Kirchheim

Gastronomen wollen wieder loslegen

Einschränkungen Anders als die Läden dürfen Gaststätten und Cafés am Montag noch nicht wieder öffnen. Das sorgt auch in Kirchheim für Bedauern. Von Bianca Lütz-Holoch

Der Besuch im Biergarten bleibt vorerst tabu: Noch ist nicht klar, wann Restaurants und Cafés wieder öffnen dürfen. Diskutiert w
Der Besuch im Biergarten bleibt vorerst tabu: Noch ist nicht klar, wann Restaurants und Cafés wieder öffnen dürfen. Diskutiert wird derzeit, ob eventuell ein vorsichtiger Einstieg mit Außenbewirtung möglich ist - selbstverständlich bei Einhaltung der vorgeschriebenen Distanz. Foto: Markus Brändli

Enttäuschung bei den Betreibern von Restaurants, Cafés und Gartenwirtschaften: Während zahlreiche Einzelhändler dank Lockerungen der Corona-Verordnung ab Montag wieder öffnen dürfen, ändert sich für sie erst mal nichts.

„Seit drei Wochen ist das Wetter ideal“, sagt Ivan Di Sanza, Inhaber des Ristorante Pizzera La Villetta am Kirchheimer Waldheim. Wenn er Tag für Tag auf die leeren Tische und Stühle in seiner Gartenwirtschaft blickt, wird ihm das Herz schwer: „Das Geschäft holen wir nie wieder auf“, sagt er. Dass der Schutz vor Ansteckung in Corona-Zeiten ganz oben stehen muss, ist für ihn selbstverständlich. „Aber wir haben so viel Platz. Warum dürfen wir da nicht auch Gäste bedienen?“, fragt er. Aus seiner Sicht würde es ausreichen, die Tische weit genug voneinander entfernt aufzustellen und das Personal mit Mundschutz auszustatten. „Servieren kann man auch mit Sicherheitsabstand - und Friseure kommen ihren Kunden doch auch sehr nah“, wendet er ein.

„Wir brauchen einen Hoffnungsschimmer“, bringt es der Kirchheimer Gastronom Michael Holz auf den Punkt. Das Weindorf, das er traditionell auf dem Rollschuhplatz organisiert, hat er ges­tern in Einvernehmen mit Bürgermeister Günter Riemer abgesagt. „Das lässt sich dieses Jahr vernünftigerweise nicht machen“, sagt er. Restaurants, Cafés und Biergärten dagegen sollten in naher Zukunft wieder öffnen dürfen - natürlich bei Wahrung der gebotenen Dis­tanz. „Wir wollen wieder anfangen“, sagt der Wirt des Kirchheimer Burger-Restaurants 3K. Deshalb wird er nun selbst aktiv und hat mit Kollegen, dem Gaststättenverband und Politikern Kontakt aufgenommen: „Wir Gastronomen wollen selbst sinnvolle Vorschläge ausarbeiten und einbringen.“

Martina Banzhaf, Geschäftsführerin des Kirchheimer Restaurants Stall, hat Verständnis dafür, dass die Einschränkungen nur langsam gelockert werden können. „Es dient ja der Gesundheit“, sagt sie. Schade findet sie jedoch, dass es nicht gelungen ist, einen Kompromiss für die Gastronomie zu finden. „Man hätte wenigstens erlauben können, bei schönem Wetter die Gartenterrassen und Biergärten zu öffnen.“ Wichtig wäre das zum einen für Unternehmer selbst: „Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden“, sagt Martina Banzhaf. Daran kann auch ihr Liefer- und Abholservice nichts ändern. Zum anderen würden aus ihrer Sicht aber auch die Menschen profitieren: „Es wäre schön, langsam wieder den Weg zurück ins normale Leben zu finden“, sagt sie.

Vorsichtig optimistisch zeigt sich Andrea Lauenroth, Geschäftsführerin des Eiscafés Italia an der Kirchheimer „Maf“. „Es gibt ganz neue Informationen, dass wir eventuell ab der nächsten Woche den Thekenverkauf wieder aufmachen dürfen“, sagt sie. Entsprechende Meldungen waren am Freitag veröffentlicht worden. Der endgültige Beschluss stand aber noch aus. „Ich denke, wir können uns problemlos auf die Hygienevorschriften einstellen und unsere Kunden so bedienen, wie es auch die Bäckereien tun.“ Aktuell muss das Eiscafé-Team telefonisch Bestellungen entgegennehmen. Die Kunden dürfen das Eis dann zu einer vereinbarten Uhrzeit abholen. „Das ist für uns der dreifache Aufwand“, sagt Andrea Lauenroth. Dennoch kann sie dem Ganzen etwas Positives abgewinnen: „Wir haben ganz tolle und treue Kunden, und zu vielen ist der Kontakt jetzt viel persönlicher geworden.“

Noch keine Nachteile hat der Kirchheimer Gastronom Reinhard Segatz gehabt - zumindest bis jetzt. „Der Hirschgarten ist ein reiner Biergarten und wäre auch in einem regulären Jahr noch geschlossen“, sagt er. In der Regel öffnet die Gartenwirtschaft immer am Wochenende vor dem 1.  Mai. Das klappt dieses Jahr wohl nicht: Die aktuelle Regelung für die Gastronomie gilt bis mindestens 4.  Mai. Ohnehin ist es aus Sicht von Reinhard Segatz schwierig, eine einheitliche Lösung für alle in der Branche zu finden: „Jeder Betrieb hat ganz unterschiedliche Voraussetzungen“, gibt er zu bedenken.

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