergehen wurde ebenso wenig berücksichtigt wie die Höhe der Strafen
In absoluten Zahlen kam es beispielsweise bei der Zahl an gewaltbedingten Spielabbrüchen zwischen der Saison 2012/13 und 2016/17 württembergweit zu einem Rückgang von 168 auf 156. Dies sei aus Thaya Vesters Sicht bemerkenswert, da jeder einzelne Spielabbruch ein relativ großes Medienecho hervorrufe, was zu einer verzerrten Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beitrage.

Beim Thema verbale Gewalt ist laut Vester die Dunkelziffer hoch, da viele Schiedsrichter Fälle von Beleidigungen oder Diskriminierungen nicht melden würden. Als Hauptgrund nannten mehr als drei Viertel der von Vester befragten Unparteiischen, dass sie darüber hinweggesehen haben, da sie sich nicht persönlich verletzt gefühlt hätten. „Schiedsrichter halten sehr viel aus“, betont Vesters Doktorvater Ansgar Thiel von der Universität Tübingen.
Schiedsrichterinnen, von denen es in Württemberg rund 200 gibt, würden allerdings eher dazu neigen, den Fehler bei sich zu suchen und Beleidigungen nicht zu melden. Gleichzeitig seien Frauen laut Thaya Vester auf dem Fußballplatz in einem wesentlich kürzeren Zeitraum deutlich mehr verbalen Anfeindungen ausgesetzt als Männer: „Darum hören viele Schiedsrichterinnen bereits nach fünf Jahren wieder auf. Männer bleiben im Schnitt 16 Jahre dabei.“ pet


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