Kirchheim

Einer der besten Klubs im Ländle

Auszeichnung Die Kirchheimer Bastion hat einen Preis für ihr „herausragendes Livemusik-Programm“ bekommen. Das Geld soll in Künstlergagen fließen. Von Günter Kahlert

Plakette und Urkunde sind schon da, das Preisgeld kommt noch. Bernhard Fischer, Anja Mayer und Günther Scheuring (von links) fre
Plakette und Urkunde sind schon da, das Preisgeld kommt noch. Bernhard Fischer, Anja Mayer und Günther Scheuring (von links) freuen sich über die Auszeichnung „Applaus 2017“. Foto: Günter Kahlert

Da sind auch sonst eher „coole“ Kulturschaffende ein bisschen stolz. Der Club Bastion hat als eine von vier Veranstaltungsstätten in Baden-Württemberg die bundesweite Auszeichnung „Applaus 2017“ bekommen. „Wir fühlen uns natürlich geehrt, dass wir unter so vielen Klubs im Land ausgewählt wurden. Das ist eine tolle Anerkennung für unser Programm“, sagt Vorstandsmitglied Bernhard Fischer. Er war zusammen mit Günther Scheuring bei der Preisverleihung in Dresden, um Urkunde und Plakette in Empfang zu nehmen.

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Bei der Auszeichnung geht es nicht nur um die Ehre, es geht auch um Geld. 20 000 Euro gibt es für die Gewinner der Kategorie II (mehr als 40 Veranstaltungen im Jahr), in der die Bastion angetreten ist. „Das ist wahnsinnig viel Geld, da können wir einiges machen“ sagt Anja Mayer dazu, die auch Vorstandsmitglied der Bastion ist.

Allerdings ist es kein Geld zur freien Verfügung. Bei der Bewerbung um die Auszeichnung musste der Klub einen detaillierten Plan mitliefern, für was die Mittel gebraucht werden. Das ist zu belegen, sonst geht das Geld zurück. Also gibt‘s wohl keine rauschende Party zum „Applaus 2017“. Die Mittel fließen ins Programm des nächsten Jahres, was den Machern gut ins Konzept passt: 2018 feiert die Bastion ihr 50-jähriges Bestehen.

Was genau ins Programm kommt, steht noch nicht endgültig fest. Im Programm-Ausschuss wird es sicher „heiße Diskussionen“ geben, wie Bernhard Fischer schmunzelnd erzählt. Er selbst gehört zur Jazz-Fraktion und möchte nächstes Jahr auf jeden Fall zehn „besondere“ Jazzkonzerte veranstalten, will heißen: auch mal ein bisschen mehr Gage ausgeben zu können. „Da sind wir halt nicht mit 300 Euro plus Fahrtkosten dabei“, nennt er ein Beispiel.

Die Gagenfrage ist ein leidiges Thema im Club Bastion: Einerseits ist es ein Kult-Klub mit Anziehungskraft - für Zuschauer und Künstler -, andererseits haben maximal 140 Zahlende Platz. Anja Mayer: „Wenn da 100 Leute mehr reinpassen würden, dann könnten wir auch ganz andere Sachen machen.“ Sie freut sich natürlich, dass die 20 000 Euro Preisgeld es 2018 in dem einen oder anderen Fall bei Wunschkünstlern erlauben, nicht so penibel gegenrechnen zu müssen - oder sie überhaupt engagieren zu können.

Das heißt natürlich immer noch nicht, dass es bei der Bezahlung der Künstler jetzt eine nach oben offene Skala gibt. 500 bis 1 000 Euro mehr Spielraum können jedoch den Unterschied machen. Die „Bastioniken“ waren es seit jeher gewohnt, strikt mit ihrem Budget zu haushalten und quer zu rechnen. Was bei einer vollen Bastion an Überschuss erwirtschaftet wird, geht in den Kostenausgleich von spezielleren Veranstaltungen mit weniger Besuchern. So schafft es der Klub, seit Jahrzehnten eine kulturelle Bandbreite abzudecken, die zumindest ungewöhnlich ist.

Ungewöhnlich in der deutschen Klubszene ist auch die Organisationsform der Bastion. Wo in anderen Kultureinrichtungen in vielen Fällen ein Macher das Programm prägt, sind es hier viele Macher - allesamt ehrenamtlich mit entsprechend unterschiedlichen Vorlieben. „Jeden zweiten Montag im Monat sitzen die Leute zusammen und reden sich die Köpfe heiß“, schildert Bernhard Fischer die Treffen des Bastions-Ausschusses. Jeder sei von seinem Vorschlag überzeugt und verteidige ihn vehement. Genau das macht am Ende das Programm aus: ein Mix aus Veranstaltungen für die unterschiedlichsten Interessen.

Auch wenn die Entscheidungs-Kriterien der „Applaus“-Jury nicht wirklich bekannt sind: Die kulturelle Vielfalt der Bastion und das Engagement der Ehrenamtlichen haben sicherlich eine Rolle bei der Auswahl gespielt. Ist aber auch egal: Der Preis ist da, das Geld kommt und die Bastioniken können mehr als nur ein bisschen stolz auf ihre Arbeit sein.

1,8 Millionen Euro für 86 Klubs in Deutschland

Mit dem Musikpreis „Applaus“ wird die Programmplanung unabhängiger Spielstätten prämiert. Die Preisgelder stammen aus Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Umsetzung übernimmt die „Initiative Musik“, beratend wirken die Bundeskonferenz Jazz (BK Jazz) und die Live Musik Kommission, der Verband der Musikspielstätten in Deutschland, mit.

Beworben haben sich 2017 etwa 360 Spielstätten in drei Kategorien, an 86 wurden insgesamt 1,8 Millionen Euro an Preisgeld für „ein herausragendes Livemusik-Programm“ vergeben. Vier der Spielstätten liegen in Baden-Württemberg, die Bastion ist davon die einzige in der Kategorie II mit mehr als 40 Livemusik-Veranstaltungen pro Jahr. gk