Infoartikel

Drei Viertel der Infektionen geschehen im häuslichen Umfeld

Gesundheitsdezernent Christian Baron beobachtet mit Sorge die Entwicklung im Kreis: „Es gibt ein großteils diffuses Infektionsgeschehen“, sagte er gestern im Landratsamt. Es habe 149 Fälle in Alten- und Pflegeheimen in Beuren, Esslingen und Neckartenzlingen sowie in Flüchtlingsunterkünften gegeben. In Letzteren flaue es ab. In Schulen und Kitas sind bis gestern 96 gemeldet. Drei Viertel des Infektionsgeschehens spiele sich im häuslichen Umfeld ab, so Landrat Eininger. Zum Thema Disziplin erklärt Christian Baron: Bei Infektionen in Schulklassen sehe man bei den Kleinen so gut wie keine Folgefälle, bei den Größeren eher. Ein weiterer Grund seien beengte Wohnverhältnisse. „Quarantäne-Brecher“ gebe es keineswegs nur in Flüchtlingsunterkünften, betont er. Auch könne niemand am Verlassen eines Hauses gehindert werden.

Die Informationspolitik in allen sozialen Umfeldern sei aber deutlich verbessert worden, sagt Dominique Scheuermann; Über Integrationsmanager würden Strukturen genutzt wie Landsmannschaften oder Imame.

Bei der Verfolgung von Kontakten stoße man an Grenzen, sagt sie. Waren es bei der ersten Welle in der Zeit des Lockdowns im Schnitt zwei bis vier Kontakte pro infizierter Person, seien es jetzt 10 bis 30, weil die Menschen sich frei bewegen. Dadurch sei es schwerer, den Infektionsherd festzustellen. Dafür werde jetzt im Gegensatz zur ersten Welle jede Kontaktperson getestet, was mehr Fälle zur Folge habe.

Dominique Scheuermann hofft auf die Ehrlichkeit der Kontaktpersonen. „Wir sind dankbar für alle vollständigen Angaben.“ Niemand müsse befürchten, angezeigt zu werden, wenn er gegen Verordnungen verstoßen habe. Auch gebe es Fälle, wo Kontakte von Infizierten fürchten, Probleme an ihrer Arbeitsstelle zu bekommen. „Ich kann nur appellieren, alles anzugeben“, sagt sie. Wer sich in Quarantäne befinde, dürfe Haus oder Wohnung nur bei medizinischen Notfällen verlassen. Garten und Balkon seien aber möglich.zap

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