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Für die meisten Pflegekräfte ändert das Urteil nicht viel

Ein Nettoverdienst von bis zu 1800 Euro plus freie Kost und Logis - für viele Pflegekräfte aus dem osteuropäischen Ausland übersteigt das die Verdienstmöglichkeiten im eigenen Land um das Dreifache. „Wir haben es hier in aller Regel nicht mit Fachkräften zu tun“, sagt Arne Petermann, Gründer und Gesellschafter von Linara Fair Care, einem Partner der Esslinger Pflegeberatung, der vor Ort Pflegekräfte in einem 400-stündigen Hochschulprogramm zertifiziert. Petermann ist Professor und leitet das Institut für Qualität und Innovation in der häuslichen Versorgung der Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen Saarland.

Die große Mehrheit der Pflegekräfte ist von dem Urteil gar nicht betroffen. „Von den 300 000 Familien in Deutschland, die das System nutzen, machen es 90 Prozent komplett schwarz“, sagt Petermann. „Das ist das größte Problem.“ 80 Prozent der legalen Kräfte stammen aus Polen und haben dem dortigen Modell entsprechend den Status arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger. Hinzu kommen Solo-Selbstständige. Nur ein kleiner Teil arbeitet in einem klassischen Arbeitnehmerverhältnis. Nur für sie ist das Urteil verpflichtend.

Die Nachfrage nach Pflegestellen ist trotz Corona im vergangenen Jahr gewachsen. „Wir haben unser Personal um 20 Prozent erweitert“, sagt Arne Petermann. Bei Linara, die nur Selbstständige vermitteln, gilt: Die Pflegekräfte entscheiden frei, wann, wo, wie lange und unter welchen Umständen sie arbeiten. bk

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