Kirchheim

Es hagelt Stornierungen

Übernachtungen Die Hotels in Kirchheim beherbergen eigentlich nur noch eines: leere Zimmer. Dabei bleiben die laufenden Kosten der Gastgeber immens. Die Soforthilfen können nur wenig auffangen. Von Bianca Lütz-Holoch

Gäste hat Matthias Kübler im Fuchsen längst keine mehr.Foto: Jean-Luc Jacques
Gäste hat Matthias Kübler im Fuchsen längst keine mehr. Foto: Jean-Luc Jacques

Die Zimmer stehen leer, das Personal hat Matthias Kübler längst nach Hause geschickt. Nur am Telefon sitzt immer jemand. „Um die Stornierungen entgegenzunehmen“, sagt der Geschäftsführer des Kirchheimer Hotels Fuchsen. Wie ihm ergeht es derzeit fast allen Gastgebern rund um die Teck: Aufgrund der massiven Einschnitte zur Eindämmung der Corona-Pandemie steht das Hotelgewerbe still - und zwar auf nicht absehbare Zeit. „Bei uns sind bis zum Herbst alle Buchungen storniert“, berichtet Melanie Strobel, Geschäftsführerin des Kirchheimer Ateck-Hotels: „Seit Anfang März verwalten wir eigentlich nur noch Absagen.“ Gäste hat sie keine mehr. „Das ist bedrückend und ein massiver Einschnitt für uns“, sagt sie.

Immerhin noch ein Zimmer ist im Kirchheimer Stadthotel Waldhorn belegt. „Ein Geschäftsreisender wohnt dort“, sagt Waldhorn-Inhaber Robert Ruthenberg. Erlaubt sind Übernachtungen im Hotel nur noch aus dienstlichen Gründen oder in privaten Härtefällen. Touristische Hotelaufenthalte dagegen sind tabu. Ein Frühstück gibt es für Robert Ruthenbergs Gast keines, das Restaurant hat geschlossen. „Bei uns laufen gleich zwei Dinge nicht: das Restaurant und das Hotel“, sagt der Gastronom und fügt hinzu: „Es geht uns nicht gut.“

Ihre Angestellten haben die Hoteliers allesamt in 100 Prozent Kurzarbeit geschickt. „Das gab es in unserer Branche noch nie“, betont Melanie Strobel. „Unsere Mitarbeiter haben Angst, und wir können ihnen nicht mal sagen, wann sie wieder arbeiten dürfen“, beschreibt Matthias Kübler die große Verunsicherung. Sämtliche Messen und Tagungen sind bis in den Sommer hinein abgesagt worden. Auch Geburtstage, Hochzeiten, Kommunions- und Konfirmationsfeiern, die gebucht waren, finden nicht statt. „Das ist ein Geschäft, das wir verlieren und niemals wieder aufholen werden“, so Kübler. Auch dass es nach der Krise schnell wieder aufwärts geht, bezweifelt er. „Alle Firmen kämpfen - und an Geschäftsreisen und Übernachtungen wird zuerst gespart.“

Umso schlimmer sind die Einbußen, weil die laufenden Ausgaben bleiben. „Selbst wenn ich das Licht ausmache, habe ich jeden Monat 10 000 Euro Fixkosten“, rechnet der Geschäftsführer des Fuchsen vor. Wartungsverträge, GEZ-Gebühren, Versicherungen und Verpflichtungen bei der Bank laufen für die Hoteliers weiter.

Zwar können sich die Betriebe für staatliche Soforthilfen und Kredite bewerben. Ganz unkompliziert ist das aber nicht. „Die Bürokratie ist immens“, sagt Robert Ruthenberg. Es gelte, bergeweise Formulare auszufüllen und eine Liquiditätsplanung für das Jahr abzugeben. Sein trauriges Fazit: „Für das Waldhorn entsteht ein Schaden von 150 000 Euro - das Kurzarbeitergeld und 30 000 Euro Soforthilfe schon berücksichtigt.“

Hürden sind hoch

Dazu kommt, dass die Hürden, um sich für die Soforthilfen überhaupt bewerben zu dürfen, hoch sind. „Man darf den Antrag nur stellen, wenn man nachweisen kann, dass in den kommenden drei Monaten die Liquidität nicht gewährleistet ist“, sagt Melanie Strobel. Froh ist sie, dass privates Vermögen - anders als anfangs angekündigt - doch nicht eingerechnet wird. „Unklar ist aber noch, ob Einkommensteuer darauf bezahlt werden muss.“ Fest steht jedoch schon eines: Die Soforthilfe ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Der Zuschuss reicht nicht einmal, um die Fixkosten für einen Monat zu bezahlen“, sagt Melanie Strobel.

Dennoch versuchen die Hoteliers, das Beste aus ihrer Situation zu machen. „Wir bieten Essen zum Mitnehmen an“, berichtet Matthias Kübler. „Das kann zwar niemals die Verluste auffangen - aber wir bleiben wenigstens im Gespräch.“ Darüber denkt auch Robert Ruthenberg nach. „Wenn wir zu Ostern nicht wieder öffnen dürfen, machen wir das auch.“ Sein Wunsch wäre es, wenigstens die Terrasse wieder zu bewirten. Gerne würde er auch die freistehenden Zimmer in seinem Hotel für einen sinnvollen Zweck zur Verfügung stellen, beispielsweise für Pflegepersonal oder Menschen, die nicht nach Hause sollten, um Angehörige zu schützen. „Ich habe schon die Stadt und die Kliniken angeschrieben“, sagt er.

Auch Melanie Strobel kann sich gut vorstellen, Zimmer zu vermieten, wenn sie gebraucht werden. „Ich verschließe mich da nicht“, sagt sie. Ende Februar war das Nebengebäude ihres Hotels bereits in eine Quarantänestation für China-Heimkehrer umgewandelt worden. Neben positiven Rückmeldungen hatte es auch Gegenwind gegeben. „Wir wollten nur helfen“, sagt Melanie Strobel. Und ein Ansteckungsrisiko habe es aus ihrer Sicht - vor allem verglichen mit der aktuellen Lage - nie gegeben.

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