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Eingreifen statt weghören!

Kommentar von Peter Eidemüller

Wer sonntags auf den Fußballplatz geht, bekommt nicht nur was zu sehen, sondern auch zu hören. Wortwahl, Umgangston und Ausdrucksweise in den Kreisligen passen sich nicht selten der Leistung auf dem Platz an. Gepflegte Manieren sind oft ebenso wenig an der Tagesordnung wie gepflegtes Kurzpassspiel. Das war so, ist so und wird vermutlich auch immer so bleiben. Schließlich handelt es sich um Hobbysportler, die letzten Endes nur den Querschnitt einer Gesellschaft abbilden, in der ein respektvolles Miteinander längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

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Gerade vor diesem Hintergrund sollte allerdings auf und neben dem Rasen klar sein, dass diskriminierende und rassistische Beleidigungen - ganz egal von wem und gegen wen - nicht ungehört verhallen dürfen. Zwar verweisen die Verbandsoffiziellen in diesem Zusammenhang gerne auf die im Vergleich zur Masse der Spiele geringe Zahl an Sportgerichtsurteilen. Doch ist nicht erst seit dem Fall des dunkelhäutigen Kreisligakickers Manuel Rommel aus Schlierbach offensichtlich, dass die Grenze zwischen fußballtypischer Stichelei und dem sportrechtlich relevanten Tatbestand der Diskriminierung oft überschritten wird. Zu oft.

In diesem Zusammenhang sind vor allem die Schiedsrichter gefordert, die nicht nur den Tritt gegen das Schienbein, sondern auch die verbale Blutgrätsche ahnden sollen. Die Frage muss vor dem Hintergrund der hohen Dunkelziffer aber lauten, warum so viele Referees offenbar lieber weghören, als den Regeln entsprechend beherzt ein- und durchzugreifen. Wenn die Antwort Desinteresse oder Angst lautet, sind wir alle gefordert. Beides zusammen ergibt ein Gebräu, dass das Zusammenleben auf Dauer zu vergiften droht. Auf und neben dem Fußballplatz.