Coronavirus

Die Zwangspause zeigt Wirkung

Coronakrise Die Dynamik der vergangenen Tage hat die lokale Fußballszene regelrecht überrollt und wirft zig Fragen auf: Wird die Saison abgebrochen oder zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt? Von Reimund Elbe

Nicht nur die Fußballer stehen derzeit vor verschlossener Tür - das Coronavirus hat den kompletten Spiel- und Trainingsbetrieb i
Nicht nur die Fußballer stehen derzeit vor verschlossener Tür - das Coronavirus hat den kompletten Spiel- und Trainingsbetrieb im lokalen Sport in die Knie gezwungen. Foto: Markus Brändli

Der lokale Fußball liegt nach dem Spielstopp am Boden - und in der Kickerszene wächst die Erkenntnis über den Ernst der Lage. So setzen die Klubs aus der Teckregion die Vorgaben des württembergischen Fußballverbandes zur Eindämmung der Coronavirus-Verbreitung mustergültig um.

Vor etwas mehr als einer Woche hatte auf den Fußballplätzen der Region dagegen noch eine Mischung aus Entspanntheit, Unbeschwertheit und Leichtsinn vorgeherrscht. Abklatschen, Händeschütteln, Umarmungen, Torjubel, Trinken aus gleicher Flasche - das bis zum damaligen Zeitpunkt Übliche wirkt aus jetziger Sicht geradezu grotesk.

„Wir tragen jetzt als Fußballer eine gesellschaftliche Verantwortung, um einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten“, verdeutlicht Benjamin Geiger, Trainer des Bezirksliga-Tabellenvierten TSV Weilheim. Entsprechend der Verbandsvorgaben habe er den Trainingsbetrieb für das Bezirksligateam vergangene Woche bis Ende März eingestellt. Einzige Auflagen für seine Kicker: Individuelles Lauftraining und regelmäßiger Kontakt über die teaminterne WhatsApp-Gruppe.

Geiger betrifft die Coronavirus-Problematik in dreifacher Weise - als Trainer, Lehrer und Fast-Betroffener. Einen persönlichen Coronatest hat der Weilheimer Chefcoach deshalb bereits hinter sich, weil eine Person aus nahem Verwandtschaftsumfeld mit verdächtigen Symptomen aus Italien zurückgekehrt war. Geigers Sofortcheck im Drive-In-Testzentrum in Leinfelden verlief gut, erbrachte ein negatives Resultat.

Die Dynamik der vergangenen Tage hat die lokale Fußballszene jedenfalls förmlich überrollt. Wie es weitergeht? „Wir müssen es so akzeptieren, wie es kommt“, sagt der Weilheimer Coach pragmatisch - vom vorzeitigen Saisonabbruch bis zum Ausspielen der Restrunde bis in den Sommer hinein.

In Neidlingen ist ebenso nichts mehr so wie es war. „Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr so entspannt bin wie noch vor ein, zwei Wochen“, sagt TVN-Spielertrainer Patrick Kölle. Der Trainingsbetrieb beim Weilheimer Bezirksliga-Tabellennachbarn ruht ebenso. Individuelles Lauftraining plus Solo-Einheiten mit dem Ball sind gestattet. Hoffnung auf eine rasche Lösung des Virenproblems macht sich der Neidlinger Torjäger angesichts weiter steigender Infektionszahlen jedoch nicht. Wichtig sei deshalb, dass es seitens der Sportverbände nun eine weitgehend einheitliche Vorgehensweise für den Spielbetrieb gebe. „Einige Verbände und Bundesländer haben bereits den Spielstopp bis Mitte April ausgeweitet“, weiß der TVN-Trainer.

Kam der Stopp zu spät?

Die Zwangspause wirft nicht nur solche Fragen auf. Sondern auch jene, ob der Spielstopp nicht doch einen Tick zu spät kam. „Genau genommen ja“, findet Christian Renz, Boss der Dettinger Fußballabteilung. Als überzeugter Anhänger des VfB Stuttgart hält er es beispielsweise für unverantwortlich, dass die Partie gegen Arminia Bielefeld am vergangenen Montag in einer proppevollen Mercedes-Benz-Arena über die Bühne gegangen war. Zu viele hätten die Pandemie anfangs auf die leichte Schulter genommen.

Bei den SFD-Kickern gibt es derweil in der Krise kurze Wege: Der Vereinsvorsitzende Rainer Braun ist auch stellvertretender Fußball-Abteilungsleiter. Renz: „In den kommenden Tagen und Wochen wird es sicherlich viel internen Abstimmungsbedarf im Verein geben“.

Gaetano Caruana steht aktuell in ständigem Kontakt mit der Verwandtschaft in Italien. „Meine Heimat Sizilien ist zwar nicht ganz so stark betroffen, aber trotzdem sorgt man sich“, sagt der Spielertrainer des Kreisliga A-Spitzenreiters TSV Jesingen. Angesichts dieser speziellen, persönlichen Eindrücke sowie der dynamischen Virusausbreitung Richtung Nord­europa schwindet seine Hoffnung, dass die Saison im Bezirk regulär zu Ende gespielt wird. „Ich befürchte, das war‘s“, lautet Caruanas Einschätzung.

Auch bei den B-Ligisten herrscht wenig Optimismus. „Im Juni werden wir die Runde nicht zu Ende gespielt bekommen“, glaubt beispielsweise Owens Trainer Rainer Ziegelin. Unabhängig davon lobt er ein „vorbildliches Verhalten in den Vereinen“ in Zeiten der Krise. „Wir halten als Fußballer und in der Gesellschaft zusammen, das ist ein starkes Zeichen“, sagt Ziegelin.

Bei den meisten B-Ligisten ruht nicht nur der Spielbetrieb, sondern auch das individuelle Training. „Wir besprechen in dieser Woche, wie wir weitermachen“, betont Michael Panknin, Abteilungsleiter des TSV Notzingen. Eine Verschiebung der Spielbetriebs bis tief in die Sommermonate hinein, sieht der Notzinger Kicker und Funktionär als möglichen Rettungsanker.

„Die weitere Entwicklung ist momentan einfach schwer abzuschätzen“, sagt Viktor Oster, Trainer der SG Ohmden/Holzmaden. Bei einer sich teils stündlich ändernden Lage wird sich wohl auch in den kommenden Tagen und Wochen für die lokalen Fußballer daran wenig ändern.

Der Verband prüft alle Szenarien

Am 12. März hat der Württembergische Fußballverband (WFV) angesichts der dynamischen Lageentwicklung bei der Verbreitung des Corona-Virus entschieden, den Spielbetrieb bis einschließlich 31. März komplett auszusetzen. Der Verband prüft aktuell mehrere Szenarien. „Im Moment können wir vor dem Hintergrund der Entwicklungen allerdings dazu keine Prognose treffen, was danach passiert“, betont WFV-Präsident Matthias Schöck, der Verband bereite sich „auf alle denkbaren Konstellationen vor“. Vom Abbruch der Runde, einer Fortführung des Ligabetriebs bis in den Juli oder August bis hin zu einer Verschiebung des Rundenstarts 2020/2021 in den Herbst hinein sind denkbare Varianten. rei

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