Lokale Wirtschaft

Feinarbeiter mit Ausdauer

Dieter Barth ist mit seinem Team Wirtschaftskriminellen und Betrügern auf der Spur

Man kennt die Bilder aus den Nachrichten: Unangemeldet tauchen Spezialisten der Polizei in einem Unternehmen auf und beschlagnahmen Akten, Computer und anderes Material. Gesucht werden Hinweise auf eine Straftat, einige Terabyte Daten kommen da schnell zusammen und auf die Beamten wartet viel Arbeit bei der Auswertung.

Im Kampf gegen Wirtschaftskriminelle kommt der Erste Kriminalhauptkommissar Dieter Barth mit dem „Kollegen“ Computer sowie mit A
Im Kampf gegen Wirtschaftskriminelle kommt der Erste Kriminalhauptkommissar Dieter Barth mit dem „Kollegen“ Computer sowie mit Ausdauer und der Liebe zur Feinarbeit ans Ziel.Foto: Bulgrin

Esslingen. „Geduld und Ausdauer, Akribie, die Liebe zur Feinarbeit: Das muss man für diesen Beruf schon mitbringen“, sagt Dieter Barth. Er muss es wissen, denn schließlich leitet er die Kriminalinspektion 3 und damit die Bereiche Wirtschaftskriminalität und Betrug bei der Polizeidirektion Esslingen.

Insolvenzverschleppung, Industriespionage, Falschbilanzierung, Geldwäsche, Insiderhandel, Korruption, Produktpiraterie, Steuerstraftaten, Subventionsbetrug, Unterschlagung, Untreue, aber auch jede andere Form von Betrug sind das „Geschäft“ von Dieter Barth und seinen insgesamt 25 Mitarbeitern. Die Diensträume sind in der Hindenburgstraße, eine Außenstelle gibt es noch in Filderstadt.

Natürlich hat sich die Welt gerade auch im Bereich der Wirtschaftskriminalität verändert, seit Dieter Barth seinerzeit mit 24 Jahren jüngster Kriminalkommissar im Lande war. Die Kriminellen werden immer spezialisierter, versierter, greifen auf modernste Technik zurück und treiben auf den globalen Märkten ihr Unwesen. „Also müssen auch wir globaler werden“, erklärt Barth, und es gehe natürlich immer darum, sich fortzubilden. Das geschieht dienstlich, aber auch privat ist es vielen seiner Kolleginnen und Kollegen wichtig, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und zu lernen.

Immer auf Ballhöhe mit den Straftätern bleiben. Darum geht es, doch das ist schwierig. Denn meist rennt die Polizei einen Schritt hinterher und ist gegenüber ihren „Kunden“ in einem Punkt stets im Nachteil. Dieter Barth: „Wir müssen uns an das Gesetz halten.“

Ist das nicht manchmal ziemlich frustrierend? „Nun ja,“ meint der Erste Kriminalhauptkommissar, „das könnte schon mal sein. Aber deshalb braucht man eben Geduld, Ausdauer und die Liebe zur Feinarbeit.“ Das habe manchmal schon etwas mit Schachspielen zu tun.

Auf diese Weise stellt sich dann auch der Erfolg ein, in einem Job, der mit einem immer größeren Aufwand verbunden ist. Denn die Ermittlungen und Verfahren gerade im Bereich der Wirtschaftskriminalität werden komplizierter und langwieriger. Da ist es für Barth geradezu ein Segen, dass es seit nunmehr 17 Jahren eine spezielle Ermittlungsgruppe gibt, in der Polizei und Staatsanwaltschaft eng und abgestimmt zusammenarbeiten. „Das klappt gut, wir sind effektiv, setzen unsere Ressourcen optimal ein und schaffen es vor allem, die Verfahren zu beschleunigen“, erklärt Barth. Das sei wichtig, damit die Fälle nicht verjährten.

Auf dem weiten Feld der Betrugsdelikte gibt es eine Facette, die Dieter Barth besonders beschäftigt. Wenn ältere Menschen als Opfer im Spiel sind, hört für ihn jeder Spaß auf. Und der „Markt“ für Betrüger wächst, weil auch die Zahl der potenziellen Opfer beständig zunimmt. Manche Straftäter versuchen es mit dem Enkel-Trick. Auch ältere Russlanddeutsche sind derzeit das Ziel von Betrügern. Oft wird bei den alten Leuten eine Schwäche ausgenutzt. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, weiß Dieter Barth und warnt auch vor Gewinnspiel-Angeboten, bei denen man am Ende nur draufzahlt. Deshalb ist es ihm wichtig, dass seine Erfahrungen und die seiner Mitarbeiter bei den Bürgern ankommen. Er versteht seine Inspektion als Dienstleistungsbehörde, die persönlich berät, Auskunft gibt und sich auch in der Prävention engagiert.

Dabei steigt der Beratungsbedarf bei einem Thema ganz besonders: Es lautet Internet und ist längst ein beliebtes Instrument für Betrügereien. „Früher musste man die Leute im persönlichen Gespräch täuschen. Heute passiert das anonym im Netz“, erzählt der 55-Jährige. Auch in diesem Fall sind ältere Menschen, die nicht so versiert mit dem Computer umgehen können, eine beliebte „Zielgruppe“.

Obwohl Dieter Barth täglich mit Vorgängen zu tun hat, die nicht gerade erfreulich sind, hängt er an seiner Arbeit. „Mein Job macht mir Spaß“, versichert er, und dies schlägt sich dann auch anderweitig nieder. Zum Beispiel wenn es um polizeiinterne Konfliktberatung geht. Dafür engagiert er sich ebenso wie für die International Police Association (IPA), in der es sowohl um Fortbildungsangebote, aber auch um gesellschaftliche Anlässe geht. Dieter Barth ist Vorsitzender der IPA-Landesgruppe Baden-Württemberg.

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