Kirchheim

„Es ist schön und beglückend“

Manuela Oßwald
Manuela Oßwald

Der Beruf der Hebamme hat für Manuela Oßwald keine Schattenseiten. Das Problem seien die Rahmenbedingungen.

Muss man verrückt nach Babys sein, um Hebamme zu werden?

Manuela Oßwald: Nein, damit hat das nichts zu tun. Am Anfang hat mich hauptsächlich dieses große unglaubliche Erlebnis der Geburt fasziniert. Mittlerweile hat sich der Blick geweitet. Es ist schön zu sehen, wie aus einem Paar eine Familie wird, oder aus einer Familie mit einem Kind eine größere Familie. Es fasziniert mich, wie individuell Elternschaft ist. Manche Mütter praktizieren Tandemstillen, tragen ihre Kinder nur im Tragetuch, andere tun nichts davon.

 

Als Mutter von vier Kindern haben Sie viel Erfahrung. Geben Sie den Eltern Ratschläge?

Oßwald: Nein, außer es läuft etwas ganz und gar schief. Ich begleite die Paare auf ihrem Weg. Natürlich habe ich eine Vorstellung davon, was ich schön finde und was nicht. Aber ich denke nicht, dass ich die Paare das spüren lasse.

Was sind die Schattenseiten des Hebammenberufs?

Das Berufsbild selbst hat aus meiner Sicht keine Schattenseiten. Hebamme zu sein ist schön und beglückend. Es sind die Rahmenbedingungen, die uns das Leben schwer machen. Beispielsweise die Arbeitszeiten. Ich habe selbst Familie, muss aber auch sonn- und feiertags Hausbesuche machen. Die Sommerferien halte ich mir in der Regel frei, aber in den Pfingst- und Osterferien arbeite ich durch. Die Zeit, die uns pro Wochenbettbesuch von der Kasse zugestanden wird, ist zu knapp.

Und die Bezahlung?

Mir bleiben monatlich etwa 700 Euro, ich arbeite Teilzeit, etwa 50 Prozent. Wir mussten uns mal eine Zeit lang mit der Hebammerei über Wasser halten, als mein Mann noch mal studiert hat. Damals lebten wir zu fünft in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Das waren schon abenteuerliche Zustände.

Es gibt im Raum Kirchheim, Weilheim und im Lenninger Tal zu wenige Hebammen. Was sind die Folgen?

Das Stillen leidet. Viele Frauen starten hoch motiviert, aber wenn der erste Milchstau auftritt, brauchen sie Unterstützung. Sonst läuft es aufs Abstillen hinaus. Mütter und Tanten sind oft keine große Hilfe, weil sie selbst in einer ungünstigen Zeit geboren haben, als es wenig Unterstützung fürs Stillen gab. Die zweite Folge kann sein, dass Wochenbettdepressionen nicht erkannt werden. Oft fehlt die Kraft, selbst Hilfe zu suchen. Antje Dörr

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