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Ein Rückzug bedeutet meist das endgültige Aus

Einmal im Jahr, mitten im Winter, machen sie sich auf den Weg - von Schopfloch nach Gruibingen zum dortigen Hallenturnier. „Diese Aktion unserer AH-Kicker ist die einzige übriggebliebene Fußball-Aktivität in unserem Verein“, erzählt Thomas Munderich, Vorstandsvorsitzender des TSV Schopfloch, nicht ohne einen Hauch von Wehmut in der Stimme. Als vor mehr als anderthalb Jahrzehnten der endgültige Abpfiff für das Schopflocher Kreisligateam erfolgte, ahnten viele bereits, was folgen würde: Ein unwiderrufliche Ende einer teils bemerkenswerten Epoche mit zwei WFV-Pokalteilnahmen sowie jahrzehntelanger Kreisliga A-Zugehörigkeit. Das untere der beiden Schopflocher Spielfelder - längst renaturiert. Auf dem altehrwürdigen Kämmerle-Hauptplatz läuft immerhin noch einmal im Jahr ein Elfmeterturnier. „Im Fußball geht hier nichts mehr“, gibt Munderich den Realisten. Der Fokus im Klub gelte heutzutage unter anderem dem Jugendtennis - das Schopflocher Schicksal stellt nicht das einzige Beispiel dafür dar, dass es nach einem Rückzug selten einen Weg zurück in den Ligabetrieb gibt

Beim TV Gutenberg herrscht schon einige Jahre länger Fußball-Abstinenz. Das Vereinsleben funktioniert freilich auch ohne der Deutschen liebste Sportart: Zumba, Skiausfahrten, Hüttengaudi oder Kindertennis - geboten wird im Lenninger Teilort trotzdem noch viel.

Die SSF Kappishäusern gehörte, wie der TVG, einst ebenso zu den wenigen Kreisliga-Underdogs mit absolutem Kultcharakter im Altkreis Nürtingen. Der Sonderstatus? Nützte wenig. Heute wird die Straße zum SSF-Sportgelände meist nur noch von Mitgliedern der Tennisabteilung oder Besuchern der Sportgaststätte angesteuert.

Der FC Unterensingen erlebte den Ausstieg gleich mehrfach in seiner Vereinshistorie. Im Februar 2018 meldete Abteilungsleiter Michael Thill das Team zuletzt ab. Dem damaligen Tabellenletzten war die Spielerdecke weggebrochen. Die Chancen für einen Neustart sind diesmal praktisch gleich null. Zumindest spielte der Unterensinger Sportplatz an der Bettwiesenhalle in den vergangenen Woche wieder eine kleine Rolle in der Öffentlichkeit - als mögliches Ausweichquartier für den TV Unterboihingen während einer möglichen Umbauphase auf dessen Stamm-Vereinsgelände. Nach dem jüngsten Mitgliederentscheid pro Umzug und Neubau in den Speck fällt jedoch diese Einquartierung als Thema flach.

Nicht in allen Fällen bedeutet ein Rückzug jedoch das endgültige Aus. Beim TSV Notzingen folgte der Tristesse nach der Mannschaftsabmeldung im Jahr 2012 und kurzer Regenerationsphase Euphorie. Ein junges Team um Abteilungsleiter Michael Panknin, versehen mit einem Netzwerk in der lokalen Fußballszene, hat wieder Schwung, Perspektiven und jede Menge Kicker in den Eichert gebracht. Das Ergebnis: Aktuell ist der TSVN mit zwei Aktiventeams im Kreisliga-Fußball unterwegs. rei

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