Kirchheim

Freie Wähler und Grüne Kopf an Kopf

Gemeinderatswahl Aus 34 Sitzen werden 37 – Freie Wähler bleiben stärkste Fraktion in Kirchheim, dicht gefolgt von den Grünen – CDU und SPD verlieren jeweils einen Sitz – Wahlbeteiligung bei über 56 Prozent. Von Andreas Volz

Auch im Kirchheimer Gemeinderat sind die Grünen der große Gewinner - zumindest beim Zugewinn: Von 17,24 Prozent sind sie auf 24,04 Prozent geklettert. Trotzdem haben die Freien Wähler knapp 4 000 Stimmen mehr erhalten. Mit 24,86 Prozent stellen sie deshalb weiterhin die stimmenstärkste Fraktion im Gemeinderat. Vor fünf Jahren hatten für ihre Spitzenposition noch 21,45 Prozent ausgereicht. Bei der Zahl der Sitze macht sich der Vorsprung allerdings nicht bemerkbar, denn sowohl die Freien Wähler als auch die Grünen bilden künftig neunköpfige Fraktionen. Die Freien Wähler erhalten also zwei weitere Sitze, die Grünen sogar drei.

Je einen Sitz abgeben müssen die CDU und die SPD. Auch hier spiegelt also die Gemeinderatswahl den Trend der Europawahl wider: Die Parteien der Berliner Regierungskoalition haben sich in Kirchheim - mit einem Verlust von drei Prozentpunkten - so knapp aneinandergereiht wie schon 2014. Die CDU erhielt 16,47 Prozent (statt 19,56), und die SPD kommt jetzt auf 16,22 Prozent (statt 19,33).

Die FDP/KiBü-Liste erreicht dafür mit drei Gemeinderatsmitgliedern nach fünf Jahren als „Gruppierung“ wieder den Fraktionsstatus. Von 6,32 hat sie auf 8,43 Prozent zugelegt. Die Christliche Initiative Kirchheim (CIK) bleibt bei zwei Mandaten, auch wenn sie von 5,98 auf 5,16 Prozent zurückgefallen ist. Ebenfalls auf zwei Sitze kommt die Linke, die bei ihrer Wahl-Premiere 4,83 Prozent der gültigen Stimmen für sich verbuchen konnte. Nicht mehr angetreten war die Frauenliste.

Mit Sabine Lauterwasser bleibt aber eine der „Frauenlisten-Frauen“ dem Ratsrund erhalten. Auf der Liste der Grünen belegt sie den zweitbesten Platz, hinter der derzeitigen Fraktionsvorsitzenden Sabine Bur am Orde-Käß. Letztere konnte mit 8 862 Stimmen das drittbeste Ergebnis aller Bewerber erzielen. Vor ihr liegen nur der bisherige Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Dr. Christoph Miller (9 035) sowie Andreas Kenner (SPD), der mit 12 244 Stimmen jeden Rahmen sprengt: Auf anderen Listen hätte allein sein Vorsprung vor Christoph Miller für einen Sitz im Ratsrund gereicht.

Die Zahl der Ausgleichssitze wegen der unechten Teilortswahl ist dieses Mal weitaus höher: Fünf sind es, statt bislang zwei. Das Gremium wächst deshalb von 34 Mitgliedern auf 37 an. Erste Reaktion von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker: „Da müssen wir am Ratstisch anbauen.“ Auch politisch zeigte sie sich vom einen oder anderen Ergebnis überrascht: „Bis Sonntag Abend hätte ich nicht geglaubt, dass die Grünen in Kirchheim an die Freien Wähler rankommen.“ Außerdem hätte sie nicht gedacht, dass die SPD mit der CDU mithalten kann. „Mit 16 Prozent ist die SPD nicht in allen Kommunen dabei.“ Angelika Matt-Heidecker vermutet allerdings, dass das auch am „Kenner-Effekt“ liegt. Der Stimmenkönig hat immerhin fast ein Sechstel des SPD-Ergebnisses geholt - was wohl nicht nur an seinem Status als Landtagsabgeordneter liegt.

Ähnlich lässt sich auch das Abschneiden der FDP/KiBü werten: Die Bundestagsabgeordnete Renata Alt (4 707) hat knapp ein Achtel aller Stimmen für ihre Liste eingefahren. Bei der CDU sieht das ganz anders aus: Dort liegt ein Duo an der Spitze. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Dr. Thilo Rose kommt auf 6 622 Stimmen, Dr. Natalie Pfau-Weller liegt mit 6 265 nur knapp dahinter.

Für die CIK ist Hans Kiefer (3 291) das Zugpferd, bei der Linken steht erwartungsgemäß Heinrich Brinker (2 223) ganz vorn. Mit seiner Stimmenzahl hat er die Schnapszahl knapp verfehlt. Dafür kann aber Bettina Schmauder (Freie Wähler) mit einer besonderen Anzahl an Stimmen glänzen: Genau 7 777 hat sie erhalten.

Solange sich auf der Leinwand im großen Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses das Ergebnis Wahlbezirk für Wahlbezirk zu einem Ganzen zusammenfügte, waren viele „alte Hasen“ überrascht über ihre hohe Stimmenzahl: Das lag vor allem an der Wahlbeteiligung. Auch hier folgte die Gemeinderatswahl dem Trend der Europawahl: Von 45,22 (2014) war der Prozentsatz derjenigen, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, auf 56,24 gestiegen. Die Zahl der gültigen Stimmen lag bei knapp einer halben Million - fast 100 000 mehr als 2014.

Das war aber nicht der Grund dafür, dass das Wahlergebnis erst am Dienstagabend zur Verfügung stand. Die Oberbürgermeisterin sprach gestern von mehreren EDV-Problemen, sowohl bei der Hardware als auch bei der Software. Das habe bei etlichen Kommunen im Kreis zu Verzögerungen geführt. Gleichwohl versprach sie: „Wir werden das analysieren. Dass es Schwierigkeiten gab, ist mehr als ärgerlich. Es tut mir sehr leid für alle, die da sehr engagiert mitgearbeitet haben.“

Engagiert zur Sache gehen können im Kirchheimer Gemeinderat folgende gewählten Bewerber:

Freie Wähler: Dr. Christoph Miller, Bettina Schmauder, Andreas Banzhaf, Ralf Gerber, Ulrich Kübler, Florian Schepp (neu), Hans-Peter Birkenmaier, Reinhold Ambacher (Jesingen) und Rainer Kneile (Nabern). Grüne: Sabine Bur am Orde-Käß, Sabine Lauterwasser, Michael Attinger (neu), Dr. Jürgen Berghold, Max Blon (neu), Manfred Machoczek, Christoph Lempp, Lena Weithofer (Jesingen, neu) und Martina Zuber (Nabern, neu). CDU: Dr. Thilo Rose, Dr. Natalie Pfau-Weller, Wilfried Veeser, Michael Gänßle, Eva Baudouin (neu) und Dieter Franz Hoff (neu, Ausgleichssitz). SPD: Andreas Kenner, Marc Eisenmann, Tonja Brinks, Michael Faulhaber (neu), Stefan Gölz (Ausgleichssitz) und Marianne Gmelin (Jesingen). FDP/KiBü: Renata Alt, Hans Kahle (neu) und Ulrich Kreyscher (Ausgleichssitz). CIK: Hans Kiefer und Tobias Öhrlich (neu, Ausgleichssitz). Die Linke: Heinrich Brinker (neu) und Ute Dahner (neu, Ausgleichssitz).

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