Lokale Kultur

Es rattert, knattert, dampft und faucht

Im Kirchheimer Kornhauskeller ist seit Sonntag die Ausstellung „Spielend Dampf gemacht“ zu sehen

Weihnachtsausstellung im Kornhaus (Dampfmaschinen als Kinderspielzeug)
Weihnachtsausstellung im Kornhaus (Dampfmaschinen als Kinderspielzeug)

Kirchheim. Dampf war vor allem im 19. Jahrhundert das beherrschende Thema, wenn es um Energie ging – sei es die Energie in Industriebetrieben oder die Energie zur Fortbewegung. Und weil jede neue technische Errungenschaft früher oder später in den Kinderzimmern Einzug hält, war der Dampf auch im 19. Jahrhundert bereits ein beherrschendes Thema auf dem Spielzeugmarkt. Die aktuelle Weihnachtsausstellung im Untergeschoss des Kichheimer Kornhauses hat sich dieses Themas angenommen: Unter dem Titel „Spielend Dampf gemacht“ sind bis zum 18. März noch „Technikträume im Kinderzimmer“ zu sehen.

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Unter rhythmischem Volldampf standen bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag Mitglieder der Kirchheimer Musikerfamilie Reinhart, die für den klingenden Teil der Vernissage zuständig waren. Museumsleiter Rainer Laskowski dankte den Musikern für ihr spontanes Engagement und sprach dann von der langen Tradition der Weihnachtsausstellungen im Kornhaus. Die aktuelle sei seine vorletzte Weihnachtsausstellung, sagte er im Blick auf seinen bevorstehenden Ruhestand.

Die Rede zur Eröffnung hielt Bürgermeister Günter Riemer, der bei den Dampfmaschinen – ob echt und groß oder als Spielzeug und klein – von einem „Thema für große und kleine Buben“ sprach. Er ließ auch persönliche Erinnerungen einfließen, indem er von einer Spielzeugdampfmaschine berichtete, die bei seinen Großeltern auf der Bühne stand. Er habe sie aber nie selbst zum Laufen gebracht, unter anderem weil ihm immer gesagt worden sei: „Das ist gefährlich.“

In der Tat ist es in heutiger Zeit – wo selbst das eigentlich harmloseste Spielzeug auf sein Gefahrenpotenzial hin überprüft wird – kaum mehr vorstellbar, dass Kinder einmal Gerätschaften als Spielzeug unter dem Weihnachtsbaum vorfanden, die ihnen bei unsachgemäßer Handhabung hätten um die Ohren fliegen können. Allenfalls durch Loriots „Weihnachten bei Hoppenstedts“ ist ein solches Szenario in Deutschlands Wohnzimmern noch denkbar.

Andererseits haben Dampfmaschinen aber doch etwas ganz Eigenes, eben etwas Dynamisches. Sie scheinen ein Innenleben zu haben. Den Mythos dieses Innenlebens brachte der Bürgermeister durch ein Zitat aus dem Kinderbuch „Henriette Bimmelbahn“ von James Krüss zum Ausdruck. Dort heißt es: „Doch dann pfeift sie und sie bimmelt, / rattert, knattert, dampft und faucht, / ruckelt, zuckelt, klappert, plappert, / bebt und bibbert, rollt und raucht.“ Für Günter Riemer ist das etwas ganz anderes als modernes Spielzeug, wo „eine Batterie auf Knopfdruck“ dafür sorgt, dass sich etwas bewegt oder dass etwas blinkt.

Doch hätte die Dampftechnik niemals in Kinderzimmern Einzug halten können, wenn sie nicht zuvor für die Welt der Erwachsenen eine entsprechende Bedeutung erlangt hätte. Deshalb erinnerte Günter Riemer zur Ausstellungseröffnung auch daran, wie es James Watt um das Jahr 1768 gelungen sei, vorhandene Dampfmaschinen so entscheidend zu verbessern, dass er „die erste gebrauchsfähige Dampfmaschine moderner Bauart“ entwickelte: „Das wird heute als der Beginn des Dampfzeitalters angesehen.“

Der Dampf sei die wesentliche Voraussetzung für die industrielle Revolution in England gewesen, die sich dann nach großer zeitlicher Verzögerung um 1850 auch in deutschen Ländern ausgebreitet habe. Ein entscheidendes Datum auf diesem Weg war die erste deutsche Eisenbahn, die 1835 Nürnberg mit Fürth verband.

Aber auch Kirchheim habe einen eigenen Bezug zur historischen Dampftechnik: 1836 kam hier Max Eyth zur Welt, der sich im Auftrag der englischen Firma Fowler um die Entwicklung und den weltweiten Vertrieb von Dampflokomobilen verdient gemacht hat. Heute kümmert sich der Kirchheimer Verein „Historische Dampftechnik“ um dieses spezielle Erbe Max Eyths in Kirchheim.

In der Ausstellung, die wieder auf den Sammler Tobias Mey zurückgeht, stehen die Spielzeugdampfmaschinen meistens im Zusammenhang mit Bildern, die den Einsatz der Dampftechnik in Industrie, Verkehr und Landwirtschaft darstellen. Führungen durch die Ausstellung gibt es nach Vorankündigung im Januar und im Februar sonntags um 15 Uhr.