Kirchheim

Dreiergipfel im Zeichen der Industrie 4.0

Austausch Vertreter der Landkreise München und Leipzig waren im Landkreis Esslingen zu Gast. In der Kirchheimer Max-Eyth-Schule bekamen die Gäste Einblick in moderne Unterrichtsformen. Von Thomas Krytzner

Vertreter der Landkreise Leipzig, München und Esslingen informierten sich an der Max-Eyth-Schule in Kirchheim über die Lernstraß
Vertreter der Landkreise Leipzig, München und Esslingen informierten sich an der Max-Eyth-Schule in Kirchheim über die Lernstraße Industrie 4.0. Foto: Thomas Krytzner

Es muss schon triftige Gründe geben, wenn Münchner zur Wies’n-Zeit ihre Heimatstadt verlassen. Doch der kommunalpolitische Erfahrungsaustausch mit dem Landkreis Esslingen war für eine größere Delegation Grund, am Wochenende an einem ausgefüllten Besuchsprogramm teilzunehmen. Zu dem Dreiergipfel waren auch Vertreter des Landkreises Leipzig nach Esslingen gekommen. Am Samstag stand unter anderem die Besichtigung der Max-Eyth-Schule in Kirchheim an. Dort lernen junge Menschen verschiedene Produktionsschritte kennen und kommen mit modernster Technik in Berührung. Das Zauberwort heißt Industrie 4.0.

Wie Schulleiter Jochen Schade erläuterte, können im Rahmen des Unterrichts viele Gebiete vereint werden: „Automatisierung und Digitalisierung ergänzen die Metall- und Elektrotechnik.“ Schade erklärte den Gästen die Vereinzelung der Produktionsschritte: „Wir wollen alle Komponenten, die wir brauchen, professionell gestalten.“ Es gehe mittlerweile nicht mehr nur um das Produkt als Resultat, sondern auch um die Idee und um die kaufmännischen Belange.

Der Schulleiter wies auch auf die fast autonome Stromversorgung der Schule hin. „Ein Verein hat die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt, so dass wir auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installieren konnten.“ So kann die „Green Factory“ an der Schule eigenen Strom einspeisen. In den verschiedenen Räumen sind wie in einem produzierenden Betrieb mittlerweile Abteilungen entstanden. Auf einem kurzweiligen Rundgang lernten Kreisräte und Mitarbeiter der Landratsämter aus München, Leipzig und Esslingen verschiedene Stationen kennen und bekamen die Infos von Schülern aus erster Hand.

Besonders stolz sind diese auf die neueste Errungenschaft - einen 3D-Drucker. Er wird mit den Daten der Konstruktion gefüttert und kann Musterteile, sogenannte Prototypen, ausdrucken. Erst wenn sie in Ordnung sind, wird ein Werkzeug aus Aluminium hergestellt. „Das ist gut zu verarbeiten“, erklärte Schade. „Wenn wir mit den Spritzgusswerkzeugen aus Alu zufrieden sind, stellt sie eine unserer Partnerfirmen aus Stahl her.“ Die Schüler können so Fertigungen simulieren. Dabei denken die Lehrer auch an Nachhaltigkeit. Jedes Bauteil wird für sich betrachtet. So wird zum Beispiel jedes Spritzgussteil mit Hilfe eines Roboters graviert. „Die Schüler sollen und wollen lernen, mit Robotern zu arbeiten“, betonte der Schulleiter. Die digitale Welt ist in den Schulen längst angekommen, und die Technik erlaubt mittlerweile immer mehr Möglichkeiten.

Intensiv kooperiert die Max-Eyth-Schule mit der Hochschule Esslingen. Absolventen der Hochschule haben unter Anleitung von Professor Sascha Röck, Fakultät Maschinenbau, ein Programm entwickelt, dass dem Nutzer erlaubt, eine Produktionszelle beispielsweise mit einem Roboter, virtuell in jeden gewünschten Raum zu stellen.

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt, als die Hochschulabsolventen mit einer Virtual-Reality-Brille demonstrierten, wie man einen digitalen Zwilling einer Produktionsanlage erstellen kann. Röck ist überzeugt: „Die Welt der Endgeräte ist sehr schnelllebig. Mit unserer Technik wollen wir uns unabhängig machen.“ Das Forschungslabor „Virtual Automation Lab“ setzt dabei auf Brillen aus der digitalen Spiele-Szene, die den Nutzer in die virtuelle Welt bringen. „Damit können Prozesse in geschützter Umgebung ohne Stress betrachtet werden“, verspricht Röck und weist der hochtechnisierten Digitalisierung eine wachsende Bedeutung zu. Für die Lehrer bedeutet das den Wegfall der Routine. „Der Unterricht muss bald jedes Jahr an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Da kann der Stoff nicht aus der Schublade gezogen werden“, so Schade: „Das Geheimnis ist die gute Zusammenarbeit im Kollegium.“

Der Landkreis Esslingen fördert die E-Mobilität

Die illustre Runde aus den Landkreisen München, Leipzig und Esslingen traf sich später in der Medius Klinik Kirchheim. Dort stellten die Kollegen aus Leipzig und Esslingen die ersten Schritte bei der Umsetzung der Elektromobilitätskonzepte vor. Die rund 60 Landkreis-Vertreter stellten fest, dass einige Ideen durchaus in allen drei Landkreisen realisiert werden könnten. Peter Keck vom Landratsamt Esslingen präsentierte den Gästen, wie in Esslingen die E-Mobilität in ersten Schritten gefördert wird. „Im Juni haben wir eine Studie in Auftrag gegeben. Erste konkrete Vorschläge, die wir dann umsetzen wollen, erwarten wir bis Mai 2020.“ Dabei setzt der Landkreis auf nachhaltige Mobilität. „Dafür braucht es die geeignete Infrastruktur.“

Der ÖPNV steht gemäß Landrat Heinz Eininger im Fokus. „Bei den Rad schnellwegen schaffen wir mit dem Neckartalweg einen Piloten im Land.“ Viele Busse werden emissionsarm aufgerüstet und eingekauft. Dazu brauche es eine sinnvolle Ladestruktur. Ebenso ist der Neubau des Landratsamtes eine Herausforderung. Peter Keck sagte dazu: „Wenn das neue Gebäude des Landratsamtes am Radschnellweg steht, gehen wir davon aus, dass viele Kunden mit dem Pedelec zu uns kommen.“ Nicht zuletzt die hohe Affinität zum Auto habe den Landkreis Esslingen bei Ladesäulen zum Vorreiter gemacht. Insgesamt gebe es knapp 250 Ladesäulen, darunter 26 Schnellladesäulen. Die mittlere Distanz zur nächsten „E-Tankstelle“ betrage damit 2,5 Kilometer, so Keck.

Auch die Fahrzeuge des Landratsamtes sollen künftig emissionsarm unterwegs sein. Für Peter Keck gibt es allerdings Einschränkungen bei der Umstellung: „Schneeräumer, die zum Teil 24 Stunden auf der B10 im Einsatz sind, werden kaum mit einem reinen Elektromotor auskommen.“ Jedoch gibt es erste Überlegungen, diese Lkw mit einer Solaranlage auf dem Dach auszustatten. Landrat Heinz Eininger erklärte zur schrittweisen Umstellung auf Elektromobilität: „Wir prüfen, wo im Nahbereich der Einsatz von Elektromobilen möglich ist und wo wir Hybridfahrzeuge einsetzen.“ Für Heinz Eininger sind die Schritte auch dringend nötig. „Wir sind unmittelbar von den Luftreinhalteplänen in und um Stuttgart betroffen.“ kry

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