Kirchheim

Fein, aber klein

Ernte In der Region um die Teck sind die Kirschen reif. Die süßen, roten Früchte wachsen zuhauf auf den Bäumen, fallen aber nicht so groß aus wie sonst. Dem Geschmack schadet das nicht. Von Lena Bautze

Sommerzeit ist Kirschenzeit rund um die Teck. Seit Anfang Juni kann man die roten Früchte auf den Märkten kaufen. Jedoch hat der viele Regen im Mai den Frühkirschen zu schaffen gemacht: Aufgeplatzte Kirschen mussten in aller Eile „notgepflückt“ werden. Am schlimmsten hat es die Exemplare in der Baumkrone getroffen, denn dort oben kommt am meisten Regen an. Das Regenwasser auf der Oberfläche dringt durch die Haut in das Fruchtfleisch ein. Dadurch steigt das Volumen im Inneren, und die Haut der Kirsche gerät unter Spannung. Ist der Druck zu groß, platzt sie. Der Geschmack ist nach wie vor einwandfrei, doch die aufgeplatzten Kirschen finden keine Käufer mehr. Sie eignen sich höchstens noch zu Marmelade.

Die aktuelle Kirschernte ist durchwachsen: „Durch die Hitze haben wir diesen Sommer sehr viele Kirschen auf den Bäumen hängen. Diese fallen aber gerade durch die Menge sehr klein aus“, urteilt Guido Henzler, Obstbauer aus Raidwangen. Dem Plantagenbesitzer haben die Regenmassen aber auch nichts ausgemacht, da seine Kirschen überdacht sind. - Im Gegensatz zu den Streuobstwiesen in der Region.

*Makelose Kirschen, findet man dieses Jahr wohl eher bei
Foto: Carsten Riedl

„Wir steigen mit zwei Körben auf die Leitern. In einen sortieren wir die aufgeplatzten, in den anderen die unbeschädigten Kirschen“, sagt eine Streuobstwiesenbesitzerin auf dem Kirchheimer Markt. Dieses Jahr hat sie der Regen besonders schlimm getroffen. Vor allem ihre Frühkirschen mussten leiden. Natürlich kommt es auf den Standort der Wiesen an. „Wir haben Wiesen am Teckhang und etwas entfernt am Dettinger Käppele. Wenn ein Schlechtwetterstreifen auf uns zukommt, erreicht er oft nur eine Wiese. Dadurch ist unser Schaden nicht so groß.“ Besonders widerstandsfähig sind die alten Kirschsorten, meint die Marktfrau: „Die alten Sorten sind nicht so fest wie die neuen. Bei den neuen hat man eine viel größere, festere Frucht, die aber leichter platzt, weil sie nicht so viel Flüssigkeit durch die Haut aufnehmen kann.“ Sie hat ein Umdenken beobachtet: „Die Kunden kaufen immer weniger die neuen Züchtungen, sondern kommen wieder zu den alten zurück, das merk ich auch bei den Äpfeln.“ Nach ihrer Erfahrung schätzen viele Kunden die Vielfalt in Geschmack und Größe. Der Renner unter den alten Sorten ist die Gewürzluike. Ihre persönliche Einschätzung ist klar: „Die alten Sorten, ob bei Äpfeln oder Kirschen, schmecken aromatischer und kräftiger.“

Dass die Qualität dieser Ernte schlechter ist als im Vorjahr, empfindet eine andere Kirschwiesenbesitzerin: „Wir haben sehr viele Kirschen, die aber klein sind und ungleich reifen. Deshalb müssen wir mehrmals ernten.“ Ihre Kirschbäume stehen in Hepsisau und sind auch dort nicht vom Regen verschont geblieben. „Durch den Regen verfaulen die Kirschen, wenn sie nicht rechtzeitig gepflückt werden.“

Nicht nur der Regen ist ein Problem, auch die Essigfliege kann erheblichen Schaden anrichten. Das kleine Insekt ist bei Temperaturen bis 30 Grad sehr aktiv und kann ganze Plantagen befallen. Bisher ist die Kirschenverkäuferin allerdings davon verschont geblieben. „Das geht ganz schnell. Man kommt an einem Tag zu seiner Wiese, und wenn es dann säuerlich riecht, ist es meistens schon zu spät“, sagt die Standbesitzerin aus Kirchheim. Ein richtiges Mittel gegen diese Schädlinge gebe es nicht. Jedoch können feinmaschige Netze über den Bäumen angebracht werden, damit die Fliege nicht mehr zu den Kirschen gelangt. Dafür sind aber viele Bäume zu groß.

Foto: Carsten Riedl
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