Kirchheim

Frauen ernten fairen Lohn für kreative Arbeit

Vortrag In Ghana haben Frauen das Label „Global Mamas“ gegründet. Was dahinter steckt, erläuterte Europa-Importeurin Gabi Ludwig im „Weltladen“. Von Andrea Barner

Alles Unikate: Gabi Ludwig zeigt ein farbenfrohes Sommerkleid aus der Kollektion der „Global Mamas“. Sie importiert deren Mode,
Alles Unikate: Gabi Ludwig zeigt ein farbenfrohes Sommerkleid aus der Kollektion der „Global Mamas“. Sie importiert deren Mode, Schmuck und Heimtextilien.Foto: Andrea Barner

Neue Formen der Arbeitsorganisation wie „Co-Working-Spaces“ und Home Office sind im Trend. Vierhundert Frauen in Ghana verdienen sich längst ihren Lebensunterhalt nach dem Prinzip dezentraler Zusammenarbeit. Im Rahmen der Kirchheimer Frauenkulturtage berichtete Europa-Importeurin Gabi Ludwig im „Weltladen“ über die „Global Mamas“.

Vor 15 Jahren gründeten die amerikanischen Studentinnen Renae Adam und Kristin Johnson zusammen mit sechs ghanaischen Frauen das Unternehmen „Global Mamas“. Sie knüpften in ihrem Geschäftsmodell an die traditionelle Wachs-Batikkunst Ghanas an. Aus den bunten Stoffen werden attraktive Kleidungsstücke genäht. „Es handelt sich um ganz feines Gewebe aus Biobaumwolle“ erklärt Gabi Ludwig. Nicht nur, dass alle Mitarbeiterinnen laufend geschult werden. Den Gründerinnen ist auch wichtig, sie über die kompletten Arbeitsabläufe von der Baumwolle bis zum fertigen Kleid zu informieren. „Die Frauen haben eine fantastische Entwicklung gemacht“, schwärmt Gabi Ludwig mit Blick auf die vergangenen sieben Jahre. „Teilweise sind die Mitarbeiterinnen sogar Anteilseignerinnen. Innerhalb der Firma herrscht eine unglaubliche Transparenz.“

Gabi Ludwig ist Gründerin der Großhandelskette „Handtrade“. Auf das afrikanische Modelabel stieß sie während einer Informationsreise nach Cape Coast in Ghana. Dort gibt es ausschließlich Straßenverkauf, keine echten Läden. Die Stadt ist von der Größe her mit Stuttgart zu vergleichen. Ludwig bezeichnet Cape Coast als „riesigsten Müllhaufen der Welt, der ständig in Flammen steht“. Meer und Strände sind mit Plastik-Müll übersät. Die Menschen leben in Einraumwohnungen. Küchen bestehen aus alten Tischen voller Schüsseln und Töpfe. Gekocht wird am offenem Feuer, denn Strom ist eine Rarität.

Dort, an der Südküste Ghanas, leben und produzieren die „Global Mamas“ in ihren privaten Werkstätten. Das Unternehmen bezahlt sie fair, die Frauen verdienen etwa das Dreifache von dem, was sie zum Leben dringend benötigen. Sie arbeiten mit einfachen Mitteln, aber es ist alles da, was sie zur Produktion benötigen. Die Schneiderinnen bekommen Nähmaschinen zur Verfügung gestellt, die sie nach und nach „abstottern“. Die Farben, die die Batikerinnen für ihre Ornamente benötigen, schwimmen in großen Schüsseln auf alten Tischen. Manche Frauen haben noch nicht mal eine Waschmaschine, um die Wachsreste auszuspülen, das erledigen sie dann in Waschzubern von Hand. Beim Färben der 15 Meter langen weißen Stoffbahnen tragen die Frauen Gummistiefel, Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz. „Das sehr feine Farbpulver sollte man nicht dauernd einatmen“, weiß Gabi Ludwig. Sie hat in Cape Coast selbst schon einen Batikkurs absolviert.

Professionelle Designerinnen von „Global Mamas“ liefern den Näherinnen Schnitte und Anleitungen. Die farbenfrohen Blusen, Röcke und Kleider orientieren sich am westlichen Modegeschmack. Farben und Muster sind an afrikanische Traditionen angelehnt, aber modern interpretiert. 20 Prozent der Ware wird in Ghana verkauft, häufig an Touristen. Die „Global Mamas“ exportieren außerdem in 24 Länder weltweit, vor allem in die USA. „Europa ist im Grunde noch ein weißer Fleck“, bedauert die Importeurin. „Aber wir arbeiten dran.“ Neben Damenbekleidung fertigt die afrikanische Frauenfirma auch Schmuck und Heimtextilien wie Körbe, Kissenbezüge oder Tischdecken.

Größter Wunsch der „Global Mamas“ ist es, eine eigene Baumwollfabrik im Land zu haben. Momentan ist das aber noch Zukunftsmusik. Die Stoffe mit Bio-Siegel werden in Asien produziert. Kurz vor Baubeginn steht allerdings ein Näh- und Batikzentrum mit Wind- und Sonnenenergie, Brauchwassernutzung, Kita und 200 Arbeitsplätzen. „Existenzsicherung vor Ort ist letztlich auch ein Schritt zur Bekämpfung von Fluchtursachen“, erläutert Gabi Ludwig einen Aspekt der Geschäftsidee.

Die Kleidungsstücke, die es im Kirchheimer „Weltladen“ aus der Kollektion zu kaufen gibt, sind lauter Einzelstücke. „Auf dem Etikett können Sie es nachlesen“, sagt Gabi Ludwig. „Da stehen die Namen der Batikerin und der Näherin drin sowie der Frau, die das Teil auf seine Qualität geprüft hat.“

Anzeige