Kirchheim

Familie sucht Eigenheim

Wohnungsmarkt Seit Jahren bemüht sich Aline Theodoridou um ein Haus für ihre fünfköpfige Familie. Damit ist sie in Kirchheim in guter Gesellschaft. Von Antje Dörr

Aline und Georgios Theodoridis Familie Kinder Wohnungssuche

Wenn Aline Theodoridou über Kirchheim spricht, kommt sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Die Stadt hat alles, was Familien brauchen“, sagt die 37-jährige Mutter dreier Kinder. Die Größe sei „perfekt, nicht zu groß und nicht zu klein“. Man könne die Kinder allein in die Schule schicken oder später auch ins Freibad. Aline Theodoridou geht mit ihrer Kleinsten in den Mini-Club, mit den Großen besucht sie das Puppentheater oder die Stadtbücherei. Auch Aktionen wie die Goldenen Oktobertage oder der Rummel haben einen festen Platz in ihrem Terminkalender. „Hier in Kirchheim ist wirklich unheimlich viel geboten“, findet sie.

Ein entscheidendes Angebot bleibt allerdings seit Jahren aus: Ein bezahlbares Haus für Aline Theodoridou und ihre Familie. In der Mietwohnung wird der Platz allmählich knapp, außerdem will der Vermieter in zwei Jahren selbst einziehen. Die Familie ist beileibe nicht arm: Das Jahreseinkommen des Ehemanns liegt im hohen fünfstelligen Bereich. 100 000 Euro bringt das Ehepaar an Eigenkapital mit. Eigentlich keine so schlechten Voraussetzungen.

Die Preise steigen und steigen

Das Dumme ist nur: Die Preise für Häuser steigen und steigen. Auch in Kirchheim. Und: Aline und Georgios Theodoridis sind nicht die Einzigen, die derzeit auf Häusersuche sind. Zahlen gibt es nicht. Doch jede junge Familie, mit der man über das Thema spricht, kann aus dem Stegreif fünf weitere Familien nennen, die raus wollen aus ihrer Mietwohnung. Oder raus müssen. Die meisten sind ebenso frustriert wie Aline Theodoridou. Und die meisten Geschichten enden gleich: Weil sich in Kirchheim nichts findet, zieht man eben nach Dettingen. Oder nach Weilheim. Oder nach Schlierbach.

Das kommt für die umtriebige Aline Theodoridou nicht infrage. „Ich kenne viele, die aus Kirchheim rausgezogen sind, und die dann nicht mehr viel mit den Kindern unternehmen“, sagt sie. Sie fürchtet, auf dem Land isoliert zu sein, weniger Unterstützung zu bekommen. „Eine Oma von uns hat beispielsweise keinen Führerschein und könnte uns dann nicht mehr besuchen.“

Aline Theodoridou tut deshalb alles dafür, mit ihrer Familie in Kirchheim bleiben zu können. In ihrer knappen Freizeit recherchiert sie im Internet, wirft Handzettel in Briefkästen alter Häuser, spricht Hausbesitzer an, ob sie nicht jemanden kennen, der verkaufen will. Sie besucht mit ihrem Mann den Immobilientag der Kreissparkasse. Sogar an die Kirchheimer Oberbürgermeisterin hat sie sich gewandt. Bei ihr rennt sie im persönlichen Gespräch offene Türen ein. „Wir wollen, dass die jungen Familien hier bleiben“, hat Angelika Matt-Heidecker zu ihr gesagt.

Gut und schön. Aline Theodoridou findet aber, dass sich die Stadt mehr dafür ins Zeug legen müsste. Beispielsweise Anreize für ältere Menschen schaffen, die oftmals allein in riesigen Häusern wohnen. Ihrer Meinung nach müssten städtische Grundstücke günstig an Familien verkauft und nicht Bauträgern überlassen werden.

Die Bebauung des ehemaligen Hallenbad-Geländes, die die Stadt mit einer Wohnbau-Firma realisiert hat, ist für sie ein Beispiel, wie es eigentlich nicht laufen sollte. „Beworben wurde das als bezahlbares Wohnen für Familien“, erinnert sich Aline Theodoridou. Die Familie suchte sich ein 140 Quadratmeter großes Reihenhaus aus. 490 000 Euro sollte es kosten - vor vier Jahren. Wäre es nach dem Punktesystem der Stadt gegangen, das kinderreichen ortsansässigen Familien mit Job in Kirchheim den Vorzug geben soll, hätten die Theodoridis‘ auf jeden Fall ein Haus bekommen müssen.

Doch dann verzögerte sich der Baubeginn. Wegen neuer Gesetze beim Brandschutz mussten die Pläne geändert werden. „Als die Verkaufsunterlagen rausgingen, kostete das Haus 545 000 Euro“, erinnert sich Aline Theodoridou. Dazu kamen Nebenkosten und 25 000 Euro für einen Tiefgaragen-Stellplatz. Zu viel für das Ehepaar, das nicht mehr als eine halbe Million Euro für ein Haus ausgeben möchte - vor allem nicht „für einen Schlauch von Haus mit wenig Garten“. „Was nützt das Punktesystem der Stadt, wenn die Häuser für Familien am Ende nicht bezahlbar sind?“, fragt sie.

Auch von den Ämtern der Stadt wünscht sich Aline Theodoridou mehr Unterstützung. Über einen privaten Kontakt hat sie vor einiger Zeit einen Bauplatz gefunden, der 350 000 Euro kosten sollte. Zu viel für die Familie allein. Die Lösung: ein Doppelhaus.

Als Aline Theodoridou beim Technischen Amt der Stadt anruft, erhält die junge Mutter die niederschmetternde Aussage, man dürfe das Grundstück nur mit anderthalb Geschossen bebauen - obwohl ringsherum alle Häuser höher sind. Also nichts mit Doppelhaus. „Auf meine Frage, warum, hieß es: Das ist halt so“, ärgert sich Aline Theodoridou bis heute.

Sie gibt allerdings nicht auf, bohrt bei ihrem Gespräch mit Angelika Matt-Heidecker nach. Die Kirchheimer Oberbürgermeisterin ist selbst verwundert und vermittelt Theodoridou ein Gespräch mit Stadtplaner Gernot Pohl. „Dort habe ich dann erfahren, dass der Gemeinderat den Bebauungsplan ändern kann“, sagt Aline Theodoridou. An diese Hoffnung klammert sie sich nun. Der umständliche Weg, auf dem sie an diese ermutigende Information kam, macht sie allerdings immer noch fassungslos. „So hat man wirklich kaum eine Chance, an ein Grundstück zu kommen“, sagt sie.

Sucht dringend ein Haus: Familie TheodoridisFoto: Carsten Riedl
Sucht dringend ein Haus: Familie Theodoridis Foto: Carsten Riedl
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