Kirchheim

Ein Mantel, der Sterbende umhüllt

Trauerbegleiter Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Arbeitsgemeinschaft Hospiz besuchen kranke und alte Menschen auf ihrem letzten Weg und unterstützen die Angehörigen. Von Iris Häfner

Foto: Carsten Riedl
Foto: Carsten Riedl

Sterbende auf ihrem letzten Weg begleiten ist für die Ehrenamtlichen der AG Hospiz kein Tabu, sondern fast schon Berufung. Es sind vor allem Frauen, die sich zu diesem Schritt entscheiden. Unter den 35 Ehrenamtlichen finden sich gerade mal zwei Männer. Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl sind bei ihren Einsätzen unabdingbar. Vor Kurzem hat ein neuer Ausbildungslehrgang begonnen, an dem zwölf Personen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren teilnehmen und der sechs Monate dauert. „Die Nachfrage war sogar noch größer“, sagt Sandra Beck, die bei der AG Hospiz als Hauptamtliche für die Koordination zuständig ist. Teilnehmer solcher Kurse sind oft Menschen, die selbst Erfahrung mit dem Tod haben - Eltern oder Freunde verloren haben. „Sie haben festgestellt, dass es beim Abschiednehmen durchaus auch positive Situationen gibt“, sagt Sandra Beck.

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An vier Wochenend- und zwölf Abendterminen werden die künftigen Sterbebegleiter auf ihre Arbeit vorbereitet. Die Ausbildung beginnt mit der Biografiearbeit, bei der es um die eigenen Themen geht. Die Grundlagen der Hospizarbeit werden dabei beispielsweise ebenso weitergegeben wie Informationen über vorsorgende Papier, und es wird der Frage nachgegangen: Was macht einen Hospizler aus? Pflegerische Arbeiten dürfen die Ehrenamtlichen nicht übernehmen, Handreichungen aber schon oder auch mal eine Massage.

Die Kirchheimer Arbeitsgemeinschaft ist ein ambulantes Hospiz. „Oft bekomme ich Anrufe von Betroffenen, die ihre Angehörigen bei uns unterbringen wollen. Wir sind aber ein reiner Besuchsdienst. Unsere Ehrenamtlichen gehen in Pflegeheime, Krankenhäuser oder besuchen den Sterbenden bei sich zu Hause“, erläutert Sandra Beck. Pflegeheime nehmen das Angebot der AG Hospiz gerne in Anspruch. „Es gibt eine gute Kooperation“, sagt Sandra Beck. Der Wirkungskreis der Ehrenamtlichen erstreckt sich über Kirchheim, das Lenninger Tal samt Teilen der Alb, den Weilheimer Raum und Wendlingen.

Das erste Gespräch mit den Angehörigen führt die Koordinatorin, die ihr Büro im Johannes-Busch-Gemeindehaus in Kirchheim hat, dem Sitz der Diakonischen Bezirksstelle. Dabei klärt sich, wie sich der Bedarf gestaltet, wer von den Ehrenamtlichen hingeht und was möglicherweise medizinisch zu beachten ist. „Bei den Besuchen sind die Ehrenamtlichen immer allein. Es gibt aber monatliche Treffen, damit sie sich untereinander austauschen können und die Möglichkeit zur Supervision“, sagt Sandra Beck.

Das Café T gehört dazu

„Unser Angebot ist wie ein Mantel, der den Sterbenden umhüllt“, sagt sie. Dazu zählen alle möglichen Gruppen: Ärzte, Angehörige, Freunde, Pflegende, ambulante Dienste, Therapeuten - und auch die AG Hospiz. „Je nach Betroffenem sieht der Mantel anders aus. Das Ziel ist: Die letzten Tage für den Sterbenden so wundervoll wie möglich zu verbringen.“

Auch das Café T gehört zum Angebot der AG Hospiz. Das „T“ steht für Teilen, Trauer, Tränen, Trost und ganz einfach auch für Treffpunkt, Tee und Torte. „Hier hat sich ein Kreis von Gleichgesinnten gefunden. Damit der Verlust nicht so stark schmerzt, wollen sie Menschen treffen mit ähnlichen Erfahrungen“, sagt die Koordinatorin. Das Café T findet in der Regel einmal im Monat statt und ist jeweils am zweiten Mittwoch von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Zu finden ist es im Hof Ecke Hindenburgstraße/Alleenstraße.

Reinhard Eberst ist neuer Leiter der Diakonischen Bezirksstelle

Bei der AG Hospiz, die in Kirchheim 1994 gegründet wurde, spielt Religion keine Rolle, auch wenn die evangelische und katholische Gesamtkirchengemeinde sowie die Heinrich-Sanwald-Stiftung die Träger sind.

Der Diakonieverein Wendlingen hat sich ebenfalls angeschlossen. Der Beirat trifft sich zweimal im Jahr.

Es gibt einen Geschäftsführer. Das ist immer der Leiter der Diakonischen Bezirksstelle mit einem Zeitbudget von zehn Prozent.

Reinhard Eberst ist seit Januar Leiter der Bezirksstelle. Er war siebeneinhalb Jahre lang beim Kreisdiakonieverband in Esslingen tätig, hat dort die Diakonieläden geleitet und war auch für die Vesperkirche und Fundraising zuständig. „Ich hatte über die Diakonieläden auch mit Langzeitarbeitslosen zu tun. Das ist ein erster Einstieg, um die Menschen eventuell in den ersten Arbeitsmarkt zu bekommen“, sagt der Sozialpädagoge.

Etwa vier Stunden pro Woche hat Reinhard Eberst für die Hospizarbeit eingeplant. „Ich habe nicht gefremdelt mit dem Thema. Meine Mutter ist vor eineinhalb Jahren gestorben“, sagt Reinhard Eberst. Mit Sandra Beck entwickelt er bei den gemeinsamen Besprechungen unter anderem Ideen und bereitet Sitzungen vor. Es geht um Planung und strukturelle Fragen. Die AG Hospiz sieht er gut aufgestellt. „Da ist eine tolle Grundlage da“, sagt er. ih