Kirchheim

Eine Volksbank mit drei Hauptstellen

Fusion Die Volksbanken Kirchheim-Nürtingen und Esslingen verschmelzen zur Volksbank Mittlerer Neckar. Juristischer Sitz ist Esslingen, eine Zentrale wird bis Ende 2022 in Wendlingen gebaut. Von Iris Häfner

Der Umbau der Volksbank am Kirchheimer Marktplatz hat nichts mit der Fusion zu tun.  Foto: Carsten Riedl
Der Umbau der Volksbank am Kirchheimer Marktplatz hat nichts mit der Fusion zu tun. Foto: Carsten Riedl

Die Katze ist aus dem Sack: Die Volksbank Kirchheim-Nürtingen und die Volksbank Esslingen wollen ihre Zukunft gemeinsam gestalten. „Wir machen das aus der Position der Stärke heraus - aus keinen anderen Gründen“, stellt Heinz Fohrer, Vorstandsmitglied der Volksbank Esslingen und künftiger Vorstandssprecher, auf dem Hohenneuffen klar. Der Ort ist aus seiner Sicht gut gewählt, denn von dieser hohen Warte aus, lassen sich fast alle 39 Geschäftsstellen sehen. Kirchheim-Nürtingen hat 22 Filialen, Esslingen 17. Weil die Volksbank Kirchheim-Nürtingen die größere Einheit ist, übernimmt sie Esslingen. In der einstigen Reichsstadt wird dafür im Gegenzug der juristische Sitz sein - nicht zuletzt auch als sichtbares Zeichen der Verbundenheit zum Landkreis. Beide Banken legen Wert darauf, dass sie Partner auf Augenhöhe sind. Deshalb entsteht eine vollkommen neue Bank mit dem Namen Volksbank Mittlerer Neckar. Es wird drei Hauptstellen geben: in Kirchheim, Nürtingen und Esslingen.

Die Zahlen verdeutlichen die künftige Stärke: Die Bilanzsumme liegt bei über 3,6 Milliarden Euro, das Gesamtkundenvolumen bei rund 7,67 Milliarden Euro. Dank der Fusion steigt die Volksbank Mittlerer Neckar in die Top Ten bei den Volksbanken in Baden-Württemberg auf. Aktuell wäre es Platz sechs. „Wir werden im Raum Stuttgart die Nummer zwei nach Stuttgart sein. Es war aber nicht unsere Motivation auf die Größe des Nummernschilds zu schauen. Uns beiden geht es um Sachargumente“, sagt Heinz Fohrer. Deshalb ist es keine Fusion unterschiedlicher Größen, sondern eine identischer Herausforderungen. „Künftig gemeinsam einmal erledigen statt zweimal und getrennt“, fasst er zusammen. Am wachsenden Erlös- und Kos- tendruck kommt auch die Volksbank nicht vorbei. „Beide Häuser sind betriebswirtschaftlich kerngesund. Zusammen kommen wir auf 165 000 Kunden“, erklärt Markus Schaaf, Vorstandsmitglied der Volksbank Esslingen, und sagt weiter: „Wir ergänzen uns gut im Vorstand. Die Sondierungsgespräche verliefen partnerschaftlich.“ Es sei der richtige Zeitpunkt zur Fusion. „Es ist eine ideale Konstellation, auch vom Aufsichtsrat aus. Es herrscht eine sachorientierte Balance“, freut sich Heinz Fohrer. Seit etwa einem Jahr gab es lose Gespräche, in den vergangenen zwei, drei Monaten hat es dann intensive und anstrengende Besprechungen gegeben.

„Wir sind eine starke Regionalbank. Wir leben in einer Region, in der sich die Kunden verändert haben“, sagt Eberhard Gras, Vorstandsmitglied bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen. Bei größeren Kreditanfragen wollen sie die Kunden bedienen und ein verlässlicher Finanzpartner sein. Verbesserte Wachstums- und Zukunftsperspektiven sieht er durch die Fusion. Als genossenschaftliche Bank soll das Institut weiter ein starker Anker in der Region sein.

Die 595 Mitarbeiter wurden am Freitag abend zeitgleich in Nürtingen und Esslingen über die Fusion informiert. Entlassen wird niemand, doch für 240 Angestellte wird es in rund zwei Jahren einen Standortwechsel geben. „Der zentrale Verwaltungsbau wird in Wendlingen entstehen“, verrät Martin Winkler, Vorstandsmitglied bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen. Ende 2020 soll mit dem Bau auf dem Behr-Parkplatz in Bahnhofsnähe begonnen werden, alle Beteiligten hoffen, dass dann Ende 2022 der Umzug stattfinden kann. Da die Doppelarbeiten künftig wegfallen, wird die Mitarbeiterzahl „abschmelzen“. Dies soll aber durch die „natürliche Fluktuation“ abgedeckt werden. „Wir sind im Wettbewerb nach guten Arbeitskräften. Die IT-Experten stehen nicht vor unserer Tür. Diesen Engpass wollen wir mit der Fusion auffangen“, sagt Heinz Fohrer. Mit dem Zusammenschluss sollen die Arbeitsplätze gesichert werden. Die künftige Bank will ein attraktiver Arbeitgeber sein durch eine größeres Angebot und gezielte Personalentwicklung.

„Die Filialen bleiben. Sie sind der zentrale Kontaktpunkt für unsere Kunden. Es wäre unklug, an dieses Thema ranzugehen“, erklärt Markus Schaaf. Die Bank vor Ort bleibt als wichtigstes Bindeglied zum Kunden erhalten. „Aber: Der Kunde entscheidet, wie er mit uns in Verbindung tritt. Deshalb werden wir auch alle digitalen Wege anbieten“, sagt Eberhard Gras und Martin Winkler ergänzt: „Wir wollen für unsere Kunden und Mitglieder vor Ort sein. Deshalb haben wir auch drei Hauptfilialen.“

 

Info Die Volksbank Mittlerer Neckar hat vier Vorstandmitglieder: Heinz Fohrer (Sprecher), Eberhard Gras, Markus Schaaf und Martin Winkler.

Martin Winkler, Heinz Fohrer, Markus Schaaf und Eberhard Gras (von links) auf dem Hohenneuffen. Sie bilden das Vorstandsquartett
Martin Winkler, Heinz Fohrer, Markus Schaaf und Eberhard Gras (von links) auf dem Hohenneuffen. Sie bilden das Vorstandsquartett der neuen Volksbank Mittlerer Neckar. Foto: Iris Häfner
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