Kirchheim

Fast hätte es die Ernte verhagelt

Obst Die Kirschbäume hängen voller Früchte. Ihr Anblick lässt jedem das Wasser im Mund zusammenlaufen. – Ein gutes Jahr für Obstfreunde trotz des verheerenden Unwetters vom Wochenbeginn. Von Anna-Leah Gebühr

Die Unwetter Anfang der Woche haben an den Kirschbäumen kaum Schaden angerichtet. „Die Früchte sind schön und zahlreich“, freut
Die Unwetter Anfang der Woche haben an den Kirschbäumen kaum Schaden angerichtet. „Die Früchte sind schön und zahlreich“, freut sich Ernst Hitzer aus Neidlingen - bei ihm packt gerade die ganze Familie bei der Ernte mit an.Fotos: Markus Brändli

Es ist wieder so weit: Wochenmärkte, Hoflädle, Straßenstände und Supermärkte sind mit Kirschen gefüllt. Es ist schwer, ohne ein Schälchen dieser Köstlichkeiten nach Hause zu kommen. In der Region gewachsen und geerntet, gehören die Kirschen zu Kirchheim und Umgebung.

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Naturfreunde hatten ihren Spaß daran, die Entwicklung der Kirschbäume mitzuerleben, zum Beispiel bei Spaziergängen durch die Streuobstwiesen. Vor ein paar Wochen standen die Bäume noch in voller Blüte und stellten ein weißes Meer dar. Nun tragen sie Früchte in allen Rotschattierungen.

Im vergangenen Jahr kamen Kirschenfans ganz und gar nicht auf ihre Kosten. Große Teile der Ernte fielen dem Frost zum Opfer. Doch dieses Jahr sieht es viel besser aus. Die Eisheiligen verschonten die empfindlichen Früchte. Das große Unwetter vom Wochenbeginn kam zu spät, um den Kirschen rund um die Teck noch entscheidend schaden zu können.

Albrecht Schützinger, Ansprechpartner für Obst- und Gartenbau im Landkreis Esslingen, erwartet unterm Strich eine „ordentliche Ernte“. Sie dürfte zwar nicht übermäßig, aber doch immerhin „angemessen“ ausfallen. Das sommerliche Wetter hat den Kirschen gutgetan, und so konnten schon viele Früchte gepflückt werden.

Doch selbst auf der Zielgeraden gibt es noch einige Risiken. Albrecht Schützinger weist auf mögliche Schädlinge hin. Kirschfruchtfliegen und Kirschessigfliegen mögen die Kirschen nämlich ähnlich gerne wie Menschen. Beide Schädlinge sind nicht einfach zu bekämpfen und können der Ernte noch in letzter Sekunde zusetzen.

Auch Unwetter, die den Menschen die ersehnte Abkühlung bescheren, sind für Kirschbäume nicht ungefährlich: Wenn nach einem Unwetter die Sonne direkt wieder auf die noch nassen Kirschen fällt, platzen sie leicht.

Das schwere Unwetter vom Montagabend hatte für die Kirschen rund um die Teck weniger Folgen als befürchtet. Dennoch hat die Kombination aus Hagel, stürmischem Regen und Gewitter den Früchten, die noch auf den Bäumen hängen, nicht gutgetan.

Zwar ist das Wetter unberechenbar, aber dennoch gibt es Wege, es zu beeinflussen: Der Einsatz von Hagelfliegern ist seit dem gewaltigen Unwetter von 2013 immer häufiger geworden. Das Landratsamt im Rems-Murr-Kreis stellt gemeinsam mit der WGV-Versicherung einen Hagelflieger für die gesamte Region bereit. Sein Einsatz kommt Obstbauern im ganzen Ländle zugute. „Auch am Montag war der Flieger in der Luft“, erzählt Steffen Kienzle von der Pressestelle des Landratsamts im Rems-Murr-Kreis. Die Flieger „impfen“ die Hagelwolken mit Silberjodid, um so die Bildung großer Hagelkörner zu vermeiden. Kleine Hagelkörner schmelzen meist, ehe sie auf dem Boden auftreffen. So werden die Früchte geschont, auch die fast reifen Kirschen. Laut Steffen Kienzle gab es in diesem Jahr schon überdurchschnittlich viele Einsätze der Hagelflieger. Normalerweise finden die meisten Flüge erst im Juli statt.

Die Ernte läuft auf Hochtouren

Nicht zuletzt durch das notwendige Quäntchen Glück sind in der Region keine größeren Schäden entstanden. Auch spät reifende Früchte blieben weitgehend verschont. „Bei uns sind nur ein paar von den reifen Früchte durch den Regen aufgeplatzt“, berichtet Ernst Hitzer erleichtert. Sein Familienbetrieb hat Streuobstwiesen in der Kirschengemeinde Neidlingen. Seine Familie steigt momentan jeden Tag auf die Leiter, denn die Ernte läuft auf Hochtouren. „Die Früchte sind schön und zahlreich“, freut sich der Fachmann. Bis jetzt lief es für ihn gut.

Die reiche Ernte ist perfekt für jeden Kirschenliebhaber, denn die Ware ist gut und der Preis niedrig. Für die Obstanbauer sind es jedoch fast schon zu viele der roten Früchtchen. Sie hoffen auf viele Käufer und Naschkatzen. Doch auch in Form von Kuchen, Marmelade oder Likör machen sich die Kirschen gut.