Kirchheim

„Es wartet kein gelobtes Land auf dich“

Lyrik In der Bastion ist die Gruppe „Literally Peace“ aufgetreten. Deutsche und Syrer schreiben über Krieg und Frieden.

Syrische Autorinnen verarbeiten ihre Erfahrungen im Club Bastion ­etwa so: „Du kannst sein, wer immer du willst - außer du selbs
Syrische Autorinnen verarbeiten ihre Erfahrungen im Club Bastion ­etwa so: „Du kannst sein, wer immer du willst - außer du selbst.“

Kirchheim. „Frieden im wahren Sinne des Wortes“ ist eine der möglichen Übersetzungen des Titels der Veranstaltung im Club Bastion. Das Thema „Frieden, literarisch verarbeitet“, ist die zweite Bedeutung des Projektnamens. Auf Einladung des Kirchheimer Landtagsabgeordneten Andreas Kenner gastierten sechs junge Künstler aus vier Ländern in der intimen Atmosphäre des Kellergewölbes.

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Der Abend bezieht seine Spannung aus der Verzahnung von Texten, die in Deutschland entstanden sind, mit Texten aus dem syrischen Umfeld. Dort leben die meisten syrischen Autoren der Gruppe nach wie vor. Die Gruppe will zeigen, dass syrische Autoren nicht nur über den Krieg schreiben, auch wenn er im Hintergrund allgegenwärtig ist.

Maria Tramountani erläutert jeweils kurz die Texte. Im Vortrag durch Rahaf Aeashou in arabischer Sprache entfalten sie eine große Magie, bevor sie dann in deutscher Übertragung für das Publikum verständlich gemacht werden.

Funda Dogan, türkischstämmige Muslima mit Power und Humor, eröffnet den Textreigen mit einer Betrachtung zu Schauspiel, Psychose und Liebe. „Wie ehrlich kann ich sein, im Beruf, in der Liebe, in täglichen Leben?“ Im syrischen Text „Dein kleines Mädchen“ spiegelt eine syrische Autorin packend die täglichen Ängste und Sorgen des geliebten Mannes im Umfeld von Mangel, Not und Gewalt. Steffen Gärtners Text „In Plastik verpackter Tod“ thematisiert die Nähe des Todes auch im vermeintlich friedlichen Deutschland. Das Gedicht „Musa“ von Maria Tramountani entstand in Zeiten, „in denen es die Menschen noch empörte, wenn Flüchtlinge im Meer ertranken“. Während der Moses der Bibel über das Meer gehen kann, kämpft der Moses der Neuzeit, Musa, mit dem Tod auf dem Meer: „Musa, selbst wenn du das hier überlebst - es wartet kein gelobtes Land auf dich.“

Im syrischen Text „Verbote“ thematisiert die Autorin den unendlichen Kampf der Mädchen und Frauen, in der dortigen Gesellschaft ein selbstbestimmtes Leben zu finden: „Du kannst sein, wer immer du willst - außer du selbst.“

Literally Peace ist ein Blog junger Autoren aus Syrien und Deutschland, die sich auf der gleichnamigen Internetseite begegnen, sich über ihre Texte austauschen und sich vernetzen. Sie schreiben über ihre Lebensrealitäten, vergleichen ihre Erfahrungen und setzen sich immer wieder mit dem Thema Frieden auseinander. Entstanden ist das Projekt durch die Begegnung der jungen Autorin und Übersetzerin Maria Tramountani mit dem syrischen Autor, Übersetzer und Architekten Hazem Raad. 2017 gewann die Gruppe den ersten Jungendbildungspreis des Landes Baden-Württemberg und gestaltete auch die erste öffentliche Veranstaltung. Die Lesung in der Bastion war der erste Auftritt der Gruppe außerhalb Stuttgarts. Die vorgetragenen Texte sind nicht immer leichte Kost, geben aber bedrückende Einblicke in das Leben in einem Umfeld von Gewalt und Krieg.Text/Foto: Bernhard Fischer