Coronavirus
Erste Corona-Fälle im Landkreis Esslingen

Corona Nach den ersten Fällen in Filderstadt und Esslingen tagt im Landratsamt ein Krisenstab. Ab Montag gibt es Drive-in-Testzentren in Nürtingen und bei der Messe. Bei Verdacht nicht einfach zum Arzt gehen. Von Bernd Köble.

Überraschend kommt es nicht: Nach bisher 44 Menschen, die sich in Baden-Württemberg mit dem Coronavirus infiziert haben, hat nun auch der Kreis Esslingen seine ersten Fälle. Bei fünf Personen aus Filderstadt und Esslingen wurde das Virus inzwischen festgestellt. Drei davon sind nach Ende der

Faschingsferien aus dem Skiurlaub in Wolkenstein im Grödnertal zurückgekehrt. Sie sind seitdem in häuslicher Quarantäne. Mediziner gehen inzwischen davon aus, dass sich neben den bisher bekannten Gebieten in Norditalien auch Südtirol zur Risikozone entwickelt hat. Ein weiteres Paar aus dem Kreis hat sich vermutlich auf einer Reise nach Florenz und Bologna infiziert. Wegen einer bereits zuvor bestehenden Grunderkrankung liegen beide zurzeit im Krankenhaus in Ruit.

Im Esslinger Landratsamt wurde am Dienstag ein Krisenstab eingerichtet, der von einem 35-köpfigen Expertenteam aus Ärzten, Rettungsdienstmitarbeitern und Vertretern des Gesundheitsamts unterstützt wird. „Die Situation erfordert es, dass wir uns breiter aufstellen“, sagte Landrats-Stellvertreterin Marion Leuze-Mohr bei einer gestern kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Landratsamt. Das Sozialministerium des Landes aktualisiert täglich die Zahl der Neuerkrankungen. Was die fünf Fälle im Kreis Esslingen betrifft, sagt Leuze-Mohr: „Uns ist allen klar, dass es bei dieser Zahl nicht bleiben wird.“

Als erste Maßnahme richtet der Kreis in Nürtingen und auf dem Messegelände zwei Abstrichzentren ein, wo von Montag an per Speichelprobe Tests gemacht werden können, ohne dass mögliche Infizierte mit Arztpraxen oder Kliniken in Berührung kommen. Der Vorteil: Die Container, die Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr mit medizinischem Fachpersonal in Schutzkleidung besetzt sind, funktionieren nach dem „Drive-in“-Prinzip. Wer sich testen lässt, braucht dafür sein Auto nicht zu verlassen. Bis das Ergebnis vorliegt – in der Regel ist das bereits am nächsten Tag – sollten die Getesteten zu Hause bleiben und Kontakt mit anderen so gut es geht vermeiden. „Das Drive-in-System stammt aus Korea und hat sich dort bewährt“, sagt Marc Lippe vom Malteser Hilfsdienst, der die beiden Zentren koordiniert. Über den genauen Standort in Nürtingen wird mit der Stadt derzeit noch verhandelt.

Damit nur Patienten mit einem begründeten Verdacht die Abstrichzentren ansteuern, übernehmen Mediziner am Telefon die Filterfunktion. Personen mit entsprechenden Symptomen sollten deshalb nicht zum Hausarzt gehen, sondern sich unter der Telefonnummer 116 117 an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Die Ärzte am Telefon treffen dann eine Entscheidung und vergeben nötigenfalls einen Code für den Test. Unter der Telefon-Hotline erhalten auch diejenigen weitere Anweisungen, für die die Standorte in Nürtingen und bei der Messe gar nicht oder nur schwer zu erreichen sind. Um für einen weiteren Anstieg der Zahl Infizierter gewappnet zu sein, wird der ärztliche Bereitschaftsdienst personell aufgestockt und soll ab Freitag auch tagsüber erreichbar sein.

Grippe als zusätzliche Gefahr

„Wir müssen die Diagnostik aus Kliniken und Arztpraxen herausholen, um sie zu schützen“, sagt Jochen Maier, Hausarzt und Internist, der in seiner Praxis in Nürtingen inzwischen keine Patienten mit Corona-Verdacht mehr behandelt. Michael Geißler, ärztlicher Direktor am Klinikum in Esslingen, sieht die größte Gefahr momentan in möglichen Doppelinfektionen mit dem Grippevirus. „Wir haben bei der Zahl der Influenza-Erkrankungen noch immer einen Peak“, sagt er. Zwar nehme das Coronavirus bei weniger als einem Prozent gesunder Erwachsener einen schweren Krankheitsverlauf. Grippegeschwächte würden dadurch jedoch zu Risikopatienten. Geißler: „Im Moment geht es darum, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und medizinische Ressourcen zu schonen. Irgendwann wird das System kippen“, sagt er. „Dann werden wir auch nicht mehr testen.“