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Drei Fragen an einen Kunstrasen-Experten

Ralf Goldschmidt plant, baut und entwickelt bei der Firma „Gotec Sportsysteme“ verschiedene Arten von Kunstrasenplätzen. Das Unternehmen aus Weil am Rhein stellt darüber hinaus auch Beläge für Tennisplätze oder Leichtathletikanlagen her.

1. Was halten Sie von der Diskussion rund um das eventuelle Granulat-Verbot?

Grundsätzlich ist die Problematik mit dem Abrieb und dem damit entstehenden Mikroplastik bei Gummigranulaten im Sportplatz berechtigt und bei uns schon seit Jahren ein Thema. Wir empfehlen und verbauen schon seit Jahren Korkgranulat als Füllstoff im Bereich Kunstrasen Fußball. Was sicher keinen Sinn machen würde, ist der Austausch der Granulate auf bestehenden Plätzen, da dies ohne Rückstände nicht möglich ist. Es gibt aber generell einige Diskussionen über die Granulate im Kunstrasenbelag. Bei vielen Kunstrasenplätzen beispielsweise ist laut Norm vorgeschrieben, als Unterbau eine Elastikschicht aus einer Gummi- und Natursteinmischung einzubauen, die mit einem PU-Bindemittel gebunden wird. Diese Bauweise ist aus ökologischer Sicht absolut bedenklich.

2. Welches Füllmaterial eignet sich als Plastik- und Gummi-Ersatz?

Viele Hersteller arbeiten an Alternativen von Granulaten, was jedoch nicht immer die beste Lösung wäre. Korkgranulat beispielsweise hat sich in Verbindung mit den richtigen Kunstrasenbelägen bereits seit Jahren bewährt. Kork ist ein Naturprodukt und ein nachwachsender Rohstoff, frei von jeglichen Belastungen und aufgrund seiner Eigenschaften nur vorteilhaft als Einstreugranulat für Fußballplätze. Obwohl Kork ein Naturprodukt ist, ist das Korkgranulat absolut witterungsbeständig und verrottungsarm, weshalb es auch als Bodenbelag in Nasszellen oder als Verschluss bei Weinflaschen verwendet wird. Kork in der richtigen Qualität ist meiner Meinung nach die ideale Alternative für Gummi-Granulat.

3. Welches neuartige Kunstrasensystem könnte das bisherige Modell langfristig ablösen?

Die Entwicklungen im Bereich der Kunstrasenmodelle gehen ständig weiter. Es gibt Kunstrasen ohne Granulatverfüllung, die sogenannten Vollkunstoffrasen, die jedoch wegen des hohen Preises und der kürzeren Lebensdauer nicht die optimale Alternative bieten. Als weitere recht neuartige Alternative auf dem Markt sind Kunstrasen, die rein mit Quarzsand verfüllt werden und wegen der hohen Dichte an Fasern trotzdem gut zu bespielen sind. Gerade bei diesem Modellen gibt es dann auch viele Hersteller, die Wüstensand als Füllstoff verwenden, um die Lebens- und Nutzungsdauer des Platzes zu verlängern. Bei so einem Typ jedoch ist die Anschaffung ebenfalls recht teuer, und die Anlieferung von Wüstensand ist aus ökologischer Sicht schließlich auch nicht unbedingt die beste Lösung. Als Königslösung gilt allgemein der Hybridrasen, der aufgrund seiner Zusammensetzung allerdings nicht der Kategorie der „klassischen“ Kunstrasen angehört. max

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