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Das Buch „Alb-Leisa“ wurde in Nürtingen vorgestellt

alb-leisa
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Nürtingen. Vier Jahre lang haben der Diplombiologe und Vollerwerbslandwirt Woldemar Mammel und Fotograf Thomas Stephan

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an ihrem Buch „Alb-Leisa“, über die Linsen von der Schwäbischen Alb also, gearbeitet. Nun haben sie ihr Werk im Nürtinger Käsekontor vorgestellt.

„Schon allein für die Fotos ist man ja von verschiedenen Faktoren abhängig, wie beispielsweise dem Wetter“, sagte Thomas Stephan über die Entstehungsdauer des Buchs. „Viele Termine sind in der Landwirtschaft einfach nicht planbar.“ Auch Autor Woldemar Mammel hat für seine Texte mehr Zeit benötigt, als er ursprünglich dachte: „Die Recherche war sehr umfangreich, gerade was den Themenbereich Essen und Rezepte angeht.“

Seit Kurzem ist das 128 Seiten starke Werk, das mit 170 Farbfotos bebildert ist, zu haben. Neben Themen wie der Esskultur und verschiedenen Linsenrezepten wird der Weg der Linsenpflanze vom Anbau über die Verarbeitung bis ins Päckle beschrieben und gleichzeitig auch über die Geschichte, teils vergessene Traditionen und Erkenntnisse aus der Forschung aufgeklärt. Am Ende ist noch ein kleines Schwäbisch-Lexikon angehängt.

„Der Einstieg zu dem Projekt war die Idee, einmal zu erklären, wie die Linsen eigentlich wachsen“, so Mammel. Ursprünglich sei ein reiner Bildband geplant gewesen, da habe sich aber schnell gezeigt, dass das Thema viel mehr biete. Aktuell gebe es auf der Alb drei verschiedene Sorten: Späths Alblinse I eigne sich besonders gut für Suppen, Späths Alblinse II sei etwas kleiner und prima für Salate. Schließlich gebe es noch eine alte, ursprünglich aus Frankreich stammende Sorte, die Ani­cia. Sie sei im Vergleich zu den anderen beiden dunkelgrün und vielseitig einsetzbar.

Die beiden Späth-Sorten wurden erst 2006 in der Sankt Petersburger Wawilow-Saatgutbank wiederentdeckt und werden seit gut zwei Jahren wieder verkauft, „die französische Sorte wird auf der Alb etwa seit 1985 angebaut“, berichtet Mammel, der selbst einen Bioland-Hof in Lauterach im Großen Lautertal betreibt und dort auch Linsen anbaut. Aktuell zählen zur Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ rund 70  Landwirte.

Während seiner Recherche habe er unter anderem mit Verwandten und Bekannten in unterschiedlichen Regionen gesprochen und so auch von Rezepten erfahren, die allgemein weniger bekannt seien, erklärt Mammel. „Neben der bekannten Kombination von Linsen und Spätzle macht man auf der Süd-Alb auch salzige Dampfnudeln dazu, auf der Ost-Alb sind es dagegen Hefe­knöpfle.“ Saitenwürstle habe es früher nicht dazu gegeben, hat Mammel von älteren Gesprächspartnern erfahren. „Damals waren Linsen und Spätzle oft ein Freitagsessen und gerade in katholisch geprägten Regionen kam da kein Fleisch auf den Tisch.“

Linsen würden verbreitet in Kanada, den USA, Australien oder Indien angebaut, da gehe es aber vor allem darum, möglichst billig große Mengen zu produzieren, um die ganze Welt beliefern zu können, so Mammel. Technisiert und unterstützt von chemischen Herbiziden sei dieser Anbau, „traditionelle und gesunde Anbaumethoden gehen so verloren“.

Beziehen kann man das im Selbstverlag produzierte Buch für 24,90 Euro über www.alb-leisa.de oder bei der Öko-Erzeugergemeinschaft (EZG) „Alb-Leisa“, Telefon 0 73 75/92 22 93. Die EZG ist mit einem Stand auf der Slow Food Messe in Stuttgart vertreten, die vom 11. bis 14. April stattfindet.