Kirchheim

Filmclub Teck hat ein erfolgreiches Heimspiel

Wettbewerb Ein regionales Filmfestival in Dettingen bringt gute Bewertung für FCT-Autoren. Ein Werk über eine contergan-geschädigte Frau darf sich als bester Film rühmen. Von Barbara Ibsch

Ein proppenvoller Saal, obwohl die Sonne schien. Woran lag’s? Richtig: Filmfestival in Dettingen. Es war zwar nur ein regionaler Wettbewerb, aber das Interesse an dieser ersten Stufe des Messens mit anderen war groß. Der Filmclub Teck als Ausrichter der Veranstaltung musste gleich mehrmals Stühle und Tische nachschieben. Grund zur Freude gab es aber auch für die FCT-Autoren, die ihre neuesten Produktionen zum Wettbewerb gemeldet hatten - die beiden einzigen ersten Preise blieben auch gleich beim FCT.

Die Region Mitte, zu der sich die Filmclubs aus Dettingen, Nagold, Reutlingen, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd und Waiblingen zusammengeschlossen haben, ist sich deutlich nähergekommen. Das zeigte die herzliche Begrüßung untereinander, das ließ sich aber auch am Filmaufkommen messen. Gab es früher schon mal die Frage, ob ein regionales Filmfestival überhaupt zustande kommen würde, hegte diesmal niemand auch nur einen Hauch dieses Gedankens.

Fünfzehn Filme waren zum Festival gemeldet. Reisefilme gehörten dazu, Stadtporträts, technische Einblicke, Naturfilme, ausgesprochen sensible Themen, es durfte aber auch geschmunzelt werden. Intensive Arbeit dagegen lag vor der Jury unter der Leitung von Eva Schulmeyer vom Videoclub Waiblingen. Sie moderierte nicht nur souverän, sondern hakte auch nach und sorgte für hinterfragte Sichtweisen bei den Jurymitgliedern. Die FCTler waren mit neun Filmen vertreten und damit die stärkste Truppe, bestehend aus acht Autoren. Zweimal ein erster Preis, drei zweite Preise und viermal Rang drei sind die Ausbeute; dazu kommen Weitermeldungen zum Landesfilmfestival für sechs Filme.

Auch wenn es auf Regionalebene die Auszeichnung „Bester Film des Wettbewerbs“ offiziell nicht gibt, darf sich FCT-Autor Josef Pettinger heimlich doch damit schmücken. Sein Film „Reni“ hatte alle fünf Jury-Stimmen für einen ersten Platz und die Weitermeldung erhalten. Das war der Lohn für einen überaus sensibel gestalteten Film, in dessen Mittelpunkt eine sehr selbstbewusste, contergan-geschädigte Frau steht. Wie sie das Leben meistert und zudem ungewöhnliche Wege geht, hat Josef Pettinger eindrucksvoll festgehalten. Der Film zeichnet sich durch große Nähe aus und bewahrt dennoch die notwendige Distanz.

Ein vielseitiger Autor

Kontrastprogramm bietet der zweite Pettinger-Film. „Präsentation schräg und laut“ zeigt den hohen technischen Aufwand vor einer Abendveranstaltung, die - der Titel lässt darauf schließen - der Guggenmusik freien Lauf lassen wird.

Humorvolles ist in der Regel aus der Filmwerkstatt von Lutz Schulze zu erwarten, und der stellvertretende Klubleiter enttäuschte nicht. Er war mit drei Kurzfilmen vertreten und wird einen davon auch beim Landesfilmfestival zeigen dürfen. Ein Zeitdokument als Zwischenbilanz hat Karl-Heinz Kosmalla geschaffen. „Stuttgart 21“ bietet nicht alltägliche Einblicke in die umstrittene Großbaustelle, rückt Für und Wider bewusst nicht in den Vordergrund, sondern informiert lieber sachlich zurückhaltend über den Baufortschritt. Das hat zu einem zweiten Preis geführt. Über dieselbe Bewertung und den Sprung auf die Landesebene darf sich auch Ehrentraud Albrecht freuen. „Jenseits des Horizonts“ lässt im Doppelpack heranwachsendes Leben im Mutterbauch darüber sinnieren, ob es ein Leben nach der Geburt geben kann.

Mit dagegen geradezu schwerer Kost haben sich Herbert Kaiser, Rolf Horst und Peter Markotschi auseinandergesetzt. „Das andere ICH“ war Titel einer Ausstellung zum Thema „Maske und Alter Ego“. Ein Bereich, der von Beziehungen strotzt - in dem man sich verlieren kann. Die Jury war für einen dritten Preis.

Ein dritter Rang auch für Werner Rothenöder, der „Fünf Stunden mit Monique“ verbracht hat. Nein, nicht dort, wo manche jetzt vielleicht meinen. Die charmante Stadtführerin führte durch Schwedens Hauptstadt Stockholm und dabei auch zu Orten neben ausgetretenen Touristenpfaden.

Gerd Ruckdäschel aus Bissingen ist zwar nicht FCT-Mitglied, hat über diese Schiene aber seine kombinierte Film- und Fotoschau „Gentle Giants“ zum Wettbewerb gebracht. In eindrucksvollen Bildern schildert er das Taucherlebnis mit Walhaien in philippinischem Gewässer, eingebaut in die Geschichte um einen Fischer. Das hat gefallen und dem Autor einen zweiten Preis sowie die Weitermeldung eingebracht.

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