Kirchheim

„Es wächst kein Gras mehr“

Hitzewelle Die hochsommerlichen Temperaturen haben Menschen und Natur in Kirchheim und Umgebung fest im Griff. Öffentliche Grillstellen werden gesperrt. Das Gras für die Tiere wird knapp. Von Antje Dörr und Paul Buck

Pferde, Pferd, auf Weide
Pferde, Pferd, auf Weide

In Kirchheim ist Grillen an öffentlichen Grillstellen, beispielsweise in Nabern und an den Bürgerseen, bis auf Weiteres verboten. Aufgrund der anhaltenden Hitze und der geringen Niederschlagsmengen seien die Böden vor Ort stark ausgetrocknet, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung. Deshalb bestehe erhöhte Waldbrandgefahr. Auf ausgetrocknetem Gras und Laub kann ein Funke reichen, um einen Brand zu verursachen. Auch glimmende Zigaretten können zur Gefahr werden.

Trockenheit beeinflusst Qualität

Auch für die Landwirte hat die andauernde Hitze bedrohliche Auswirkungen. „Das Futter für die Tiere wird knapp“, sagt Siegfried Nägele, einer der Vorsitzenden des Kreisbauernverbands. Auf den Wiesen wachse aufgrund des fehlenden Regens kein Gras mehr. Auf der Alb ist die Getreideernte in vollem Gang. Das Getreide im Vorland sei geerntet, der Ertrag sehr unterschiedlich. „Dort, wo es geregnet hat, da war die Ernte einigermaßen gut“, sagt Nägele. An trockeneren Standorten sei die Menge unterdurchschnittlich. Die Trockenheit im Frühjahr hat allerdings die Qualität beeinträchtigt: Durch den trockenen April sei das Getreide „recht dünn“.

Der Mais steht noch auf den Feldern und leidet laut Nägele unter dem fehlenden Wasser. Von außen sehe man das nicht, aber die Kolben bildeten teilweise zu wenige Körner aus. Kartoffeln lagerten bei Wassermangel mehr Stärke ein und würden mehliger. „Die Kartoffeln wird man vermutlich früher ernten müssen. Sie sind dann kleiner, und der Ertrag ist geringer“, sagt Nägele. Sein Zwischenfazit: „Im Vergleich zum Norden und Osten sind wir bisher mit einem blauen Auge davongekommen.“ Ein gutes Erntejahr sei es jedoch nicht.

Nicht nur den Pflanzen, sondern auch vielen Menschen macht die Hitze körperlich zu schaffen. Anders als vermutet, melden die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Kirchheim und Nürtingen jedoch keine überfüllten Notaufnahmen. „Wir haben allerdings mehr dehydrierte ältere Patienten, die im Krankenhaus Infusionen bekommen“, sagt Norbert Nadler, Leiter der Medius-Kliniken in Kirchheim und Nürtingen. Ältere Menschen würden trotz großer Hitze oft nicht ausreichend trinken, weil viele kein Durstgefühl mehr hätten.

Für ein wenig Abkühlung sorgen Ventilatoren und Klimageräte, die allerdings schon mancherorts ausverkauft sind. Nicht so bei Media-Markt in Kirchheim: „Wir haben uns auf den heißen Sommer gut vorbereitet“, sagt der Geschäftsführer von Media Markt Kirchheim, Heinz Edeling, der von einer enormen Nachfrage berichtet.

Aufgrund der Hitzewelle werden immer mehr deutsche Badeseen gesperrt. Der Grund: Blaualgen, die bei Verschlucken Kopfweh, Erbrechen, Durchfall und Atemwegsprobleme auslösen können. Den Kirchheimer Bürgerseen haben die andauernden hochsommerlichen Temperaturen bisher nichts anhaben können. Von den gefährlichen grün-blauen Schlieren ist keine Spur. „Die Wasserqualität ist ausgezeichnet“, sagt Dennis Koep, Pressesprecher der Stadt Kirchheim. Auch im Bissinger See kann unbeschwert geplanscht werden. Das Landratsamt Esslingen misst die Wasserqualität alle zwei Wochen. Werden die Grenzwerte überschritten, warnen Schilder vor Gesundheitsgefahr.

Grillen verboten: Öffentliche Grillstellen in Kirchheim bleiben bis auf Weiteres gesperrt. Foto: Jörg Bächle
Grillen verboten: Öffentliche Grillstellen in Kirchheim bleiben bis auf Weiteres gesperrt. Foto: Jörg Bächle
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