Kirchheim

Er kam, sah und siegte

Von Andreas Volz

Oberbürgermeister Bader nimmt den „Spritzbefehl“ zurück.
Oberbürgermeister Bader nimmt den „Spritzbefehl“ zurück.

Randnotiz Es ist Kunst - und sollte trotzdem weg: Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hatten damit begonnen, das dreidimensional wirkende Gemälde zu entfernen, das im Rahmen des Kultursommers auf dem Kirchheimer Marktplatz entstanden war. Das Aus für die Kunst schien längst besiegelt, als plötzlich ein „Retter in der Not“ auftauchte: der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann. Ein purer Zufall war es, der ihn in die Stadt geführt hatte. Blitzschnell erfasste er die Situation und sah, dass er gekommen war, weil er siegen sollte.

Die Arbeiter wies er an, in ihrem destruktiven Tun innezuhalten, auch wenn er zu einer solchen Anweisung nicht wirklich befugt war. Dann machte er sich auf die Suche nach dem Urheber des „Spritzbefehls“. Von der Stadtverwaltung erfuhr der heroische Kunstretter schließlich, dass es an der Zeit sei, den Marktplatz wieder zu säubern: „Der Kultursommer ist vorbei.“

Das konnte Karl „Jimmy“ Zimmermann so nicht gelten lassen: „Der Sommer mag vorbei sein, nicht aber die Kultur.“ Folglich ging er vom Schmiedle zum Schmied. Und siehe da: Die Macht war mit ihm. Oberbürgermeister Pascal Bader und Finanzbürgermeister Stefan Wörner gaben vor Ort den Befehl, den Kunstfrevel einzustellen.

Hat „Jimmy“ nun tatsächlich die Kunst gerettet? Ja und nein. Das Kunstwerk hat sich erstaunlich widerstandsfähig gezeigt: Die Wasserstrahlen konnten ihm nur wenig anhaben. Wer nun aber auf den schwäbischen Reinlichkeitsfimmel schimpfen wollte, dem sei gesagt: Ein echter Schwabe würde Personal- und Wasserkosten scheuen - und den Zahn der Zeit für sich arbeiten lassen. Gegen den ist auch Kirchheims „Kunstretter“ machtlos. Es sei denn, das Werk wandert noch ins Museum: Gleich neben der Staatsgalerie liegt in Stuttgart das Haus der Geschichte. Und mit seiner Rettungsaktion hat Karl Zimmermann allemal Kunstgeschichte geschrieben.

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