Kirchheim

„Ganz Nabern profitiert vom Neubau“

Bildungshaus Schule und Kindergarten sollen an der Seestraße verschmelzen. Der Kirchheimer Gemeinderat hat sich allerdings für einen anderen Standort entschieden als der Naberner Ortschaftsrat. Von Andreas Volz

Nabern Schule Kindergarten Halle
Nabern Schule Kindergarten Halle

Wählen ist immer gut. Schwierig wird es nur, wenn beide Alternativen gewisse Vorteile bieten, aber auch mit Nachteilen behaftet sind. Beim Um- oder besser Neubau des Naberner Kindergartens ist genau das der Fall: Der Ortschaftsrat Nabern hat sich mit der knappen Mehrheit von fünf zu drei dafür ausgesprochen, den Neubau am bisherigen Standort zu erstellen, den alten Kindergarten also an gleicher Stelle durch einen neuen zu ersetzen. Der Kirchheimer Gemeinderat dagegen hat sich mit 24 zu zehn Stimmen für die andere Variante entschieden - für den Neubau entlang der Seestraße, am Standort der alten Gießnauhalle.

Was für die Variante des Ortschaftsrats - Neubau am alten Standort, also am Johannes-Konzelmann-Weg - spricht, sind vor allem die Nachteile der anderen Variante: Die Freifläche für den Kindergarten würde beim Neubau an der Seestraße zu nahe am Schulgebäude liegen. Der Lärmpegel, der von glücklich spielenden Kindergartenkindern ausgeht, könnte die Schulkinder in ihrer Konzentration stören.

Ein weiterer Nachteil beträfe vor allem die Erwachsenen, die an der Seestraße ihr Auto parken wollen, um möglicherweise in der Gießnauhalle Sport zu treiben: Entlang der Seestraße würden bei der Variante, für die sich der Gemeinderat entschieden hat, zehn Parkplätze wegfallen. Dafür gäbe es aber nur fünf Ersatzparkplätze.

Ansonsten aber scheint der große Vorteil der Seestraße gegenüber dem Johannes-Konzelmann-Weg zu überwiegen: Wenn alte Schule und neuer Kindergarten im rechten Winkel aufeinanderstoßen, lässt sich genau an dieser Schnittstelle ein Mehrzweckraum einrichten, den beide Seiten nutzen können. Dieser Merkzweckraum wäre also das sichtbare Symbol für ein Zusammenwachsen zum gemeinsamen Bildungshaus.

Kirchheims Hochbauamtsleiterin Birgit Spann bezeichnet ihn denn auch als „Dreh- und Angelpunkt des Bildungshauses“. Das wäre so zwar auch am alten Kindergartenstandort möglich. Aber die Seestraße bietet noch einen zusätzlichen Vorteil: Weil der Mehrzweckraum direkt neben den Toi­letten läge, ließe sich dieser Raum eben auch außerhalb von Schul- und Kindergartenzeiten problemlos nutzen - selbst von Gruppen, die gar nicht zu einer der beiden Einrichtungen gehören. Ganz Nabern könnte also davon profitieren und den Mehrzweckraum für unterschiedliche Gruppenangebote nutzen.

Kein teures Provisorium

Was sonst noch für den Standort Seestraße spricht, ist wiederum ein Nachteil der Alternative Johannes-Konzelmann-Weg: Abriss und Neubau an derselben Stelle würden eine Zwischenlösung erfordern, und dieses Interim wäre richtig teuer. Einen provisorischen Kindergarten für die Bauzeit zu errichten, würde 1,7 Millionen Euro kosten. Diese Ausgabe fällt komplett weg, wenn der alte Kindergarten noch so lange genutzt werden kann, bis der Neubau an der Seestraße bezugsfertig ist.

Es ist also durchaus verständlich, warum sich der Gemeinderat anders entschieden hat als die knappe Mehrheit des Ortschaftsrats. Hinzu kommt aber noch ein weiterer Grund: Sowohl Kindergarten- als auch Schulleitung hatten sich im Vorfeld deutlich für die Variante Seestraße ausgesprochen. Auch das war ausschlaggebend für die Abstimmung im Gemeinderat, wie fast alle Redner betonten: Die künftigen Nutzer müssten doch am besten wissen, was sie wirklich brauchen.

Vor- und Nachteile genau abwägend, hat sich die Mehrheit des Kirchheimer Gemeinderats also anders entscheiden als der Naberner Ortschaftsrat. Allerdings war im Gemeinderat auch immer wieder die Rede davon, dass es nicht darum geht, den Ortschaftsrat zu überstimmen. Im Gegenteil: Gerade deswegen taten sich viele schwer, für die Variante entlang der Seestraße zu stimmen. Einerseits wollten sie den Ortschaftsrat nicht düpieren, andererseits aber doch das Ergebnis erzielen, dass sie selbst für besser halten.

Die Synthese präsentierten - bereits während der Gemeinderatsdebatte - zwei Vertreter Naberns: Ortsvorsteherin Veronika Franco Olias sowie Stadt- und Ortschaftsrat Rainer Kneile (Freie Wähler). „Nabern gewinnt auf jeden Fall durch das Projekt“, sagte die Ortsvorsteherin, und ihr erster ehrenamtlicher Stellvertreter ergänzte: „Unabhängig vom Standort wird ganz Nabern vom Neubau profitieren.“

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