Kirchheim

„Friedlich“ - mit gewissen Ausnahmen

Silvester Mit einem spektakulären Feuerwerk haben die Kirchheimer das Jahr 2018 begrüßt. Polizei meldet keine besonderen Vorkommnisse – außer einem Brand auf dem Schafhof und einem verlorenen Finger. Von Andreas Volz

„Same procedure as every year“: Mit krachenden Böllern und farbenprächtigen Raketen schossen die Kirchheimer das Jahr 2018 ein.F
„Same procedure as every year“: Mit krachenden Böllern und farbenprächtigen Raketen schossen die Kirchheimer das Jahr 2018 ein.Fotos: Markus Brändli

Die Redewendung „pünktlich wie die Maurer“ kann man in Kirchheim langsam ersetzen durch „pünktlich wie die Feuerwerker“: Den ganzen Silvesterabend über schossen sie sich nur ein wenig warm, um dann den Jahreswechsel so punktgenau wie zünftig zu beschießen. In der Neujahrsnacht war es im Wortsinn bereits „fünf vor zwölf“, als für alle begeisterten Feuerwerksgucker ernsthaft zu befürchten war, dass die ganz große Party dieses Mal ausfallen würde. Mit einem Mal aber drehten alle Raketen-, Batterien- und Heulerspezialisten auf und sorgten in ganz Kirchheim für ein gewaltiges pyrotechnisches Spektakel.

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In ganz Kirchheim? Fast. Natürlich wird sich das Feuerwerksverbot in der historischen Innenstadt nie zu hundert Prozent durchsetzen lassen. Aber wie in den vergangenen Jahren auch, war es vom erhöhten Beobachtungsposten mit Rundumblick auf die Stadt doch beeindruckend, wie diszipliniert sich die große Mehrheit an diese Vorgabe hielt. Die Innenstadt lag weitgehend im Dunkeln, allenfalls schemenhaft zeichnete sich die Silhouette des Martinskirchturms ab, wenn dahinter Raketen in den Nachthimmel stiegen.

Dass die Freunde des farbigen Feuerwerks wegen des Verbots die Altstadt gemieden hätten, wäre indessen ein Trugschluss. Wieder einmal hatten sie ihre innerstädtischen Aktivitäten auf den Alleenring verlegt, der dadurch für eine gute halbe Stunde zum „Ring of Fire“ mutierte. Nach etlichen gewaltigen Schlusseffekten gegen halb eins verebbte die große Feuerwerkswelle ziemlich schnell und hinterließ - je nach Gesichtspunkt - vor allem Feinstaub oder massiven Pulverdampf.

Der Pulverdampf immerhin weist dieses Jahr auf ein spezielles Gedenken hin: an das Jahr 1618, denn vor 400 Jahren hat der Dreißigjährige Krieg begonnen. Pulverdampf gehörte damals für viele Menschen zum Alltag, nicht nur an Silvester. Und wer als Musketier vor 370 bis 400 Jahren sein Pulver verschossen hatte, war zweifellos übler dran als die Kirchheimer Feuerwerker zu Beginn des Jahres 2018. Die konnten sich nach getaner ballistischer Arbeit wieder in ihre warmen und trockenen Stuben zurückziehen und ganz einfach weiterfeiern.

Nicht ganz so entspannt ging es bei Polizei und Feuerwehr zu, obwohl das Polizeipräsidium Reutlingen aus den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Esslingen meldet, dass die Neujahrsnacht - die Nacht von Silvester auf Neujahr - „insgesamt als friedlich bezeichnet werden kann“. Friedlich heißt in diesem Fall, dass es in den drei Landkreisen zu rund 450 Polizeieinsätzen kam, bei denen fast immer „der übermäßige Alkoholkonsum ursächlich für das polizeiliche Einschreiten war“. Von „einigen Schlägereien und Streitigkeiten“ ist da die Rede sowie von „insgesamt 33 vorwiegend kleineren Bränden von Mülleimern und Containern durch Feuerwerk“.

Großer Brand in Kirchheim

Ausgerechnet der größte Brand hat sich in Kirchheim abgespielt, auf dem Schafhof: Kurz nach 6 Uhr war dort am Neujahrsmorgen im Benzenhofweg ein Wohnhausbrand ausgebrochen, in einem kleinen Schuppen zwischen zwei Wohnhäusern. Rasch griff der Brand auf eine Garage und auf ein Wohnhaus über, dessen kompletter Dachstuhl in Mitleidenschaft gezogen wurde. Mit 43 Einsatzkräften und acht Fahrzeugen war die Feuerwehr vor Ort. Die Ursache für den Brand ist noch nicht geklärt. Der Sachschaden geht in die Zehntausende. Ernsthaft verletzt wurde zum Glück niemand.

Anders sah das in Filderstadt-Plattenhardt aus, wo es zu einem kuriosen Unglücksfall kam: Gegen 2.18 Uhr hörten die Freunde eines 25-Jährigen dessen Schreie und riefen die Rettungskräfte. Die mussten sich nicht nur um den Verletzten kümmern, der „beim Abbrennen eines nicht definierbaren Böllers“ den Großteil seines Zeigefingers verloren hatte. Die Feuerwehr war auch damit beschäftigt, genau diese beiden verlorenen Glieder des Zeigefingers wiederzufinden. Letztlich war aber das Terrain zu unübersichtlich, sodass es beim doppelten Verlust des Fingers blieb.

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Ungewolltes „Feuerwerk“ am Neujahrsmorgen gegen 6 Uhr auf dem Schafhof.Foto: 7aktuell/Simon
Ungewolltes „Feuerwerk“ am Neujahrsmorgen gegen 6 Uhr auf dem Schafhof.Foto: 7aktuell/Simon